Wirtschaft

Auch deutsche Jobs vor Aus Lufthansa: Entlassungen nicht vermeidbar

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Im ersten Halbjahr türmte sich bei der Lufthansa ein Rekord-Nettoverlust von drei Milliarden Euro auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Coronavirus-Pandemie ist vermutlich noch lange nicht überstanden. Für Branchen wie die Luftfahrt bedeuten die globalen Reisebeschränkungen eine "Zäsur", sagt Lufthansa-Chef Spohr. Sein Unternehmen muss dringend Kosten sparen. Für Tausende Mitarbeiter könnte das das Aus bedeuten.

Die Lufthansa verschärft angesichts stockender Verhandlungen mit den Gewerkschaften in der Corona-Krise ihre Gangart beim Abbau Tausender Arbeitsplätze. Der Plan, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Verhandlungen mit den Gewerkschaften auch für Deutschland nicht mehr realistisch, teilte der inzwischen teilverstaatlichte Konzern bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz in Frankfurt am Main mit.

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Die Lufthansa will weltweit rund 22.000 Vollzeitstellen abbauen und verhandelt mit der Arbeitnehmerseite über ein Entgegenkommen, um die Einschnitte zu begrenzen. "Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", sagte Vorstandschef Carsten Spohr. "Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau." Vor allem auf den Langstreckenverbindungen werde es keine schnelle Erholung geben.

Die Airline-Gruppe erlitt im zweiten Quartal, als wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie kaum noch Flüge abhoben, erneut einen Milliardenverlust. Der bereinigte operative Fehlbetrag fiel mit 1,7 Milliarden Euro aber knapp 300 Millionen Euro niedriger aus, als die vom Unternehmen befragten Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Bei nur noch vier Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz von April bis Juni um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein. Im ersten Halbjahr türmte sich ein Rekord-Nettoverlust von drei Milliarden Euro auf. Die Lufthansa erklärte, auch im zweiten Halbjahr sei trotz des wieder wachsenden Luftverkehrs mit einem deutlichen Verlust zu rechnen. Analysten erwarteten zuletzt für 2020 ein Minus von rund fünf Milliarden Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Größte Sorge: zweite Corona-Welle

Während in Europa seit dem Ende der Reisewarnung Mitte Juni mehr und mehr Flüge abheben, liegt die für die Lufthansa wichtige Langstrecke, etwa in die USA, wegen der Pandemie weitgehend brach. Durch erneute Ausbrüche in Regionen wie zuletzt in Nordspanien kommt es zu Rückschlägen. Für Luftfahrt und Tourismus, die am härtesten von der Pandemie betroffenen Branchen, ist eine zweite Corona-Welle die größte Sorge.

Die Lufthansa musste mit neun Milliarden Euro staatlicher Finanzhilfe vor der Pleite in der Corona-Krise gerettet werden. Spohr hatte im Mai gewarnt, das Geld drohe bald auszugehen. Ohne die öffentlichen Finanzspritzen verfügte das Unternehmen Ende Juni noch über 2,8 Milliarden Euro, inklusive des Rettungspakets waren es jetzt knapp zwölf Milliarden Euro.

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Das Unternehmen will mit massiven Kostensenkungen die Krise bewältigen und die Schulden beim Staat rasch wieder abbauen. Zum Sparprogramm gehört vor allem der besagte Personalabbau, der bei den ausländischen Töchtern Austrian und Brussels Airlines sowie Swiss schneller geht als in Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter sank bereits um 8300 auf 129.400. Zudem hatte Spohr angegeben, die Flotte von rund 760 Flugzeugen dauerhaft um "mindestens" 100 Maschinen verkleinern zu wollen.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa