Airline übernimmt großen AnteilLufthansa sticht Konkurrenten aus und steigt bei Portugals Tap ein

Portugal will eine während der Corona-Krise verstaatlichte Airline wieder teilprivatisieren. Die Lufthansa reicht ein Milliarden-Gebot für die Beteiligung ein, ist aber nicht der einzige Bieter. Nun bekommen die Deutschen den Zuschlag.
Die Lufthansa kann bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP einsteigen und damit ihr Geschäft mit Lateinamerika ausbauen. Die deutsche Airline erhalte für 1,2 Milliarden Euro den Zuschlag für einen Anteil von 44,9 Prozent und habe sich damit gegen den Rivalen Air France-KLM durchgesetzt, teilte Portugals Regierung nach einem Kabinettsbeschluss in Lissabon mit. Das Angebot der Lufthansa sei 16 Prozent höher gewesen als das von Air France-KLM, sagte Ministerpräsident Luis Montenegro.
Portugal will die in der Corona-Krise 2020 verstaatlichte Fluggesellschaft wieder teilprivatisieren und hat den Prozess im Juli 2025 neu gestartet. Air France-KLM und die Lufthansa hatten im September ihre endgültigen Gebote für die Beteiligung eingereicht und auf Druck der Regierung in Lissabon ihre Offerten noch einmal nachgebessert. Nach Ansicht der Regierung muss die Fluggesellschaft Teil eines Luftfahrtkonzerns werden, da EU-Beihilferegeln weitere staatliche Hilfen verbieten.
Der portugiesische Staat behält nach der geplanten Teilprivatisierung die Mehrheit an der Tap mit ihren mehr als 100 Flugzeugen und rund 9400 Mitarbeitern. Bis zu fünf Prozent der Anteile sind für die Beschäftigten vorgesehen. Nicht von ihnen erworbene Anteile können zusätzlich an den ausgewählten Investor gehen.
Abschluss für 2028 erwartet
Der Zuschlag bedeutet noch längst nicht den Abschluss des Verkaufs. Nach den abschließenden Vertragsverhandlungen sind weitere Genehmigungen erforderlich. Die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission könnte nach Einschätzung der portugiesischen Regierung 18 bis 24 Monate dauern. Der Abschluss des Geschäfts wird deshalb erst 2028 erwartet.
Für die Lufthansa sind vor allem Verbindungen nach Lateinamerika interessant, insbesondere nach Brasilien. Lissabon soll als Drehkreuz gestärkt werden und die nationale Identität der Airline TAP wie bei anderen Töchtern der Gruppe gewahrt bleiben, hatte der Konzern in der Vergangenheit erklärt. TAP ist auch wegen ihrer Verbindungen in das portugiesischsprachige Afrika und in die USA attraktiv. Über seine Wartungstochter Lufthansa Technik baut der deutsche Konzern zudem eine Reparatur- und Wartungsanlage im portugiesischen Santa Maria da Feira. Dort sollen rund 700 Arbeitsplätze entstehen.
Nach vier Jahren in Serie mit schwarzen Zahlen verbuchte Tap im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro. Belastend wirkten sich unter anderem die gestiegenen Treibstoffkosten aus. Die Betriebserlöse stiegen um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro. Mit 8,2 Millionen Passagieren beförderte die Airline 4,2 Prozent mehr Menschen als im ersten Halbjahr 2025.
