Wirtschaft

Ufo lädt zur Streik-Kundgebung Lufthansa streicht 941 Freitagsflüge

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Fazit nach fast einer vollen Woche Streik: "Wenn es bei der Sprachlosigkeit bleibt, können wir nichts ausschließen."

(Foto: dpa)

Vor der Konzernzentrale in Frankfurt könnte die Entscheidung fallen: Noch vor dem Wochenende will Ufo-Chef Baublies bekannt geben, wie die Gewerkschaft der Flugbegleiter weiter vorgehen will. Die Lufthansa hofft auf "Kompromisse".

Am vorerst letzten Tag des aktuellen Flugbegleiter-Streiks bei der Lufthansa müssen sich Reisende noch einmal auf massive Flugausfälle einstellen: Deutschlands größte Fluggesellschaft hat für diesen Freitag vorsorglich bereits 941 Verbindungen gestrichen. Davon sind noch einmal 110.000 Passagiere betroffen, so dass die Gesamtzahl der geschädigten Fluggäste auf 550.000 ansteigen wird.

Normalbetrieb ab Samstag

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Die Gewerkschaft Ufo will ihren Ende vergangener Woche begonnenen Streik planmäßig in der Nacht von Freitag auf Samstag beenden. Die Lufthansa kündigte an, am Samstag alle planmäßigen Fernflüge zu starten und möglichst schnell wieder zum Normalbetrieb zurückkehren zu wollen.

Zu einer Annäherung der Tarifparteien kam es während des Streiks offenbar nicht. Die Gewerkschaft Ufo rief für Freitagmittag 12.00 Uhr zu einer Abschlusskundgebung vor der Frankfurter Lufthansa-Zentrale auf. Dort will Ufo-Chef Nicoley Baublies das weitere Vorgehen bekanntgeben.

Indirekt drohte Baublies bereits mit weiteren Streikaktionen. "Wenn es bei der Sprachlosigkeit bleibt, können wir nichts ausschließen", hatte er erklärt. Auch die Gewerkschaften Verdi und Cockpit haben ihre Mitglieder aufgerufen, an der Kundgebung teilzunehmen, heißt es bei Ufo.

"Wir haben ein gutes Angebot gemacht"

Kurz vor dem Ende des Streiks bleiben die Fronten zwischen Konzern und Flugbegleitern verhärtet: Lufthansa-Chef Carsten Spohr will im Tarifkonflikt nicht nachgeben. Die Arbeitgeberseite sieht die Gewerkschafter am Zug.

"Wir haben der Ufo ein gutes Angebot gemacht, was es für unsere Flugbegleiter ermöglicht, die Altersvorsorge zu erhöhen", sagte Personalvorstand Bettina Volkens. Lufthansa habe sich auf die Gewerkschaft zubewegt, verbesserte Angebote gemacht und auch die Schlichtung angeboten. Dies habe Ufo bisher aber abgelehnt.

Volkens bekräftigte, dass die Lufthansa lösungsbereit sei. "Am Ende wird es Kompromisse geben", sagte sie. "Wir sind optimistisch, dass es klappt." Es gehe letztlich aber darum, dass die Lufthansa ihre Kosten senke und damit auch in der Zukunft wettbewerbsfähig bleibe.

Vor Gericht gescheitert

In dem Tarifkonflikt geht es der Gewerkschaft unter anderem um die Sicherung der Betriebs- und Übergangsrenten für die Begleiter. Die Lufthansa hatte am Donnerstag noch einmal versucht, den Ausstand zumindest am Standort Düsseldorf gerichtlich verbieten zu lassen. Das Unternehmen zog nach Angaben des Landesarbeitsgerichts in Düsseldorf allerdings am Abend seinen Antrag zurück, nachdem das Gericht auf fehlende Erfolgschancen hingewiesen hatte.

Das Arbeitsgericht Düsseldorf hatte den Streik der Flugbegleiter am Düsseldorfer Flughafen am Mittwoch genehmigt, worauf sich die Lufthansa an das Landesarbeitsgericht gewandt hatte. Zuvor hatte bereits das Arbeitsgericht in Darmstadt den Ausstand der Gewerkschaft in Frankfurt am Main und München für rechtens erklärt. In einer ersten Entscheidung am Dienstag hatte das Arbeitsgericht Düsseldorf den Streik in Düsseldorf für einen Tag - den Dienstag - verboten. Dagegen legte Ufo erfolgreich Widerspruch ein.

Lufthansas längster Streik

Wird der Ausstand wie geplant bis Freitag um Mitternacht fortgesetzt, wäre er der bislang längste in der Unternehmensgeschichte. Die Schäden bezifferte Volkens in der "Bild"-Zeitung auf einen deutlichen zweistelligen Millionenbetrag.

Auch am Donnerstag fielen in Frankfurt am Main, München und Düsseldorf wieder zahlreiche Flüge aus. Insgesamt annullierte die Airline 933 Verbindungen, rund 107.000 Passagiere waren davon - allein am Donnerstag - betroffen. Insgesamt musste der Konzern an den sieben Streiktagen rund 4700 Flüge streichen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa