Wirtschaft

Mit Deutschland zur Weltspitze Macron träumt von "Airbus der Batterien"

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Frankreichs Präsident Macron freut sich über den Einstieg in die Batteriezellenforschung.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Im Wettlauf um die Entwicklung leistungsstarker Batteriezellen, wollen Deutschland und Frankreich nicht den Anschluss verlieren. Ein gemeinsame Pilotanlage in Westfrankreich nimmt nun ihre Arbeit auf. Laut Frankreichs Staatschef Macron steht ihr eine große Zukunft bevor.

Deutschland und Frankreich haben den Startschuss für eine europäische Fertigung von Batteriezellen unter anderem für Elektroautos gegeben. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek von der CDU und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron weihten eine Pilotanlage im westfranzösischen Nersac ein. Sie wird von einem deutsch-französischen Konsortium um den Autobauer Opel, dessen Mutterkonzern PSA und den Batteriespezialisten Saft betrieben, der zum Ölkonzern Total gehört.

"Europa muss in den Zukunftstechnologien ganz vorn mitspielen", sagte Karliczek, während Macron betonte: "Unser Ehrgeiz ist es, europäische Batteriezellen zu entwickeln." Bisher stammten die Akkus aus asiatischen Ländern wie Korea oder China. Die hiesige Industrie hänge damit von Produzenten ab, "die die Preise erhöhen wie sie wollen", betonte Macron.

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Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs hatten bereits Ende 2018 in einer Absichtserklärung eine gemeinsame Batteriezellen-Strategie vereinbart. Damit soll ein "Airbus" der Batteriezellen entstehen, wie Macron unter Anspielung auf den europäischen Flugzeugbauer sagte. Konkret geht es um die Fertigung hochwertiger Lithium-Ionen-Akkus, die langlebig sein sollen und kurze Ladezeiten ermöglichen. Karliczek verwies darauf, dass die Batterietechnologie für "die vielfältigsten Anwendungen" gebraucht werde, von der Elektromobilität über stationäre Stromspeicher bis hin zu medizinischen Geräten. Bei Elektroautos sind Batterien das teuerste Bauteil und gleichzeitig das für die Reichweite entscheidende.

Auch in Deutschland sollen Werke entstehen

Bis 2023 will Karliczeks Ministerium die Forschung in diesem Bereich mit rund einer Milliarde Euro fördern. Macron kündigte staatliche Investitionen von knapp 700 Millionen Euro an. Die EU-Kommission hatte im Dezember Staatsbeihilfen Deutschlands und sechs weiterer Mitgliedsländer im Umfang von insgesamt 3,2 Milliarden Euro gebilligt. Der europäischen Batteriezellenfertigung wollen sich auch Italien, Polen, Belgien, Schweden und Finnland anschließen.

Opel-Chef Michael Lohscheller erklärte, Deutschland und Frankreich stellten damit "die Weichen für die Zukunft". Er verwies auf das geplante Batteriezellwerk im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern. "Wir investieren gemeinsam mit unserem Partner Saft einen Milliardenbetrag und schaffen 2000 Arbeitsplätze", sagte Lohscheller. Eine deutsche Forschungsfabrik soll zudem im westfälischen Münster entstehen.

Macron sagte vor Mitarbeitern des Batterieherstellers Saft, auch in Frankreich entstünden mittelfristig 2000 bis 2500 Arbeitsplätze. Zunächst sind nach seinen Worten in Nersac und Bordeaux rund 200 Menschen mit der Forschung beschäftigt. Die industrielle Fertigung soll in Frankreich ab 2022 beginnen, in Deutschland spätestens Mitte der 20er Jahre.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU wirbt bereits seit Monaten für "Batteriezellen made in Germany". Nach seinen Angaben sind von deutscher Seite neben Opel auch Unternehmen wie BASF, BMW, Umicore und Varta beteiligt. Zuletzt sorgten Berichte für Aufsehen, dass auch Tesla in Deutschland Fördergelder beantragt habe. Der US-Elektroautobauer plant derzeit ein Werk im brandenburgischen Grünheide.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP