Wirtschaft

IFO: "Zahlen machen Hoffnung" Materialmangellage in der Industrie entspannt sich

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Heiß ersehnte Lieferungen verzögern sich häufig, vor allem wegen der vielen Lockdowns in China.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Um bis zu 1,5 Prozentpunkte höher hätte das BIP zuletzt ausfallen können, wenn die deutsche Industrie nicht so sehr unter Materialengpässen zu leiden hätte, rechnen IMK-Forscher vor. Immerhin: Die Zahl der betroffenen Unternehmen nimmt ab. Entwarnung will das IFO-Institut aber nicht geben.

Der Materialmangel in der deutschen Industrie ist so gering wie seit gut anderthalb Jahren nicht mehr. Im November berichteten 59,3 Prozent der Unternehmen von Engpässen, wie das IFO-Institut zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit April 2021. Im Oktober hatten 63,8 Prozent der Firmen über Knappheiten bei wichtigen Materialien und Vorprodukten geklagt. "Die Zahlen machen Hoffnung. Dennoch kann noch nicht von einer tiefgreifenden Entspannung gesprochen werden", sagte der Leiter der IFO-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Viele Aufträge können noch immer nicht abgearbeitet werden."

In der wichtigen Automobilbranche stieg der Anteil der betroffenen Unternehmen gegen den Trend von 74,9 auf 83,2 Prozent. Im Maschinenbau sank er, jedoch nur auf 78,7 Prozent. Bei mehr als 70 Prozent liegt der Anteil auch bei den Getränkeherstellern, den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen. In der Metallerzeugung und -bearbeitung hat sich die Situation dagegen entspannt: Mit 16,1 Prozent liegt der Anteil der Unternehmen so niedrig wie zu Beginn der Beschaffungskrise.

Ob Mikrochips, Kunststoffe oder Verpackungen: Fehlende Vorprodukte aus dem Ausland kommen die deutsche Industrie einer Studie zufolge teuer zu stehen. Von Anfang 2021 bis Mitte 2022 konnten wegen Lieferengpässen Güter im Wert von knapp 64 Milliarden Euro nicht hergestellt werden, geht aus der Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung hervor. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hätte Ende 2021 um 1,2 Prozent und Mitte 2022 um 1,5 Prozent höher liegen können, wenn sämtliche Neuaufträge auch hätten abgearbeitet werden können.

"Diese Zahlen untermauern den Bedarf, der Resilienz der Lieferketten künftig zulasten der Kosteneffizienz ein höheres Gewicht beizumessen", schreiben die Forscher. Ein Grund für die Probleme ist die Corona-Krise. Durch wiederkehrende Lockdowns in China - dem wichtigsten deutschen Handelspartner - konnten viele dringend benötigte Teile nicht oder nur mit erheblicher Verspätung geliefert werden.

Quelle: ntv.de, jog/rts

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