Wirtschaft

Moll-Töne dominieren Mauer Jahresbeginn für deutsche Wirtschaft

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(Foto: imago/HOFER)

Für die deutsche Wirtschaft beginnt das neue Jahr, wie das alte endete. Das Wachstum ist bestenfalls gedämpft. Der Ausfuhren stagnieren auf Monatssicht. Die Stimmungsindikatoren lassen zudem keine rasche Aufhellung erwarten.

Die deutsche Wirtschaft ist schwach ins neue Jahr gestartet. Anhaltende Probleme in der Kfz-Wirtschaft ließen die Produktion von Investitionsgütern auf den niedrigsten Stand seit März 2017 fallen. Die Exporte stagnierten auf dem Vormonatsniveau und die Auftragseingänge lassen nicht auf eine durchgreifende Besserung hoffen. Passend zu alledem hat der Rückgang der Stimmungsindikatoren bis zuletzt angehalten. Soweit bisher zu erkennen, halten alleine die Konsumenten die Fahne hoch. Unterdessen senkten die RWI-Experten Ihre Wachstumserwartungen auf nur noch 0,9 Prozent Wachstum.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank die Produktion im produzierenden Sektor gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent, während Volkswirte einen Zuwachs von 0,4 Prozent prognostiziert hatten. Die Produktion von "Kraftwagen und Kraftwagenteilen" sank um 9,2 Prozent.

Laut Bundeswirtschaftsministerium haben zu dem starken Rückgang der Januar-Produktion im Kfz-Bereich auch Produktionsstillstände aufgrund von Modellwechseln sowie Streiks bei Zulieferern und damit erneut Sondereffekte beigetragen. Das Ministerium rechnet angesichts des schwachen Januar-Werts mit einer weiterhin nur gedämpften Industriekonjunktur.

Die Industrieproduktion im engeren Sinne fiel um 1,2 Prozent, wobei die Erzeugung von Vorleistungsgütern um 0,7 Prozent eingeschränkt wurde und die Produktion von Investitionsgütern um 2,5 Prozent zurückging. Die Produktion von Konsumgütern stieg dagegen um 1,5 Prozent. Die Bauproduktion erhöhte sich um 0,2 Prozent und die Energieerzeugung um 3,6 Prozent. Zuvor hatte das Statistikamt einen Rückgang der Auftragseingänge um 2,6 Prozent gemeldet.

Verkäufe nach Europa schwächeln

Derweil bekommen auch die Exporteure die Konjunkturabkühlung in Europa und in der Welt zu spüren. Im Januar stagnierten die Ausfuhren saisonbereinigt zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Ausfuhren um 1,7 Prozent höher. Die Importe stiegen im Januar saisonbereinigt um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auf Jahressicht ergab sich ein Importanstieg von 5,0 Prozent.

Besonders träge lief das Exportgeschäft mit Ländern innerhalb Europas. Die Ausfuhren in die Eurozone stiegen lediglich um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Exportgeschäft mit EU-Ländern, die nicht der Eurozone angehören, wie Großbritannien und Polen, stagnierte sogar. Für die gesamten Ausfuhren in die EU-Länder ergab sich ein mageres Plus von 0,6 Prozent. Das Exportgeschäft mit Drittstaaten, zu denen etwa China, Russland, Brasilien und auch die USA zählen, lief etwas besser, aber auch nicht wirklich gut. Die Ausfuhren in diese Länder stiegen um 3,3 Prozent.

Der Außenhandelsverband BGA rechnet trotz aller Hürden mit einem neuen Exportrekord im laufenden Jahr. Demnach sollen die Ausfuhren um bis zu 3,0 Prozent wachsen. Das wäre in etwa so viel wie 2018, aber deutlich weniger als im Jahr zuvor (plus 6,2 Prozent).

Das Ifo-Geschäftsklima sank im Februar zum sechsten Mal in Folge, der Einkaufsmanagerindex allerdings stieg im Februar dank des Dienstleistungssektors erstmals seit August vergangenen Jahres.

Experten mit Deutungsschwierigkeiten

Die Experten der ING findet die anhaltende Schwäche der deutschen Industriedaten immer schwerer zu erklären. "Es scheint, als würde eine Kombination aus verschiedenen Einmalfaktoren und einer zunehmenden globalen Unsicherheit hinter diese anhaltenden Enttäuschungen stehen", schrieb ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Im Nachhinein erklärt dieser Schwung an enttäuschenden Industriedaten, warum Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in der vergangenen Woche die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank unterstützt hat." Allerdings gebe es auch Zeichen, dass der Boden erreicht sein könnte. So bleibe der Konsum der Bundesbürger stark, die heimische Nachfrage groß und das Zinsniveau niedrig.

Die Commerzbank erwartet, dass die deutsche Industrieproduktion im ersten Quartal 2019 stagnieren wird. Volkswirt Ralph Solveen geht davon aus, dass die unterliegende Tendenz der Produktion nach unten zeigen wird, weil dies auch für die Auftragseingänge gelte und weil die Stimmungsindikatoren bis zuletzt gefallen seien. Überlagert werden dürfte dies laut Solveen allerdings von der zu erwartenden Erholung der Auto-Produktion.

Die Exportstagnation bewertete Solveen angesichts wahrscheinlich gesunkener Auto-Ausfuhren sogar als positiv. "Von deutlichem Rückenwind für die Konjunktur aus dem Ausland kann damit sicherlich nicht die Rede sein, aber zumindest kam im Januar auch kein starker Gegenwind", schrieb er in einem Kommentar. Insgesamt erwartet die Commerzbank für das erste Quartal ein leichtes Wirtschaftswachstum.

"Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich derzeit zwar nicht allzu dynamisch, es deutet jedoch nichts auf eine Rezession hin", sagte der Chefökonom des Essener Instituts RWI, Roland Döhrn. Dies gelte auch international: "Die Konjunktur schwächelt zwar, sie wird aber durch eine Reihe von Faktoren gestützt." Für 2020 rechnen sie nun mit 1,5 Prozent Wachstum. Die höhere Wachstumsrate für 2020 beruhe vor allem auf deutlich mehr Arbeitstagen als im laufenden Jahr. Am Arbeitsmarkt dürfte sich der Beschäftigungsaufbau laut RWI wohl fortsetzen, aber im Einklang mit der gesamten Konjunktur etwas an Tempo verlieren.

Starke Korrekturen

Ähnlich wie bei den Auftragseingängen wurde auch bei den Produktionsdaten der Dezember-Wert stark revidiert. Aus einem Produktionsrückgang von 0,4 Prozent wurde nach Revision ein Plus von 0,8 Prozent. Diese auf Nachmeldungen bei Investitionsgütern und dem Bauausbaugewerbe beruhende Revision hat zur Folge, dass die Produktion im vierten Quartal nun nur noch um 1,1 Prozent gesunken ist und nicht mehr um 1,5 Prozent - mit potenziellen Auswirkungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Auch beim Einzelhandelsumsatz im Dezember könnte es noch Aufwärtsrevisionen geben. Mitte Februar hatte Destatis den vorläufig gemeldeten Umsatzrückgang schon von 4,3 auf 3,1 Prozent revidiert. Die nächste Revision wird am Freitag dieser Woche veröffentlicht. Dabei könnte dann allerdings auch der recht hoch anmutende Januar-Wert von plus 3,3 Prozent nach unten korrigiert werden.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts/dpa

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