Wirtschaft

Gedämpfte Kauflaune wegen Corona Mehrwertsteuer-Senkung hat kaum Effekt

imago0101747451h.jpg

(Foto: imago images/brennweiteffm)

Bislang zeigt die Senkung der Mehrwertsteuer keine große Wirkung. Wegen der Pandemie-Lage vermeiden viele Kunden, in Geschäften einzukaufen. Dafür profitiert der Online-Handel umso mehr. Eine Branche ganz besonders.

Nach Einschätzung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat die wegen der Corona-Krise gesenkte Mehrwertsteuer bisher kaum Konjunkturimpulse gebracht. "Bislang waren die Effekte der Mehrwertsteuer-Senkung eher geringer ausgeprägt", sagte der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl dem "Handelsblatt". Er fügte hinzu: "Aufgrund unserer Erfahrungen mit der Erhöhung in 2007 gehen wir jedoch davon aus, dass vor allem gegen Jahresende sich positive Effekte zeigen werden."

Die gedämpfte Kauflaune der Deutschen trifft aus Bürkls Sicht vor allem den stationären Handel, weil die Verbraucher aufgrund steigender Infektionszahlen verunsichert seien und viele den Besuch von Geschäften eher vermieden. Hinzu komme, "dass Einkaufen mit Maske nur beschränkt Spaß macht". Entsprechend skeptisch sieht der Experte eine mögliche Verlängerung der befristeten Steuersenkung. "Solange die Verbraucher verunsichert sind und Angst haben, in Geschäfte zu gehen, wird auch eine Verlängerung der Mehrwertsteuer-Senkung weniger dem stationären Handel zugutekommen, als vielmehr den Online-Käufen."

Auch von den Corona-Einschränkungen dürfte vor allem der Online-Handel verstärkt profitieren, sagte Bürkl. Generell misst der Experte dem Konsum als Konjunkturstütze in der Corona-Krise wenig Bedeutung bei. Mit dem Ansteigen der Infektionsraten habe sich das Konsumklima zuletzt wieder etwas abgeschwächt. "Folglich ist der Konsum insgesamt derzeit keine wesentliche Stütze der deutschen Konjunktur", sagte Bürkl.

Als Profiteur sieht der Forscher aber den Lebensmitteleinzelhandel. Hier sei der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr positiv. "Dies hat auch damit zu tun, dass sich mit dem Lockdown sowie Homeoffice und Kurzarbeit das Leben vieler Beschäftigter in die eigenen vier Wände verlagert hat", erläuterte Bürkl. Der Verzehr von Lebensmitteln und Getränken habe sich von außer Haus in Restaurants, Kantinen oder Imbissbuden nach "inhome" verlagert. "Davon profitierte und profitiert der Lebensmitteleinzelhandel", sagte Bürkl. Entsprechend seien die Umsätze für den Außerhausverzehr eingebrochen.

Seit Juli gelten für ein halbes Jahr niedrigere Steuersätze: 16 statt 19 Prozent beziehungsweise 5 statt 7 Prozent. Damit will die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum ankurbeln. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat seine Position bekräftigt, die befristete Mehrwertsteuer-Senkung auch wirklich zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Gerade weil diese Steuersenkung sowie die vorübergehende Einführung der degressiven Abschreibung befristet worden sind, zeigen sie Wirkung. Die Konsumenten und die Unternehmen sollen nicht alle auf bessere Zeiten warten. Das ist das ganze Geheimnis des Erfolgs", sagte der Vizekanzler der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Frau Merkel und ich sind uns einig, dass die Mehrwertsteuer-Senkung zum Jahresende ausläuft."

Quelle: ntv.de, chf/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.