Rastatt geht leer ausMercedes-Benz will neue G-Klasse in Ungarn produzieren

Osteuropa statt Rastatt: Hohe Kosten und schwache Geschäfte setzen Mercedes-Benz unter Druck. Um zu sparen, will der Konzern seine neue Mini-G-Klasse in Ungarn fertigen.
Der Autobauer Mercedes-Benz will die für 2027 geplante kleine G-Klasse, auch Mini-G-Klasse oder "Baby-G" genannt, aus seiner Geländewagenmodellreihe laut einem Medienbericht im ungarischen Werk Kecskemét produzieren. Das Werk im baden-württembergischen Rastatt gehe hingegen leer aus, berichtete die "Automobilwoche" unter Berufung auf Konzernkreise.
Mit der Entscheidung stärke Mercedes seine Fertigung in Osteuropa, führte das Branchenmedium aus. Nach einer Werkserweiterung für rund eine Milliarde Euro steigen die Kapazitäten in Kecskemét demnach auf 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr. Künftig werde Ungarn damit rund 30 Prozent der europäischen Mercedes-Produktion übernehmen können, doppelt so viel wie bisher, schrieb die "Automobilwoche".
Die Verlagerung ist demnach Teil eines umfassenden Effizienzprogramms, mit dem der Autobauer seine Produktionskosten um zehn Prozent verringern will. Neben der kleinen G-Klasse könnten laut Bericht künftig weitere Volumenmodelle nach Ungarn kommen. Gleichzeitig sinke die Produktionsmenge an den deutschen Standorten Sindelfingen, Rastatt und Bremen.
Die deutschen Autobauer stehen derzeit unter Druck, ihre Kosten zu senken. Bei Mercedes fällt die Standortentscheidung laut "Wirtschaftswoche" inmitten der Debatte über ein weiteres Sparprogramm, in der auch längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke erwogen werden.
Die IG Metall kritisiert die Pläne scharf und hat für Freitag Protestaktionen und Demonstrationen an mehreren Mercedes-Standorten angekündigt. Die Gewerkschaft moniert, dass sich die geplanten Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten richteten und zentrale tarifliche Errungenschaften infrage gestellt würden.