Wirtschaft

Umsatzminus von 77 Prozent Modeläden gehen durch "Tal der Tränen"

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Einige stationäre Modehändler werden den Lockdown womöglich nicht überleben.

(Foto: dpa)

Im Lockdown müssen Mode- und Schuhläden schließen, Click-und-Collect kann das kaum auffangen. Die Umsätze stürzen ins Bodenlose. Der Handelsverband Deutschland zeichnet für den Einzelhandel insgesamt ein differenziertes Bild: Im Onlinehandel wird kräftig Kasse gemacht.

Der Lockdown seit Mitte Dezember hat den Umsatz von Mode- und Schuhläden abstürzen lassen. Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art in Waren- und Kaufhäusern brach im Januar um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte erneut eine "realistische und schnelle Öffnungsperspektive".

Die Lage im Einzelhandel bleibe "deutlich zweigespalten", erklärte der HDE. Der Lockdown "stürzt vor allem den stationären Modehandel in ein tiefes Tal der Tränen", erklärte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Online-Handel dagegen könne sich über erhebliche Umsatzsteigerungen freuen. Laut Statistik stieg der Umsatz des Internet- und Versandhandels im ersten Monat des Jahres um fast 32 Prozent im Vorjahresvergleich. Der Einzelhandel insgesamt erlebte im Januar den laut HDE stärksten Umsatzrückgang seit Beginn der Coronakrise. Das Minus betrug 8,7 Prozent im Vorjahresvergleich.

"Inhabern droht Gang zum Sozialamt"

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Angesichts dieser dramatischen Zahlen forderte der HDE einen Tag vor der Corona-Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und - präsidenten der Länder erneut eine Öffnungsperspektive. Die Branche habe mit ihren funktionierenden Hygienekonzepten bewiesen, dass geöffnete Ladentüren und Pandemiebekämpfung kein Widerspruch seien, erklärte Genth. Auch das Robert-Koch-Institut sehe das Infektionsrisiko beim Einkaufen als gering an. "Es gibt keinen sachlichen Grund mehr, die Ladentüren weiterhin nicht aufzusperren."

Der HDE forderte zudem, die staatlichen Hilfen um Möglichkeiten zur Berücksichtigung eines Unternehmerlohns und einer kalkulatorischen Miete zu ergänzen und die EU-Beihilfegrenzen nach oben anzupassen. "Vielen Inhabern droht der Gang zum Sozialamt. Hier brauchen wir dringend eine Lösung", erklärte Genth. Bisher dürften bei den Wirtschaftshilfen kein Unternehmerlohn und keine Miete für eigengenutzte Läden berücksichtigt werden. "Die Politik muss morgen liefern. Ansonsten schließen sich viele Ladentüren für immer."

Quelle: ntv.de, jog/AFP

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