Wirtschaft

Verunreinigtes Öl in Pipeline Moskau will Verantwortliche bestrafen

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Die russischen Öllieferungen über die "Freundschafts"-Pipeline sind gegenwärtig unterbrochen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die russische Pipeline Druschba ist die längste der Welt. Sie trägt rund ein Drittel zur Rohölversorgung Deutschlands bei. Seit Tagen steht sie wegen erhöhter Chlorid-Werte im Öl still. Wer dafür verantwortlich ist, will die Regierung nun klären.

Russlands Premierminister Dmitri Medwedew hat Energie- und Handelsministerien angewiesen, innerhalb von sieben Tagen eine Untersuchung der kürzlich entdeckten Verunreinigungen der Druschba-Pipeline durchzuführen. Wie aus einer Regierungserklärung hervorgeht, sollen die Ergebnisse an die Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet werden.

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Die Lieferung russischen Öls durch die "Freundschafts"-Pipeline Richtung Polen, Deutschland und die Slowakei war am Donnerstag wegen erhöhter Chlorid-Grenzwerte unterbrochen worden. Druschba liefert seit den 60er-Jahren russisches Öl nach Europa. Die Pipeline trägt rund ein Drittel zur Rohölversorgung in Deutschland bei. Die Pipeline hat zwei Stränge: Der nördliche Zweig führt über Weißrussland, der südliche über die Ukraine.

Präsident Wladimir Putin, der sich am Rande des chinesischen Seidenstraßen-Gipfels am Samstag zu dem Vorfall ebenfalls äußerte, forderte eine interne Untersuchung des russischen Pipelinebetreibers Transneft. Wie Putin bestätigte, gab es zu dem Vorfall auch ein Gespräch mit dem weißrussischen Präsidenten Alyaksandr Lukaschenko.

Es sei ein "sehr kurzer Meinungsaustausch in dieser Angelegenheit" gewesen, ließ Putin wissen. "Ich weiß, was passiert ist, aber die Details sind mir unbekannt." Er schließe nicht aus, dass Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitsdienste an der Untersuchung beteiligt würden.

Minsk und Moskau im Dauerstreit

Das Verhältnis zwischen Russland und Weißrussland ist derzeit wegen eines Handelsstreits angespannt. Moskau wirft dem Nachbarn vor, russische Sanktionen zu umgehen und ein Schlupfloch für sanktionierte Waren zu sein. Zuletzt hatte Lukaschenko damit gedroht, dass "die Öl-Pipelines, die durch Weißrussland gehen, seit längerem repariert werden (müssen). Ich bitte die russische Regierung darum, dies jetzt in Angriff zu nehmen".

Die Pipeline Druschba stand bereits vor über zehn Jahren im Mittelpunkt eines Streits zwischen Minsk und Moskau. Anfang 2007 sperrte der russische Betreiber Transneft die Pipeline im sogenannten Energiestreit zwischen beiden Ländern.

Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Kosak versuchte Sorgen vor einem Eskalieren des Streits zu vertreiben: "Man muss das nicht politisieren. Das kommt in regelmäßigen Abständen vor." Sobald die Verantwortlichen für die Verschmutzung gefunden seien, würden sie zur Verantwortung gezogen und bestraft.

Moskaus offizielle Begründung für den aktuellen Lieferstopp lautet technische Probleme. Das Öl sei durch zu viele Chloride verunreinigt, in den Raffinerien würde das Schäden anrichten. Grundsätzlich ist der Einsatz von Chloriden nichts Ungewöhnliches, sie werden bei der Förderung des Rohöls benötigt, anschließend aber wieder entfernt. Offiziell heißt es, die regulären und sauberen Öllieferungen nach Europa sollen in etwa zwei Wochen wieder aufgenommen werden können.

Keine Versorgungsprobleme

Die Verbraucher in Deutschland haben durch die Unterbrechung der Öllieferungen aus Russland keine Engpässe zu befürchten. Die Versorgung mit Benzin, Diesel und Heizöl sei gesichert, erklärten die Mineralölwirtschaft, Raffineriebetreiber und das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Es gebe ausreichend Reserven in den Öl- und Raffinerielagern, um die Lieferunterbrechung zu überbrücken.  

Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt, wo die Druschba-Pipeline endet, kann mit den vorhandenen Vorräten noch bis zu zehn Tage weiterarbeiten. Eine alternative Versorgung über den Hafen Rostock sei bereits in die Wege geleitet, teilte eine Sprecherin mit.

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Quelle: n-tv.de, ddi/dpa

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