Größte Übernahme der FirmaMotorenbauer Deutz plant milliardenschweren Kauf einer Rüstungsfirma

Das Kölner Traditionsunternehmen Deutz investiert ins Rüstungsgeschäft. Der Motorenbauer will mit einer milliardenschweren Expansion den Rüstungsspezialisten FFG übernehmen und so seine Defence-Sparte ausbauen. Damit könnte er seine Wachstumsziele schneller erreichen.
Der Kölner Motorenbauer Deutz peilt den größten Zukauf seiner gut 160-jährigen Firmengeschichte an. Wie das Unternehmen in Köln mitteilte, hat es eine Vereinbarung zur Übernahme des Rüstungskonzerns FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH aus Schleswig-Holstein geschlossen. Der Kaufpreis liege bei rund 1,6 Milliarden Euro. Er soll teilweise in Aktien bezahlt werden, die Deutz neu ausgibt. Die bisherige Eigentümerfamilie der FFG soll künftig 29,9 Prozent der Deutz-Anteile halten.
Für die Transaktion steht noch die Zustimmung der Hauptversammlung aus, die am 24. August stattfinden soll, außerdem fehlt noch die Zustimmung von Kartellbehörden. Die Übernahme soll Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen sein. Zu den aktuell rund 6000 Deutz-Beschäftigten kämen 1100 Beschäftigte der FFG hinzu. Die Deutz-Aktie legte zeitweise mehr als acht Prozent zu.
Der Gesamtkaufpreis setzt sich zusammen aus einer fremdfinanzierten Barkomponente von rund 1,0 Milliarden Euro, für die sich Deutz verbindliche Finanzierungszusagen eines Konsortiums internationaler Banken gesichert habe, sowie einer Eigenkapitalkomponente von derzeit rund 0,6 Milliarden Euro, die durch die Ausgabe neuer Deutz-Aktien an die Verkäuferfamilien geleistet werde.
"Das ist die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte", sagte Deutz-Chef Sebastian Schulte. "Zusammen mit FFG wird Deutz zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen", sagte Schulte. Norbert Erichsen, Sprecher des Gesellschafterkreises der FFG, sagte, es entstehe ein deutscher wehrtechnischer Industrieverbund, der die Stärken beider Unternehmen bündele und ihre gemeinsame Entwicklung langfristig vorantreibe.
Profitieren von Nato-Kunden
FFG werde in seine Fahrzeuge Motoren von Deutz einbauen. FFG produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge. Dazu zählen Berge- und Schützenpanzer, Mannschaftstransporter oder Spezialfahrzeuge. FFG sei breit aufgestellt und nicht von einem Hauptkunden abhängig, betonte Schulte. Kunden seien unter anderem die Bundeswehr sowie 14 andere Nato-Staaten und die Ukraine.
2025 kam FFG den Angaben zufolge auf einen Umsatz von 760 Millionen Euro, der noch deutlich steigen soll. Der Auftragsbestand der Firma - der sogenannte Backlog - liegt bei 1,9 Milliarden Euro. "Ich bin überzeugt, dass FFG eins der attraktivsten und profitabelsten Defence-Unternehmen in Europa ist, die verfügbar sind", sagte Schulte.
Mit dem Zukauf stärkt Deutz seine noch kleine Rüstungssparte, die Motoren für einen polnischen Truppentransporter und Hilfsmotoren für Panzer herstellt. Im vergangenen Jahr kaufte Deutz einen Drohnen-Zulieferer. Dessen Elektroantriebe und Steuerantriebe sind in Drohnen verbaut, die von der ukrainischen Armee genutzt werden. "FFG wird der Anker unseres Defence-Geschäfts, es wird weiter als eigenständige Einheit operieren", sagte Schulte.
Starkes Wachstum von Deutz
Deutz ist der älteste Motorenbauer der Welt, seine Ursprünge gehen bis 1864 zurück. Der Kölner Konzern stellt vor allem Verbrennungsmotoren für schweres Gerät her, etwa für Kräne, Hebebühnen und Landmaschinen. Die Firma wird als ein Profiteur der geplanten Milliardeninvestitionen des Bundes in die Infrastruktur gesehen. Auch Generatoren und Notstromanlagen sind im Sortiment, auch diesen Bereich stärkte Deutz mit Zukäufen.
Deutz ist auf einem steilen Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr kam die Firma auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro und damit 13 Prozent mehr als 2024. Für dieses Jahr rechnete die Firma im Mai mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro.
2030 sollten es vier Milliarden sein, nach dem Zukauf der FFG soll dieses Ziel aber schon früher erreicht werden. "Wir haben in der alten Zielformulierung für 2030 nicht unterstellt, dass wir eine so signifikante Übernahme umsetzen", sagte Schulte. Das Umsatzziel könne ein bis zwei Jahre früher erreicht werden. Auf der Ergebnisseite könne es noch schneller gehen. Bislang peilt Deutz für 2030 einen Umsatz von vier Milliarden Euro an und eine Ebit-Marge von zehn Prozent.