Wirtschaft
BER-Chef Karsten Mühlenfeld (l) mit dem Aufsichtsratschef Michael Müller auf dem Weg zur Pressekonferenz.
BER-Chef Karsten Mühlenfeld (l) mit dem Aufsichtsratschef Michael Müller auf dem Weg zur Pressekonferenz.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 22. April 2016

BER-Start 2017 "plus vier Wochen"?: Müller: Jetzt sind die Behörden dran

Von Diana Dittmer

Die BER-Entscheider halten an ihrem knappen Zeitplan fest. Der Hauptstadtflughafen soll 2017 ans Netz. Es wird eng, aber die Lage sei "beherrschbar", sagt Aufsichtsratschef Müller. Doch da gibt es schon wieder eine böse Überraschung.

Der Aufsichtsratschef des BER, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller scheint völlig außer Atem, als er nach der Sitzung des Gremiums in Berlin vor die Presse tritt. Seit den frühen Morgenstunden haben die BER-Entscheider getagt, für mittags war die Pressekonferenz anberaumt. Letztlich treten Müller und Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld mit über zwei Stunden Verspätung ans Mikrofon. Dann endlich die Ansage zum Eröffnungsdatum. Der Zeitplan steht - noch: "Obwohl es enger wird, es ist immer noch möglich", sagt Müller. "Wir sind gut unterwegs Ende 2017 zu erreichen."

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Dass es immer noch kein konkretes Eröffnungsdatum gibt, ist frustrierend, war aber erwartet worden. Auch eine Garantie für den weiteren Zeitplan will Müller nicht übernehmen, aber die Botschaft zumindest ist eindeutig: Hier wird immer noch alles versucht. Und der Regierende Bürgermeister versichert: "Wir haben das hart hinterfragt." Jetzt sei es wichtig, den "Druck im Kessel" zu lassen. "Daran werden alle mitwirken."

Damit richtet Müller sich in diesem Augenblick vor allem ans Eisenbahnbundesamt, das offenbar nur wenige Stunden vor der Sitzung der Kontrolleure BER-Chef Mühlenfeld neue Anforderungen für die Entrauchungsanlage im Bahn-Tunnel unter dem Flughafen vorgelegt hat. Laut Müller will die Behörde kurzfristig zusätzliche Simulationen dazu, wie sich bei einem Brand der Rauch am Übergang zum Bahnhof unterm Terminal verteilen würde, wenn Züge fahren. Warum so kurzfristig, ist unklar. Aber "offensichtlich sind neue Fragen aufgetaucht, über die gesprochen werden muss", erklärt er. Er werde deshalb alle zu einem Gespräch einladen. "Wir wollen gemeinsam zu konstruktiven Lösungen kommen."

Eine "beherrschbare Situation"

Auch wenn wieder mal klar wird, dass dieser Flughafen vor keinen Überraschungen gefeit ist, gibt sich der Aufsichtsratsvorsitzende zuversichtlich. "Inzwischen haben wir eine überschaubare, beherrschbare Situation", nennt er es immer noch - trotz der jüngsten Hiobsbotschaft. "Was die Flughafengesellschaft machen konnte, hat sie gemacht." Schneller bauen sei nicht mehr möglich. Jetzt hänge es an der Entscheidungskompetenz anderer Stellen, der Behörden.

Fatal ist jedoch, dass der Zeitpuffer, den der BER sich zur Sicherheit für die Planung eingeräumt hatte, inzwischen aufgebraucht ist, wie Müller einräumt. Dafür sei es auf der Baustelle aber auch "ganz deutlich nach vorn gegangen", versucht er den Druck rauszunehmen.

Vorsorglich haben alle Beteiligten die Öffentlichkeit im Vorfeld der Sitzung darauf eingestimmt, wie knapp es mit dem Zeitplan bis Ende 2017 noch werden kann. Eigentlich sollte der BER schon 2011 in Betrieb gehen. Vier Eröffnungstermine sind bereits geplatzt, weil die Brandschutzanlage nicht funktionierte und es zahlreiche andere Mängel im Abfertigungsgebäude gab. Zuletzt hatten sich Baugenehmigungen für die komplexe Brandschutzanlage des Terminals verzögert. Offenbar setzt sich das Thema im Bahn-Tunnel fort. Ausgang offen.

"Kein Streit um vier Wochen"

Müller (l.) und Mühlenfeld bei der Präsentation der "Streifenlösung".
Müller (l.) und Mühlenfeld bei der Präsentation der "Streifenlösung".(Foto: picture alliance / dpa)

Dennoch bekräftigt Müller noch einmal, wie wichtig das Datum für ihn ist. Relativiert dabei aber: "Ich streite mich nicht um vier Wochen". Bei allem, was man am BER hinter sich habe, sei es nicht entscheidend. Wichtig sei, dass jetzt alles "seriös und sicher" sei. Zu verheimlichen gebe es nichts, erkärt er weiter. "Alle wissen, dass wir ein schwieriges Thema zu bewältigen haben. In dieser Lage wäre es fatal wegen der Bundestagswahl etwas zu machen, was mir acht Wochen später auf die Füße fällt."

Trotzdem: Pannen, böse Überraschungen sollte es jetzt am BER jetzt nicht mehr geben. Die Berliner Flughafengesellschaft steckt wegen der mehrere Milliarden Euro teuren Großbaustelle in den roten Zahlen. Zwar habe sich das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr um 30 Millionen Euro verbessert, wie Müller erklärt. Aus der Verlustzone kommt die Gesellschaft trotz gestiegener Passagierzahlen und höherer Entgelte für die Fluggesellschaften aber dennoch nicht heraus. Der endgültige Geschäftsbericht für 2015 wird im Mai veröffentlicht.

Jeder Tag Verzögerung frisst eine Millionen-Summe, wie der Haushalts-Experte der Grünen, Sven-Christian Kindler, zuletzt noch einmal vorgerechnet hat: "Allein die monatlichen Betriebskosten belaufen sich auf 17 Millionen Euro. Hinzu kommen Einnahmeausfälle von 14 Millionen Euro. Das sind pro Monat Mehrbelastungen von 31 Millionen Euro für den Staat, eine Million Euro pro Tag."

Flughafenchef Mühlenfeld und Aufsichtsratschef Müller haben da als Trost wenig zu bieten. Immerhin vielleicht so viel, dass es im Streit um den Standort des künftigen Regierungsterminals am neuen Hauptstadtflughafen im Grundsatz auch eine Einigung gibt. Aus sechs Varianten habe man eine Grundlage ausgewählt. Sie sieht vor, dass der Protokollbereich für Staatsgäste rund fünf Jahre nach der Eröffnung des Großflughafens in Betrieb gehen kann. Die Flächen dafür, die der Flughafen für zivilen Verkehr beansprucht hatte, sollen dem Bund demnach Stück für Stück übergeben werden. Gleichzeitig werden zusätzliche Stellplätze für Flugzeuge gebaut.

Leider gibt es bei dieser Einigung aber auch wieder einen Wermutstropfen: Die nächste Aufsichtsratssitzung im Juni wird sich möglicherweise mit den Kostensteigerungen für das Projekt befassen müssen. Das letzte Wort scheint also immer noch nicht gesprochen.

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Quelle: n-tv.de