Wirtschaft

Unter Strom Musk brockt sich Ärger ein

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Hat viel um die Ohren: Elon Musk.

(Foto: AP)

Tesla-Chef Elon Musk muss sich neben Produktionsproblemen und ungeduldigen Aktionären jetzt auch mit der US-Börsenaufsicht und zornigen Investoren auseinandersetzen. Die neuen Schwierigkeiten kommen zur Unzeit.

Das war wohl nichts. Innerhalb von 17 Tagen hat Elon Musk erhebliche Zweifel daran gesät, wie es mit Tesla weitergeht - vor allem mit ihm an der Spitze. Als hätte er nicht schon genug Probleme, hat er neuen Ärger am Hals: Die Börsenaufsicht ermittelt, Investoren verklagen Tesla und Analysten sagen einen Kurssturz der Aktie voraus. Derweil fragt sich die "New York Times", ob Musk noch bei Sinnen ist.

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Eingebrockt hat sich Musk das alles am 7. August. Da twitterte der Tesla-Chef und Großaktionär auf dem Weg zum Flughafen mal eben, dass er darüber nachdenke, den Hersteller von Elektro-Autos von der Börse zu nehmen. Etwas mehr als zwei ereignisreiche Wochen und eine Achterbahnfahrt des Aktienkurses später kassierte Musk den Vorschlag am vergangenen Freitag und kündigte an, Tesla werde nun doch an der Börse bleiben.

Der Schaden allerdings bleibt. Zum einen hat Musk seine Glaubwürdigkeit beschädigt. Zum anderen kann der Tweet richtig teuer werden.

Das rechtliche Nachspiel hat gerade erst begonnen. Die Börsenaufsicht SEC ermittelt und hat US-Medien zufolge bereits Vorladungen verschickt. Sie prüft, ob Musk mit seinem Tweet Investoren in die Irre geführt hat. Einige von ihnen sind genau davon überzeugt, mehrere Kanzleien haben Tesla bereits verklagt oder bereiten einen solchen Schritt vor. Darunter sind Anwaltsfirmen wie Hagens Berman und Lieff Cabraser, die bereits von anderen Konzernen wie etwa Volkswagen im Abgas-Skandal milliardenschwere Entschädigungen erstritten haben.

Aktienkurs schießt nach oben

Im Kern geht es dabei um die zwei Wörter "Finanzierung gesichert". Sie stehen am Ende des Tweets, in dem Musk angekündigte, Tesla mit einem satten Aufschlag für 420 Dollar pro Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Der Kurs ging durch die Decke, die Aktien legten an dem Tag knapp elf Prozent auf 380 Dollar zu.

Das hat Spekulanten wehgetan, die auf einen fallenden Kurs der Aktie gewettet hatten. Und diesen sogenannten Short-Sellern ist Musk in herzlicher Abneigung verbunden. Der Tesla-Chef nannte sie als einen der Gründe, warum es besser sei, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Es gebe "eine große Zahl von Leuten, die einen Anreiz haben, das Unternehmen anzugreifen", schrieb Musk in einem Blog-Eintrag. Und einige dieser Leute haben durch den plötzlichen Kursgewinn der Aktie möglicherweise sehr viel Geld verloren.

Die zwei wesentlichen Fragen sind nun: Hat Musk die Ankündigung wirklich ernst gemeint? Und stand die Finanzierung tatsächlich?

Die Skepsis daran wächst. Der Schritt hätte zum genannten Aktienkurs immerhin 24 Milliarden Dollar gekostet. Dabei verbrennt Tesla Geld, steht mit rund zehn Milliarden Dollar in der Kreide und kämpft beim Hoffnungsträger Model 3 mit Produktionsproblemen.

Musk behauptet zwar, dass "mehr als genug" Finanzmittel vorhanden gewesen wären, um Tesla von der Börse zu nehmen. Wo genau das Geld hätte herkommen sollen, verrät er aber nicht.

"Zahlreiche Qualitätsprobleme"

Es sieht ganz danach aus, als ob Musks Ein-Mann-Show mit erheblichen Risiken verbunden ist. Ausgerechnet jetzt durchläuft Tesla mit dem Model 3 eine kritische Phase. Ende Juni hatte das Unternehmen zwar endlich das Produktionsziel erreicht, pro Woche 5000 Einheiten des günstigeren Tesla-Modells vom Band laufen zu lassen.

Doch es gibt Zweifel daran, wie nachhaltig dieses Ziel erreicht wurde. "Unsere Experten stellten zahlreiche Qualitätsprobleme wie fehlende Schrauben, starken Lärm oder ungleichmäßige Spaltmaße fest", heißt es in einer UBS-Analyse. Die Website "Business Insider" berichtete unter Berufung auf interne Unterlagen von Tesla von einer enormen Fehlerquote. Mehr als 4300 der 5000 in der letzten Juniwoche gefertigten Model 3 mussten demnach überarbeitet werden.

Statt dem Druck der Märkte durch einen Börsenabgang zu entkommen, hat Musk jetzt noch mehr Stress - und er ist bereits äußerst angeschlagen. In einem tränenreichen Interview mit der "New York Times" beschrieb er sich als Workaholic mit Gesundheitsproblemen und Schlafmittelkonsum. Er habe Tesla sein Privatleben geopfert, arbeite bis zu 120 Stunden die Woche, habe seinen kompletten Geburtstag gearbeitet und beinahe die Hochzeit seines Bruders verpasst. Es ist das Bekenntnis eines Besessenen.

Zu diesem Bild gehört aber auch, dass Musk mitten in der Nacht Twitter-Tiraden abliefert, über Analysten und Journalisten ätzt und einen Höhlenretter von Thailand als pädophil beschimpft. Der Taucher hatte ein von Musk zur Verfügung gestelltes Mini-U-Boot als PR-Gag bezeichnet.

Wie ist das einzuordnen? Der Tesla-Gründer hat eine Menge Fans. Sie sehen ihn als Visionär und Pionier, der Grenzen überschreiten muss, um sein Ziel zu erreichen. Und das spiegele sich in dem erratischen Verhalten des Entrepreneurs wider. Früher hat man solche Menschen "tollkühn" genannt. Immerhin mischt Musk die Auto-Industrie auf und greift mit seinem Weltraum-Tourismus-Projekt SpaceX nach den Sternen.

Investoren und interessierte Beobachter fragen sich zunehmend, ob das gut geht. "Was mein persönliches Leben angeht, kommt das Schlimmste noch", sagte Musk der "New York Times". Dem Vernehmen nach sucht der Verwaltungsrat von Tesla nach einem Top-Manager, der ihn entlastet. Doch Musk will davon nichts wissen und hält sich für unverzichtbar. Womöglich ist er das auch.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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