Wirtschaft

"Rekordpreis auf dem Antikmarkt" Netz lacht über AOL-Deal

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"Wenn Verizon für AOL 4,4 Milliarden Dollar zahlt, geben sie mir bestimmt 6 Milliarden für meine alten Schuhe." Die Häme ist groß, doch an der Börse steigt die AOL-Aktie nach dem Mega-Deal. Denn auch in Zukunft wird es ängstliche Internet-Nutzer geben.

"Bin ich schon drin?" Mit großen, babyblauen Augen schaut Boris Becker fasziniert auf den Bildschirm. Er hat dank AOL den Zugang zum Internet gefunden. 1999/2000 liefen die Spots mit dem damals schon Ex-Tennisprofi. Zur Glanzzeit von AOL, als Robbie Williams noch Bond-Anwärter war und die Welt von Y2K Angst hatte. In Internet-Jahren gerechnet sind das Jahrhunderte. Entsprechend höhnisch reagiert das Netz auf die Ankündigung des US-Mobilfunkriesen Verizon das für seinen Email-Dienst bekannte Unternehmen für 4,4 Milliarden Dollar kaufen zu wollen.

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"Es ist 1998", glaubt ein Twitterer. Andere bieten Verizon alte Schuhe oder Rechner zum Kauf an, ulken über den boomenden Antikmarkt. Doch hat sich Verizon wirklich etwas auf dem Trödel andrehen lassen? Die Börse sieht das zumindest nicht so, die AOL-Aktie schoss um 18 Prozent in die Höhe. Was bringt AOL also in die Ehe mit?

Verizon selbst interessiert sich offiziell vor allem für AOLs digitale Werbesparte und das Geschäft mit mobilen Videos. Börsianer denken aber auch an eine besonders hübsch bestickte Bettwäsche in der Aussteuertruhe: Die Abonnenten. Es sind keine 30 Millionen mehr wie zur Blütezeit. Doch immerhin noch 2,2 Millionen Menschen zahlen im Schnitt über 20 US-Dollar monatlich, damit AOL ihnen den Weg ins Netz bereitet. 20 Dollar für einen quietschenden Einwahlservice?

Nein, sie zahlen 20, 30, gar 50 Dollar für individuelle Pakete aus technischen Support, Virus- und Identitätsschutz. "AOL ist für Leute, deren Schwiegersohn ihnen das Internet einrichtet und an Thanksgiving keine Zeit hat, es wieder zu reparieren", sagen Branchenbeobachter. AOL hat den Markt der älteren oder ängstlichen Internetnutzer im Griff - nicht viele Branchenkollegen können auf eine so stabile Kundschaft bauen. Auch dafür zahlt Verizon gutes Geld. Die alten Schuhe müssen wohl einen anderen Abnehmer finden.

Quelle: n-tv.de, sla