Wirtschaft

"Härteste Test seit Finanzkrise" Nicht alle Banken überleben Corona-Krise

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Die EZB rät den Geldhäusern, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den deutschen Geldinstituten droht das schwierigste Jahr seit der Finanzkrise. Und nicht jedes Institut wird diese Krise überleben. Darin sind sich die Experten einig. Weil gleich mehrere Wellen an Kreditausfällen auf sie zurollten, stehe das dicken Ende noch bevor.

Für die deutschen Banken wird 2021 das Jahr der Wahrheit. Bislang haben sie die Folgen der Corona-Pandemie einigermaßen gut weggesteckt. Doch je länger die Krise dauert, desto tiefere Löcher reißen steigende Kreditausfälle in die Bilanzen. Vor allem Sparkassen und Volksbanken müssen sich nach Meinung von Experten auf schwere Einschläge gefasst machen. "2021 könnte sich als der härteste Test für Banken seit der globalen Finanzkrise herausstellen", sagt Analyst Gavin Gunning von der Ratingagentur S&P Global.

Finanzaufseher warnen davor, dass nicht alle Banken den Sturm überstehen. Die Bestände ausfallgefährdeter Kredite in ganz Europa werden sich nach Einschätzung von Christoph Schalast, Professor für Wirtschaftsrecht an der Frankfurt School, nächstes Jahr auf rund 800 Milliarden Euro verdoppeln. Davon werden auch die deutschen Banken nicht verschont bleiben, die im europäischen Vergleich jedoch wenige faule Kredite in ihren Büchern haben.

Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling rechnet vor, dass sich die Kreditausfälle der deutschen Banken auf 0,8 Prozent des Kreditbestands vervierfachen und die Belastungen auf rund 13 Milliarden Euro summieren dürften. EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria riet den Geldhäusern daher, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Zudem warnte er vor Schlendrian im Umgang mit faulen Krediten.

"Zombie-Unternehmen"

Mit riesigen Summen stützt die Bundesregierung Unternehmen, die durch die Einschränkungen in Folge der Corona-Pandemie Umsatzeinbußen haben. Rechnet man alle Hilfen zusammen, kommt mehr als eine Billion Euro zusammen. Doch nicht nur Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt vor "Zombie-Unternehmen", die nur künstlich am Leben gehalten werden, weil die Pflicht zum Stellen eines Insolvenzantrags seit März teilweise ausgesetzt ist. Ab dem 1. Januar soll diese wieder in Kraft treten. Die Bundesbank warnt deshalb, dass die Insolvenzen in Deutschland Anfang 2021 auf über 6000 pro Quartal steigen könnten.

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BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels rechnet für das ganze Jahr mit "einem 20- bis 30-prozentigen Anstieg" der Pleiten. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei der Auskunftei Creditreform, prognostiziert 24.000 Insolvenzen nach rund 16.000 in diesem Jahr. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer sieht sich jedes elfte Unternehmen akut von der Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Dem Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, treibt das die Sorgenfalten auf die Stirn. Auf Banken werden seiner Ansicht nach mehrere Wellen an Kreditausfällen zurollen. "Das dicke Ende haben wir noch nicht gesehen. Das kommt erst noch." Zwar seien Banken seit der Finanzkrise vor zwölf Jahren generell gesehen besser mit Kapital ausgestattet und das Finanzsystem sei robust. Doch manch ein Institut werde die jetzige Krise trotzdem nicht überleben.

Einer Studie der Unternehmensberatung Bearingpoint zufolge hat sich die Risikovorsorge der europäischen Banken im ersten Halbjahr auf gut 60 Milliarden Euro verdreifacht, in Deutschland sogar vervierfacht. Im Sommer waren aber die Aussichten noch etwas besser, seither hat sich das wirtschaftliche Klima wieder eingetrübt. "Die zweite Welle wird ein enormer Test für die Finanzwirtschaft sein", sagt Tim Jennison, Partner der Unternehmensberatung BCG. Die Bankenbranche steht ohnehin schon unter Druck durch die seit Jahren niedrigen Zinsen und den harten Wettbewerb. "Es ist unschön, wenn bei stotterndem Motor auch noch ein Reifen platzt", sagt Wuermeling.

Kommt die Kreditklemme?

Problematisch ist nach Ansicht von Finanzprofessor Martin Faust von der Frankfurt School nicht nur der Anstieg von faulen Krediten, sondern eine generelle Verschlechterung der Bonität von Unternehmen. Banken müssen Darlehen in einem solchen Fall mit mehr Eigenkapital hinterlegen. "Die Frage ist, wie schlecht es den Firmen wirklich geht und was mit dem ganzen Mittelstand ist. Dadurch besteht die Gefahr, dass Volksbanken und Sparkassen stärker betroffen sind als die großen privaten Institute", sagt Faust. Denn Häuser wie die Deutsche Bank profitieren - zumindest derzeit - von einem florierenden Kapitalmarktgeschäft. Sewing hatte schon eingeräumt, dass die Zuwächse im Investmentbanking 2021 nicht mehr so hoch sein dürften wie in diesem Jahr.

Politiker und Regulierer schauen genau hin, wie sich die Situation für die Banken entwickelt. Die Geldhäuser sollen zwar den Kredithahn für die Unternehmen nicht zudrehen, deshalb sind sie den Banken mit einer ganzen Reihe von Erleichterungen entgegengekommen. Gleichzeitig wollen sie aber verhindern, dass die Institute Firmen weiterhin mit Krediten versorgen, die auf Dauer nicht überlebensfähig sind. "Derzeit sehen wir keine Kreditklemme, aber sie kann sehr gut 2021 drohen", warnt Professor Schalast.

Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), sieht die genossenschaftliche Finanzgruppe gewappnet, um die realwirtschaftliche Krise gut zu überstehen. Sie habe ihr bilanzielles Eigenkapital in den vergangenen zehn Jahren auf 116 Milliarden Euro verdoppelt. "Bei der Unterstützung unserer Kunden mit Krediten sehen wir die Risiken weiterhin als gut beherrschbar an, auch wenn Kreditrisiken regelmäßig überprüft werden müssen", sagt Hofmann.

Quelle: ntv.de, ddi/rts