Wirtschaft
Kunstwerk im Moranbong Park: Nordkorea wird diktatorisch regiert und gilt als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart.
Kunstwerk im Moranbong Park: Nordkorea wird diktatorisch regiert und gilt als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart.(Foto: imago/Eibner Europa)
Mittwoch, 03. Januar 2018

Hacker schürfen in Südkorea: Nordkoreas Cyber-Armee greift wieder an

Von Diana Dittmer

Um an Geld zu kommen, schickt das isolierte Regime in Pjöngjang immer häufiger seine "Techno-Soldaten" ins Netz. Diesmal haben es die Hacker auf die Server einer Firma in Südkorea abgesehen. Sie schürfen Krypto-Münzen - es sind keine Bitcoins.

Der Cyber-Feldzug des politisch und wirtschaftlich isolierten Nordkoreas geht unter dem Druck internationaler Sanktionen unbeirrt weiter: Diesmal haben sich die Hacker aus Pjöngjiang jedoch eine neue Masche zu Eigen gemacht. Laut "Bloomberg" plünderten sie keine Krypto-Börse wie mehrfach im vergangenen Jahr passiert, sondern sind in Computer eines Unternehmens in Südkorea eingedrungen. Diesmal ging es offenbar darum, auf deren Server digitale Münzen zu schürfen.

Die erst jetzt bekannt gewordene Cyber-Attacke soll sich bereits im Sommer vergangenen Jahres ereignet haben. Verantwortlich ist angeblich eine regierungstreue Gruppe namens Andariel, die bereits mehrfach in Kryptowährungsbörsen in Südkorea eingebrochen und Tokens gestohlen haben soll. "Andariel ist auf der Suche nach allem, was heutzutage Geld bringt", zitiert Bloomberg den Leiter eines Analystenteams des von Seoul unterstützten Instituts für Finanzsicherheit Kwak Kyoung-ju. Pjöngjang versucht laut Experten dringend an Devisen zu kommen. Mit dem Umweg über das Krypto-Geld kann das Regime die internationalen Sanktionen, die das Land von Öleinfuhren und anderen Handelsgütern abschneidet, umgehen.

Kriminelle verlieren Interesse an Bitcoin

Dass sich die Cyber-Attacken, die Pjöngjang zugeschrieben werden, häufen, legt nahe, dass sie eine lukrative Einnahmequelle für Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind. Nordkorea braucht vor allem Geld, um sein Atomprogramm zu finanzieren. Neu ist in diesem jüngsten Fall, dass die bekannteste Kryptowährung Bitcoin jedoch keine Rolle spielte. Die Hacker hatten es vielmehr auf die Kryptowährung Monero abgesehen.

Angeblich schürften sie insgesamt 70 Münzen im Wert von etwa 26.000 Dollar. "Kryptowährungen bieten eine gute Alternative zu Fiat-Währungen, weil sie leichter zu waschen sind", sagt der Krypto-Experte Edwan Chan Bloomberg. Anders als Bitcoin sei Monero anonymer, sodass es schwieriger sei, das Geld zum Ursprung oder zu seinem Adressaten zu verfolgen. Das mache es für Kriminelle attraktiver.

Dabei unterscheidet sich der Prozess des Schürfens von Monero oder Bitcoin nicht grundlegend. Die Miner lösen in beiden Fällen komplexe mathematische Gleichungen, als Belohnung erhalten sie digitale Münzen. Einen anderen Server dafür zu entern statt seinen eigenen Computer zu verwenden, bietet dabei den Vorteil, dass die enorme Energiemenge, die der Prozess benötigt, nicht über die eigene Stromrechnung läuft. Die Cyber-Soldaten Nordkoreas sind deshalb auch nicht die ersten, die diese Taktik, die inzwischen als "Kryptojacken" bezeichnet wird, für sich entdeckt haben.

Hacken im Auftrag von Kim Jong Un

Wenn es stimmt, was südkoreanische Ermittler und Geheimdienste vermuten, hat Nordkorea das illegale Fischen nach Kryptowährungen jedoch zur Staatsangelegenheit erklärt. Der IT-Sicherheitsdienstleister FireEye Inc. bestätigte bereits im September, dass nordkoreanische Hacker ihre Angriffe auf Kryptowährungsbörsen in Seoul verstärkt haben.

Im Dezember wurde eine weitere Attacke auf eine der weltgrößten Bitcoin-Börsen in Südkorea bekannt. Beim Hack auf den Handelsplatz Bithump, an dem Bitcoin und Etherum gehandelt werden, wurde angeblich digitales Geld im Wert von sieben Millionen Dollar gestohlenIm selben Monat wurde auch Youbit, eine weitere südkoreanische Handelsplattform für Bitcoin, wegen eines Hackerangriffs zahlungsunfähig, nachdem etwa 17 Prozent aller Bitcoin-Einlagen durch den Angriff verloren gegangen waren.

Die USA machten Nordkorea zudem erst kürzlich für den WannaCry-Ransomware-Angriff, der 2017 weltweit Hunderttausende von Computern betraf, verantwortlich. Hacker verlangten Bitcoin für die Entschlüsselung von Dateien, die sie mit Malware verseucht hatten.

"Das sind Gegner, bei denen wir sehen, wie sie immer leistungsfähiger und unverfrorener werden", sagte FireEye-Analyst Luke McNamara Bloomberg. Es sei Teil einer größeren Strategie, die mindestens seit 2016 verfolgt werde und bei der Methoden aus der Spionage genutzt würden, um Geld zu stehlen.

Laut Bloomberg soll Nordkorea bereits seit den 1990ern eine Armee von "Techno-Soldaten" trainieren. 1700 Hacker sollen direkt vom Land gesponsert werden, weitere 5000 - auch außerhalb der Landesgrenzen - stehen bereit, diese zu unterstützen. Nordkorea das Internet abzudrehen, wäre deshalb laut McNamara keine Lösung.

Quelle: n-tv.de