Wirtschaft

"Exitstrategie fehlt bis heute" Ökonom fordert Commerzbank-Ausstieg

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Privatbank mit staatlicher Beteiligung: Die Bundesrepublik Deutschland hält noch rund 15 Prozent der Commerzbank-Aktien.

(Foto: dpa)

Auf den Tag genau vor zehn Jahren sprang der Staat als Nothelfer bei der Commerzbank ein. Mit Steuermilliarden musste die öffentliche Hand das Geldhaus vor dem Kollaps bewahren. Noch immer hält der Bund ein dickes Paket an Coba-Aktien. Ist das noch zeitgemäß?

Zehn Jahre nach der Teilverstaatlichung der Commerzbank (Coba) werden die Forderungen nach einem Ausstieg des Staates immer lauter. "Der Staat müsste heute nicht mehr bei der Commerzbank beteiligt sein", sagt der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust. "Es wäre ein wichtiges Signal, wenn sich der Bund endlich zurückziehen würde."

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"Der Bund hätte sich schon vor vier oder fünf Jahren wieder zurückziehen sollen, als sich zeigte, dass sich die Commerzbank nach der Krise relativ gut entwickelt", meint Faust. "Es fehlt aber bis heute eine Exitstrategie - auch weil insgesamt nicht klar ist, wohin sich die deutsche Bankenwirtschaft entwickelt."

Die Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise hatte die Commerzbank zum Rettungsfall gemacht. Der Staat musste das Institut mit viel Geld aus dem Steuertopf vor dem Zusammenbruch bewahren. Dabei geht es um sehr große Summen: Im November 2008 flossen zunächst 8,2 Milliarden Euro als stille Einlage in die Bank.

Am 8. Januar 2009 - also auf den Tag genau heute vor zehn Jahren - pumpte die Bundesregierung weitere 10 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds in das taumelnde Kreditinstitut. Im Gegenzug wurde der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Anteilseigner der damals zweitgrößten deutschen Bank - es war die erste direkte Beteiligung des Bundes an einer großen Privatbank in Deutschland.

"Dass der Staat Großaktionär der Commerzbank wurde, wurde damals sehr negativ gesehen", erinnert Faust. "Dabei hat man zum Beispiel in den USA erlebt, dass eine Staatsbeteiligung die Banken eher stabilisiert hat." Das Fazit des Ökonomen: "Der Einstieg des Staates hat der Commerzbank nicht geschadet - im Gegenteil: Er hatte stabilisierende Wirkung."

Drohendes Verlustgeschäft

Die direkten Hilfen hat die Commerzbank inzwischen zurückgezahlt, größter Einzelaktionär des Geldhauses ist der Bund aber nach wie vor mit einem Anteil von gut 15 Prozent. Im "Tagesspiegel" sprachen sich auch Politiker von FDP und Grünen für einen klaren Plan zum Ausstieg des Bundes aus der Coba aus.

"Die Beteiligung des Bundes ist kein Dauerzustand", sagte Antje Tillmann, finanzpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag der Zeitung. Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP, mahnte: "Die Bundesregierung muss jetzt eine klare Strategie finden, wie sie sich vollständig aus der Commerzbank zurückzieht."

Der Haken an der Sache: Eine Trennung von den Anteilen wäre für den Bund aktuell ein herbes Verlustgeschäft. Das einst für 5,1 Milliarden Euro erworbene Aktienpaket ist heute nur noch 1,2 Milliarden Euro wert. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte vor diesem Hintergrund, man wolle ein für den Steuerzahler gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck".

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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