Wirtschaft

100 Milliarden nicht ausgegeben Ökonomen erwarten Rekordwachstum

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Die Erholung wird kommen, möglicherweise aber langsamer als zunächst erwartet.

(Foto: dpa)

Europas größte Volkswirtschaft zeigt sich bis zum harten Lockdown überraschend gut in Form. Der deutschen Wirtschaft droht zwar ein harter Winter, im nächsten Jahr dürfte sie aber wieder kräftig wachsen. Zur Erholung tragen dann auch die Verbraucher bei, die das 2020 nicht ausgegebene Geld loswerden wollen.

Führende Forschungsinstitute sind sich einig: Die deutsche Wirtschaft steht nach dem coronabedingten Rekordeinbruch vor einem Comeback. Steigende Exporte, ausgabefreudige Verbraucher und wieder mehr investierende Unternehmen dürften das Bruttoinlandsprodukt 2021 kräftig wachsen lassen. Das Essener RWI und das gewerkschaftsnahe IMK rechnen mit einem Plus von 4,9 Prozent, das IWH Halle von 4,3 Prozent und das Münchner Ifo-Institut von 4,2 Prozent. Höhere Zuwachsraten hat es seit Beginn der gesamtdeutschen Berechnung 1992 noch nicht gegeben.

"Die Erholung wird durch die zweite Infektionswelle und die notwendigen Gegenmaßnahmen unterbrochen, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagte der wissenschaftliche IMK-Direktor Sebastian Dullien. "Die wirtschaftliche Grunddynamik ist stark genug, und die Stützungspolitik von Regierung und Europäischer Zentralbank wirkt." Allerdings geht der erwarteten Erholung auch ein Rekordabsturz voraus.

Wirtschaft droht harter Winter

Die Ifo-Experten etwa rechnen wegen der Corona-Krise mit einem historischen Einbruch von 5,1 Prozent im zu Ende gehen Jahr. "Wegen des neuerlichen Shutdowns bei uns und in anderen Ländern verschiebt sich die Erholung nach hinten", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Erst Ende 2021 wird die Produktion von Waren und Dienstleistungen ihr Vorkrisenniveau erreichen."

Ab Frühjahr soll die Konjunktur Tritt fassen, wenn Corona-Schutzimpfungen und mildere Temperaturen die Pandemie wieder eindämmen dürften und der Lockdown beendet werden sollte. Dazu sollen etwa die Verbraucher beitragen, die wegen ausgefallener Reisen oder dem erzwungenen Verzicht auf Restaurantbesuche etwa 100 Milliarden Euro gespart haben dürften, wie Wollmershäuser schätzt. Zumindest ein Teil dieser "zurückgestauten Kaufkraft" könnte 2021 in den Konsum fließen und die Erholung unterstützen.

Einig sind sich die Ökonomen darin, dass der Wirtschaft ein harter Winter droht. Wegen des seit November geltenden Teil-Lockdowns und der mindestens bis 10. Januar geltenden Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen dürfte sie wieder schrumpfen. Das RWI rechnet mit einem Minus von 1,7 Prozent allein im laufenden vierten Quartal. Dabei zeigt sich Europas größte Volkswirtschaft vor dem seit Mittwoch geltenden harten Lockdown - der vor allem die Einzelhändler ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft trifft - in überraschend guter Form.

"Wirtschaft steht auf stabilen Beinen"

Der Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, stieg um 0,8 auf 52,5 Punkte, wie das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter rund 800 Unternehmen mitteilte. Damit hielt sich das Barometer über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. "Die deutsche Wirtschaft steht immer noch auf einer relativ stabilen Basis", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. Dafür sorgt aktuell die Industrie: Hier liegen die Geschäfte so gut wie seit fast drei Jahren nicht mehr. "Gestützt wird der Aufschwung weiterhin durch steigende Exportumsätze, die von den Unternehmen häufig auf eine stärkere Nachfrage aus China zurückgeführt werden", hieß es dazu vom Markit-Institut.

Die Arbeitslosigkeit wird dem IWH zufolge allerdings trotz des erwarteten Aufschwungs im kommenden Jahr kaum abnehmen. Sie dürfte im Durchschnitt nur um 30.000 Personen unter dem Vorjahresstand liegen, schreiben die Forscher. Dagegen soll das Loch in der Staatskasse von 160,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 133,0 Milliarden im kommenden Jahr und auf 84,3 Milliarden 2022 schrumpfen, sagte das Ifo-Institut voraus.

Quelle: ntv.de, jki/rts