Wirtschaft

Gegen Preisverfall bei Rohöl Opec verlängert Förderdrosselung

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Die Opec verlängert die vereinbarte Drosselung der Ölförderung.

(Foto: dpa)

Es ist ein Drahtseilakt: Einerseits wollen die Opec-Staaten die Ölpreise stabilisieren. Andererseits dürfen diese nicht zu stark steigen - weil das die US-Produzenten stärken würde. Die derzeitige Drosselung der Förderung wird dennoch um einen Monat verlängert.

Die Opec und ihre Kooperationspartner (Opec+) werden zur Stabilisierung des Ölmarkts die derzeitige Kürzung ihrer Ölproduktion um einen weiteren Monat verlängern. Das teilte das Ölkartell nach Verhandlungen in Wien mit. Die teilnehmenden Länder hätten dafür gestimmt, dass auch im Juli die Ölproduktion um rund zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag gedrosselt werde, hieß es.

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 40,31

Das Kartell teilte weiter mit, dass die bislang bestehende Vereinbarung zu einer "vorläufigen Erholung der Weltwirtschaft und des Ölmarktes" beigetragen habe. Alle großen Produzenten müssten sich nun weiterhin zur Stabilisierung des Marktes verpflichten.

Die großen Ölförderländer wollen mit dem Schritt den Preisverfall in der Corona-Krise stoppen. Die Organisation Erdöl produzierender Staaten (Opec) und die anderen Länder hatten sich im April darauf verständigt, die Öl-Förderung um 9,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag für die Monate Mai und Juni zu kürzen. Die Opec erwartet wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einen drastischen Einbruch des Ölverbrauchs. Eine Drosselung soll die gefallenen Preise wieder steigen lassen.

Russlands Energieminister Alexander Nowak betonte nach Ende der Verhandlungen, dass die Vorgaben zu 100 Prozent im Juli erfüllt werden müssten. "Wir sehen einen positiven Effekt der gemeinsamen Handlungen. Der Markt ist aber immer noch in einem fragilen Zustand und braucht Unterstützung", sagte er der Agentur Tass zufolge. Die Vereinbarungen sollten sich nun weiter positiv auf die Stabilisierung des Energiemarktes auswirken, sagte auch Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Mexiko entschied allerdings, die Verlängerung nicht mitzumachen. Das sagte Energieministerin Rocío Nahle Journalisten am Rande der Besichtigung einer petrochemischen Anlage zusammen mit Präsident Andrés Manuel López Obrador. Auf Twitter betonte sie, das nordamerikanische Land bleibe für Dialog offen. López Obrador hatte zuvor gesagt, dass er die Förderung nicht weiter reduzieren wolle. Mexiko halte sich aber an die Vereinbarung vom April. Damals hatte das Land, das kein Opec-Mitglied aber ein Kooperationspartner ist, bereits eine Einigung verzögert - Mexiko bestand darauf, nur 100.000 Barrel Förderkürzung pro Tag statt der geforderten 400.000 Barrel beizutragen.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 42,93

Marktbeobachter hatten eine Einigung der Opec und die Verlängerung der Drosselung um einen Monat erwartet. Allerdings will das Kartell die Preise auch nicht zu sehr hochtreiben. Das könnte die US-Konkurrenz wieder stärker ins Spiel bringen, die bei Preisen jenseits der 40 Dollar für ein Barrel wieder kostendeckend produzieren könnte.

Mit einem starken Anstieg der Ölpreise würde sich die Opec ihr eigenes Grab schaufeln, betonte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Länder, die im vergangenen Monat mehr produziert hätten als sie sollten, hätten zugesagt, ihre Verpflichtungen in Zukunft einzuhalten, sagte er mit Verweis auf den Irak, Nigeria, Angola und Kasachstan. Nigeria hatte zu Beginn der Gespräche seine Bereitschaft zur Einhaltung des Abkommens bekräftigt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa