Dieses Jahr "weniger politisch"Weimers Frau sieht Gipfel trotz Absagewelle nicht gefährdet

Das "deutsche Davos" konnte die vergangenen Jahren mit einer prominenten Liste von Rednern und Rednerinnen locken. Nicht mehr. Die Organisatorin Christiane Goetz-Weimer weist Käuflichkeitsvorwürfe zurück, kündigt eine Neuausrichtung an und kritisiert Angriffe der AfD auf ihren Mann.
Trotz vieler Absagen hochkarätiger Politiker sieht die Organisatorin Christiane Goetz-Weimer den Ludwig-Erhard-Gipfel nicht in seiner Existenz gefährdet. Gerade jetzt sei es wertvoll, "auf gewachsene und vertrauensvolle Partnerschaften bauen zu können. Unsere langjährigen Partner können vieles gut einordnen", sagte die Verlegerin der Weimer Media Group und Frau von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. DNA und Historie des Gipfels seien so stark und glaubwürdig, dass sie aktuelle Herausforderungen überstrahlten.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte Anfang der Woche angekündigt, in diesem Jahr weder Schirmherr zu sein noch zur Veranstaltung zu kommen. Danach sagten auch andere Politiker ab – darunter SPD-Chef Lars Klingbeil, CSU-Politikerin Dorothee Bär und Kanzleramtschef Thorsten Frei von der CDU. Ob etwa Wirtschaftsministerin Katherina Reiche kommt, ist offen.
Auch Kanzler Friedrich Merz zählt zu den Stammgästen. Noch vor einem Jahr hoffte man am Tegernsee, spätestens in diesem Jahr mit Merz erstmals den deutschen Regierungschef unter den Rednern begrüßen zu dürfen. Dass die Veranstaltung wegen der kritischen Berichterstattung bundesweit so viel Aufmerksamkeit erfuhr, hängt mittelbar auch mit Merz zusammen. Dieser holte den früheren Verleger und Mitveranstalter Wolfram Weimer in seine Regierung.
Kern der Kritik waren Berichte, wonach auf der Veranstaltung gegen Geld exklusiver Zugang zu Bundesministern samt "Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger" möglich sei, wie es zugespitzt in früheren Broschüren stand. Goetz-Weimer weist den Vorwurf kategorisch zurück: "Wir haben selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt Kontakte zu Politikern verkauft, wie es fälschlicherweise in diversen Medien berichtet wurde." Gleichwohl werde künftig noch genauer darauf geachtet, "dass Formulierungen, die in der Vergangenheit zu Missverständnissen geführt haben", vermieden werden.
"Da ist jeder Anstand verloren gegangen"
Wegen seiner teils hochkarätigen Gäste und des Alpenpanoramas wurde der Ludwig-Erhard-Gipfel gerne als "deutsches Davos" bezeichnet. Man werde diesen Anspruch erneut erfüllen, sagte Goetz-Weimer. Ohne konkrete Namen zu nennen, versprach sie auch für dieses Jahr "hochrangige Speaker sowie renommierte Partner und Gäste".
Eine Schwächung des Gipfels sei durch die bisherigen Absagen auch deshalb nicht gegeben, da er in diesem Jahr "ohnedies weniger politisch" sei und sich auf die großen und drängenden Wirtschaftsthemen konzentriere. Ob dies der ursprünglichen Planung entsprach, ließ die Verlegerin offen.
"Seit mein Mann in das Bundeskabinett berufen wurde, gibt es scharf politisierte Blicke auf das Gipfeltreffen", so Goetz-Weimer. Wenn Unternehmer als Quereinsteiger in die Politik wechseln, würden sie immer kritisch beobachtet, es würden Fragen gestellt, so die Verlegerin. Das empfinde sie als normal. Es sei aber nicht zu akzeptieren, wie "gezielt diffamiert" werde - insbesondere vonseiten der AfD. "Da ist jeder Anstand verloren gegangen", sagte Goetz-Weimer.
Der Gipfel sei von einer "liberalen, weltoffenen Grundhaltung geprägt", Spitzenvertreter aller Parteien der politischen Mitte gehörten zu den regelmäßigen Gästen. "Politiker von Links- wie Rechtsaußen, die Linke und die AfD, erhalten dort hingegen keine Bühne. Auch 2026 nicht", sagte Goetz-Weimer. Die AfD versuche seit Jahren, "endlich am Gipfel teilnehmen zu dürfen." Die Attacken aus dem Umfeld dieser Partei empfinde sie als politische Kampagne, die sich vor allem gegen ihren Mann richte.