Wirtschaft

Machtkampf bei Volkswagen Piëch und Winterkorn suchen das Gespräch

Es ist ein routinemäßiges Treffen - und doch äußerst brisant: VW-Konzernchef Winterkorn trifft demnächst auf Aufsichtsratschef Piëch. Der ist nach dem Bruch mit seinem "Ziehsohn" isoliert, denn der Vorstandsboss weiß einflussreiche Unterstützer hinter sich.

Im Machtkampf bei Volkswagen werden sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn dem "Handelsblatt" zufolge bald an einen Tisch setzen. In den kommenden Tagen soll es ein routinemäßiges Treffen zwischen den beiden Managern geben, berichtete das Blatt. Zudem sei in den kommenden Tagen ein Treffen der Familien Piëch und Porsche geplant.

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Piëch hat für große Aufregung bei Volkswagen gesorgt, weil er dem "Spiegel" über den bislang als seinen engen Vertrauten geltenden Winterkorn sagte: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Der 77-jährige Aufsichtsratschef will sich nach seinen bisherigen Plänen in zwei Jahren zurückziehen, bislang galt der seit 2007 an der VW-Spitze stehende Winterkorn als sicherer Nachfolger.

Volkswagen gehört mehrheitlich den Familien Piëch und Porsche. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat haben sie aber keine eigene Mehrheit und sind etwa auf Unterstützung des Landes Niedersachsen als Großaktionär angewiesen. Für seinen Vorstoß bekam Piëch allerdings auch von der Familie Porsche keine öffentliche Unterstützung. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hatte zuletzt Piëchs Machtspiele kritisiert.

Auf einem VIP-Empfang, den Winterkorn nach dem Start der Industrieschau Hannover Messe besuchte, erfuhr der 67-Jährige hingegen eindeutige Unterstützung aus Politik und Wirtschaft. "Ihm ist eine Welle der Solidarität entgegengeschwappt", sagte ein Gast. Weitere Teilnehmer bestätigten, dass bekannte Persönlichkeiten intensiv auf Winterkorn zugingen und sich mit dem Konzern-Chef unterhielten. Darunter waren Daimler-Boss Dieter Zetsche, der Aufsichtsratsquerelen um sein Amt nur zu gut kennt, und Vizekanzler Sigmar Gabriel.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh rief zur Beilegung des Streits auf. "Wir plädieren dafür, dass wir uns nun wieder dem Unternehmen und seinen 600.000 Beschäftigten zuwenden und weiter am Erfolg arbeiten, statt Debatten zu führen, die nur die Zeitungsseiten füllen", sagte er dem "Handelsblatt". "Mit uns wird es keine weiteren Diskussionen über Personen und Funktionen geben."

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP