Wirtschaft

140.000 Lufthansa-Gäste betroffen Piloten bestreiken Kurz- und Mittelstrecken

Mehr als 1500 Flüge bedient die Lufthansa auf den Kurz- und Mittelstrecken. Rund 1000 fallen dem Pilotenstreik zum Opfer. Die Zahl der betroffenen Passagiere ist enorm.

Die Piloten der Lufthansa haben ihren Ausstand noch einmal verschärft. Seit Mitternacht werden die Kurz- und Mittelstrecken bestreikt. Zuvor hatten sie ihre Arbeitsniederlegung noch auf die weniger zahlreichen Fernflüge beschränkt. Zehntausende Passagiere müssen während des 24-stündigen Ausstands mit einem Sonderflugplan vorliebnehmen. Eine Unternehmenssprecherin forderte alle Lufthansa-Passagiere auf, sich auf der Website des Unternehmens zu informieren, ob ihr Flug wie geplant stattfinde. Mit Chaos rechne Lufthanse trotz der Streiks nicht, sagte die Sprecherin

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Lufthansa 8,18

Die Fluggesellschaft war zuvor vor den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln mit dem Versuch gescheitert, den Streik per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen. Nach Auffassung der Richter ist der Ausstand verhältnismäßig und verfolgt auch keine streikfremden Ziele. Zwar geht Lufthansa vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht in Berufung. Doch diese Verhandlung wird nach Gerichtsangaben erst am Mittwochvormittag um 10.30 Uhr stattfinden. Der Ausstand am selben Tag dürfte somit zunächst nicht zu stoppen sein.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte die Lufthansa auf, sich nicht hinter juristischen Positionen zu verstecken. "Der Konzernvorstand muss endlich erkennen, dass ein Dienstleistungsunternehmen nicht gegen das eigene Personal geführt werden kann", sagte VC-Sprecher Markus Wahl. Die Gewerkschaft sei bereit, zukunftsfähige Strukturen mitzugestalten.  

Tarifflucht oder wirtschaftliche Notwendigkeit?

Am Mittwoch fallen von 1520 Flügen nach Angaben des Unternehmens rund 1000 aus. Betroffen seien etwa 140.000 von 180.000 gebuchten Passagieren. Für innerdeutsche Strecken wurden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen, zudem sollten auch Jets anderer Gesellschaften aus dem Lufthansa-Konzern eingesetzt werden. Am Vortag war bereits jeder zweite der rund 170 Langstreckenflüge ausgefallen, mehr als 20.000 Passagiere waren betroffen.

Angesichts des neuen Pilotenstreiks in dem mittlerweile anderhalbjährigen Tarifkonflikt wurden erneut Rufe nach einer Zwangsschlichtung laut. "Es kann nicht sein, dass Hunderttausende ständig in Geiselhaft für die Interessen einer kleinen Minderheit genommen werden", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) der "Bild". Künftig müsse es Zwangsschlichtungen geben "- und zwar bevor es zu immer wiederkehrenden Dauerstreiks kommt".

Darüber hinaus sollten Streiks in der Luftfahrt künftig deutlich länger als 48 Stunden im Voraus angekündigt werden müssen, forderte Fuchs. Er warf den Lufthansa-Piloten zugleich vor, mit ihrem Ausstand "angesichts des harten internationalen Wettbewerbs" den Konzern zu gefährden. "Was die Piloten machen, ist hochgefährlich", warnte Fuchs in der "Bild".

Streikgrund ist die Übergangsversorgung von rund 5400 Piloten. Daneben geht es auch um die geplante Billigschiene Eurowings. Die Piloten werfen dem Unternehmen Tarifflucht vor, weil mit der neuen Unternehmensstruktur Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden sollen. Lufthansa begründet die Pläne mit dem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck durch Billigflieger wie Ryanair und Easyjet.

Quelle: ntv.de, bad/jwu/dpa/AFP