Wirtschaft

"Es könnte angemessen sein" Powell stellt Einstieg in den Ausstieg in Aussicht

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Die US-Notenbank wird nach Einschätzung vieler Experten im Herbst mit der Drosselung der Anleihenkäufe beginnen.

(Foto: REUTERS)

Mit Spannung blicken die Finanzmärkte auf die Rede von Fed-Chef Powell zum Fortgang der Anleihenkäufe. Der mächtige Notenbanker verspricht nichts - und schließt nichts aus. Auch beim Thema Inflation gilt es, nichts zu überstürzen.

Die US-Notenbankchef Jerome Powell hat den beginnenden Ausstieg aus den monatlichen Milliardenhilfen noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. "Es könnte angemessen sein, in diesem Jahr mit dem Tapering (Zurückführen) zu beginnen", sagte er bei der Notenbankkonferenz von Jackson Hole. Zugleich erläuterte er ausführlicher, warum er erwartet, dass der jüngste Inflationsanstieg im Laufe der Zeit nachlassen wird.

Die Zentralbank hatte ihren Leitzins auf nahezu Null gesenkt, als die Pandemie die US-Wirtschaft im März 2020 heimsuchte, und kauft seither monatlich für 120 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Hypothekenpapiere, um zusätzliche Impulse zu geben.

Der Anstieg der Infektionen aufgrund der Delta-Variante hat die Wirtschaftsaussichten verkompliziert. So ist das Risiko einer stärkeren Konjunkturabschwächung genau zu dem Zeitpunkt gestiegen, als einige Währungshüter bereit waren, das Tempo der monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren, im Fachjargon auch Tapering genannt.

Die nächste Fed-Sitzung findet am 21. und 22. September statt, und mehrere Fed-Vertreter haben erklärt, dass sie dafür plädieren, die Anleihekäufe kurz nach dieser Sitzung zu reduzieren, wenn die jüngste Serie starker Jobdaten anhält.

Powells Äußerungen ließen nicht erkennen, wann der Prozess wahrscheinlich beginnen wird, was darauf hindeutet, dass das Tapering wahrscheinlich nicht vor der nächsten Sitzung Anfang November stattfinden wird.

Nichts überstürzen

Powell nutzte den Großteil seiner mit Spannung erwarteten Rede, um zu erläutern, warum er nach wie vor zuversichtlich ist, dass sich der diesjährige Inflationsschub als vorübergehend erweisen wird, und warum es für die Fed so wichtig ist, diese Entscheidung richtig zu treffen.

So verwies er auf eine historische Aufzeichnung, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht und die "die Geldpolitiker lehrt, nicht zu versuchen, die wahrscheinlich vorübergehenden Inflationsschwankungen auszugleichen". Weiter sagte er: "In der Tat kann eine Reaktion mehr schaden als nützen, insbesondere in einer Zeit, in der die Zinssätze eher in der Nähe von Null festgesetzt werden."

Da es bis zu einem Jahr dauern könne, bis sich geldpolitische Entscheidungen auf die Wirtschaft auswirkten, bestehe bei einer Straffung der Geldpolitik die Gefahr, dass ein zeitlich schlecht gesetzter Schritt die Wirtschaft unnötig abschwäche. Dies könnte zu weniger Neueinstellungen und einer zu niedrigen Inflation führe, sagte er. "Heute, wo auf dem Arbeitsmarkt noch eine erhebliche Flaute herrscht und die Pandemie anhält, könnte ein solcher Fehler besonders schädlich sein."

"Viel Lärm um Nichts"

Für Christoph Balz von der Coba hat Powell die Kommunikationspolitik der vergangenen Wochen fortgeführt. "Wir erwarten weiterhin, dass die Fed im vierten Quartal beschließt, die Anleihenkäufe zu reduzieren." Ähnlich sieht es Christoph Kutz von der DZ Bank. Der Markt könne sich auf die "Reduktion des Quantative Easing vorbereiten, die aus unserer Sicht Ende des Jahres beginnen wird. Die Unsicherheit bleibt niedrig. Mit massiven Marktreaktionen ist nicht zu rechnen."

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"Viel Lärm um Nichts", fasst Otmar Lang von der Targobank die Erwartungen an die Rede zusammen. "Dass die Fed ihre Anleihekäufe noch in diesem Jahr zurückfahren würde, steht lange fest. Wann sie damit beginnt, ist nicht wirklich relevant", sagt er. "Dennoch sollte Powell spätestens auf der Fed-Sitzung im September konkreter werden im Hinblick auf den Umfang und das Tempo des Taperings."

Auch Elmar Völker von der LBBW hat in er Rede wenig Neues entdeckt. Zugleich hat die Notenbank in seinen Augen versucht, Spekulationen zu zerstreuen, "dass auf das 'Tapering' in naher Zukunft auch eine Leitzinswende folgen könnte". Dies dürfte die Finanzmärkte beruhigen. Überdies halte sich "Powell mit Verweis auf die steil steigenden Corona-Infektionen in den USA ein Hintertürchen offen".

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts/dpa

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