Wirtschaft

Energiepreise und Mehrwertsteuer Preise steigen deutlich langsamer

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Im Dezember gingen die Preise im Vergleich zum Vormonat zurück.

(Foto: picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa)

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind im Pandemiejahr 2020 so langsam gestiegen wie seit Jahren nicht. Gründe dafür sind der Einbruch der Ölpreise und damit einhergehend geringeren Kosten für Verbraucher sowie die Konjunkturstimuli des Bundes.

Die Preise in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich langsamer gestiegen als zuvor. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im Jahresschnitt bei 0,5 Prozent. Im Schnitt des Vorjahres waren es noch 1,4 Prozent. Eine Rate von 0,5 Prozent war zuletzt 2016 gemessen worden. Insbesondere stark gefallene Energiepreise und die vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung dämpften die Entwicklung im vergangenen Jahr.

Im Dezember lagen die Verbraucherpreise den vorläufigen Daten zufolge um 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Dabei verbilligten sich Waren um durchschnittlich 1,8 Prozent. Besonders kräftig fiel der Rückgang mit minus 6,0 Prozent bei Energiepreisen aus. Nahrungsmittel hingegen verteuerten sich um 0,5 Prozent und damit weniger stark als zuletzt. Dienstleistungen kosteten 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Ökonomen uneins bei Wirkung der Steuersenkung

Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise sie um 0,5 Prozent. Für die Europäische Zentralbank (EZB) sind sinkende Preise in der größten Volkswirtschaft der Währungsunion ein Problem, strebt sie doch eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent im Euroraum an. "Die EZB wird sich in ihren Dezember-Beschlüssen bestätigt sehen und an der ultralockeren Geldpolitik festhalten", sagte Ralf Umlauf von der Helaba.

Mit der Corona-Krise und dem globalen Wirtschaftseinbruch waren die Rohölpreise auf den Weltmärkten eingebrochen, was sich in gesunkenen Energiepreisen niederschlug. Zwischenzeitlich wurde der Rohstoff sogar zu negativen Preisen gehandelt.

Seit Juli galten zudem bis Ende 2020 niedrigere Mehrwertsteuersätze in Deutschland. Damit wollte die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln. Händlern und Dienstleistern stand es aber frei, ob und wie sie die Erleichterungen an Verbraucher weitergeben. Während Ökonomen vom Münchner Ifo-Institut unter Berufung auf Umfragen erklärten, die Maßnahme habe ihr Ziel weitgehend verfehlt, zogen die Berliner DIW-Forscher eine eher positive Bilanz. Wegen der coronabedingten Rezession konnten auch viele Firmen bei ihren Kunden steigende Preise nur schwer durchsetzen.

Ökonomen rechnen mit Anstieg der Teuerung

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Nach dem Auslaufen der gesenkten Mehrwertsteuer rechnen Ökonomen für Anfang 2021 mit einem deutlichen Anstieg bei der Inflation. So erwartet die Commerzbank für Januar einen Wert von rund 1,5 Prozent. "Zumindest für kurze Zeit gibt es für die deutsche Inflation nur eine Richtung: nach oben", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der ING-Bank, Carsten Brzeski.

In der zweiten Jahreshälfte 2021 dürfte der Wert nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Marco Wagner "zeitweise sogar deutlich über zwei Prozent liegen". Die Ökonomen der Deutschen Bank rechnen im Gesamtjahr aber nicht mit spürbar mehr Preisdruck: "Trotz wieder höherer Ölpreise, des Auslaufens der Mehrwertsteuersenkung und potenziell höherer administrativer Preise als Folge der Krise und geringerer Staatseinnahmen erwarten wir im Jahr 2021 lediglich eine Inflation von 1,4 Prozent." Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut geht von einer Steigerung um 1,3 Prozent aus.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa