Wirtschaft

Burger-Bude mit falschem Namen Red Bull erlegt den "Guten Bullen"

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13.000 Euro Schadenersatz müssen die Burger-Brater nach eigenen Angaben an Red Bull zahlen.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Als "Guter Bulle" verkaufen zwei Jungunternehmer in Frankfurt Burger. Doch es gibt unerwarteten Gegenwind: Red Bull zieht gegen das Lokal vor Gericht. Der österreichische Energydrink-Hersteller stört sich am Namen.

​Wenn sich der Kleine gegen den Großen ​geschlagen geben muss, hilft manchmal Humor den Schmerz zu lindern. Das Speiselokal "Guter Bulle" in Frankfurt am Main versucht es mit Ironie. ​"Fragt uns nicht, wie eine Verwechslung zwischen einem Energydrink und einem Burger-Restaurant zustande kommen sollte", appellierte auf Facebook die Geschäftsführung an die Kundschaft und bot zugleich einen Vorschlag zur Lösung des Rätsels an: Möglicherweise "mit 'nem Liter Red Bull intus und noch mehr Fantasie".

​Es war die letzte Facebook-Mitteilung in der noch jungen Geschichte des Etablissements. Inzwischen ist die Seite von "Guter Bulle" nämlich mausetot. Wenn man so will, hat Red Bull ihn auf dem Gewissen. Der weltweit operierende österreichische Getränkehersteller wehrte sich juristisch gegen die Verwendung des Namens.

Nach Meinung von Red Bull ist "Guter Bulle" klanglich zu artverwandt mit dem roten Bullen. "Markenverletzung und unlauterer Wettbewerb" warf der Konzern den Frankfurter Burger-Grillern vor. Für den Fall der Weiterverwendung des bisherigen Namens drohten nach Angaben des Lokals 250.000 Euro Strafzahlung. Zu entscheiden hatte das Landgericht Düsseldorf. Das erwies sich für den Namen des Restaurants als Schlachtbank. Die Richter stimmten der Gleichklang-Auffassung von Red Bull zu und gaben den Österreichern recht.

​"Wir konnten es nicht glauben"

Jalal Sharaf, Mitinhaber der Gaststätte, berichtet: "Wir konnten es nicht glauben, wir dachten erst, es wäre ein Scherz." War es aber nicht. Red Bull meinte es todernst. Grund: "Weil wir Produkte mit einem ähnlichen Namen verkaufen", sagt Sharaf, der die Geschichte inzwischen etliche Male in hessischen Lokalmedien erzählte.

Das Gericht bestätigte den Erlass einer einstweiligen Verfügung vor sieben Monaten. Diese sei "wegen der Dringlichkeit der Sache ohne mündliche Verhandlung erlassen" worden und enthalte, da kein Widerspruch eingelegt wurde, keine weitere Begründung. Sharaf erzählte, Anwälte, mit denen er über den Fall gesprochen habe, hätten ihm gute Chancen eingeräumt einen Rechtsstreit zu gewinnen. Zugleich aber hätten sie ihm nahegelegt, es nicht darauf ankommen zu lassen. Red Bull wäre ziemlich sicher durch alle Instanzen gegangen. Ein paar zehntausend Euro hätten die jungen Restaurantbetreiber zurücklegen müssen.

Dem Frankfurter Lokal ist dem Gericht zufolge untersagt, "im geschäftlichen Verkehr das Zeichen 'Guter Bulle' für eine Reihe von Waren und Dienstleistungen der Klasse 32, 33 und 43 zu verwenden". Das betrifft entalkoholisierte Getränke, Tabak, Raucherartikel, Streichhölzer sowie Einrichtungen zur Verpflegung und Beherbergung von Gästen gegen Bezahlung.

Red Bull findet Interesse "verwunderlich"

Wahrscheinlich war es der erste Punkt, der Red Bull dazu trieb, den Jungunternehmern den Tiernamen madig zu machen. Nach einem Bericht von hessenschau.de hatten die Betreiber des Lokals beim Patentamt beantragt, die Bezeichnung "Guter Bulle" auch für die Getränkeherstellung schützen zu lassen. "Einer meiner Partner hatte die Idee, dass man irgendwann in der Zukunft auch mal Getränke zubereiten und verkaufen könnte." Allerdings sei eher in Richtung Smoothie und nicht an Energydrinks gedacht worden, zitierte das Onlineportal Mitinhaber Sharaf.

Die Presseabteilung von Red Bull versteht die ganze Aufregung nicht. Schon Mitte Februar habe der "Anwalt der anderen Partei" das Ansinnen des Getränkeherstellers in "einer Abschlusserklärung vollumfänglich anerkannt und für endgültig verbindlich erklärt", heißt es dort. "Insoweit ist das Interesse an diesem Fall verwunderlich, da dieser bereits seit längerem abgeschlossen ist und lediglich der gerichtlich festgesetzte Kostenersatz ausstehend ist", erklärt der Konzern, dessen gigantische PR-Maschine rund um den Erdball um Aufmerksamkeit buhlt.

Warum eine Firma, die nach eigenen Angaben vergangenes Jahr mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz erzielte, juristisch gegen die Frankfurter Burger-Brutzler vorging, beantwortet Red Bull nicht. Aus Sicht von Sharaf ​sieht es so aus: Der Konzern, der von sich behaupte, sein Gesöff verleihe Flügel, stutzte ihm und seinem Kompagnon dieselbigen. 13.000 Euro Schadenersatz müsse er an Red Bull zahlen, sagte er nach Angaben der "Frankfurter Neue Presse". Für den Druck neuer Speisekarten und diverser Marketing-Ausgaben seien weitere ​8000 Euro fällig.

"Gleiches Team, gleiches Konzept, cooleres Logo, immer noch die Nummer Eins in Frankfurt", hieß es in dem letzten Facebook-Post als "Guter Bulle". Auch der neue Name steht schon fest. Ab sofort heißt der Laden "Traumkuh". Hoffentlich kriegt das die bayerische Firma Ehrmann nicht mit. Einer ihrer Verkaufshits ist der "Früchtetraum".

Quelle: ntv.de

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