Wirtschaft

"Lage ist ernst" Renault plädiert für Abwrackprämie

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Die Abwrackprämie sollte 2009 die Nachfrage nach neuen Autos erhöhen.

(Foto: imago/Rust)

Der Chef von Renault Deutschland, Uwe Hochgeschurtz, schlägt wegen der Corona-Krise staatliche Anreize zum Autokauf vor. Der Autohandel müsse schnell wieder in Schwung kommen, sagt der Manager im Interview mit ntv.

Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz fordert angesichts der Corona-Krise von der Bundesregierung Hilfe für die Autobranche. "Die Lage ist wirklich ernst", sagte er ntv. "Wir sollten jetzt ganz dringend darüber nachdenken, ob wir nicht wieder Anreize schaffen: Konjunkturprogramme, Abwrackprämien, damit der Autohandel jetzt ganz schnell wieder in Schwung kommt."

Die deutsche Autoindustrie steht durch die Corona-Krise unter Druck. Wochenlange Produktionsstopps und ein Einbruch der Neuzulassungen machen der Industrie schwer zu schaffen. Die Abwrackprämie sollte 2009 die Nachfrage nach neuen Autos erhöhen. Wer ein neues Auto oder einen Jahreswagen kaufte und seinen alten Wagen verschrotten ließ, bekam 2500 Euro. Die Prämie wurde auch damit begründet, dass sie der Flottenerneuerung und damit dem Umweltschutz diene.

Bei einer möglichen Prämie sei es nicht entscheidend, ob sie speziell für Elektroautos oder auch für Verbrenner vorgesehen werde, so Hochgeschurtz. Entscheidend sei, überhaupt Anreize für einen Kauf zu geben. "Ich glaube nicht, dass man das eine gegen das andere ausspielen muss", so der Renault-Deutschland-Chef. Der Manager plädiert für eine Abwrackprämie von 3000 Euro. Bei Elektroautos würde das auf die bisherige Umweltprämie obendrauf kommen: "Das würde dann 9000 Euro machen für ein Elektroauto. Ich denke, das ist ökologisch und ökonomisch eine ganz vernünftige Bilanz."

Dass durch eine Abwrackprämie der Elektroautoverkauf gebremst wird, glaubt Hochgeschurtz nicht."Was viel wichtiger ist, dass der Automobilpark in Deutschland inzwischen wieder knapp zehn Jahre alt ist. Das ist sehr, sehr alt."

"Keine gute Idee"

Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, lehnt neue Kaufanreize für Autos dagegen ab. "Kaufprämien für Autos sind erstens teuer, wenn sie groß genug sind, und zweitens sind sie volkswirtschaftlich nicht wirklich sinnvoll", sagte der Ökonom im Gespräch mit ntv. Es sei keine gute Idee, funktionstüchtige Autos zu verschrotten und durch neue zu ersetzen.

"Die Probleme der Automobilindustrie sind ja nicht, dass die Menschen keine Finanzierungsquellen haben für ihre Autos. Es ist im Prinzip genug Geld da", so Felbermayr. Entscheidend seien dagegen die Lieferketten.

"Die Autos, die wir jetzt mit Anreizen versehen würden, könnten gar nicht produziert werden", sagte Felbermayr. Das Wichtigste sei, dass die Politik alles tut, um die Lieferketten wieder in Gang zu setzen.

Quelle: ntv.de, jga/dpa