Wirtschaft

Hoffnung auf EZB-Käufe Rendite südeuropäischer Anleihen fällt weiter

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Anleihen aus Italien und Spanien sind gefragt.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Neue Mehr-Monats-Tiefs erreichen die Renditen von Staatsanleihen aus Italien und Spanien. Hintergrund sind Spekulationen, die EZB könnte noch mehr Staatsanleihen aufkaufen - speziell aus dem kriselnden Teil der Europas. Das wäre jedoch problematisch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Änderung der Regeln ihres Programms zum Ankauf öffentlicher Anleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf ein Drei-Monats-Tief von 1,218 Prozent. Die Rendite der spanischen Papiere blieb mit 1,127 Prozent in Reichweite ihres 15-Monats-Tiefs vom Vortag.

Bei ihren Anleihekäufen von derzeit 80 Milliarden Euro monatlich orientiert sich die EZB bislang an ihrem Kapitalschlüssel. Dies bedeutet, dass mehr Anleihen derjenigen Länder aufgekauft werden, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Börsianern zufolge spekulierten Anleger nun darauf, dass die Währungshüter zukünftig von dieser Regel abweichen und verstärkt Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten aufkaufen könnte. "Dadurch würden die Haftungsrisiken neu verteilt, was zumindest von deutscher Seite zu erheblicher Kritik führen dürfte", schrieben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar.

Unsicherheit über Entschlossenheit der EZB

Klarer Profiteur einer solchen Änderung wäre nach Einschätzung von Unicredit Italien, das nach den USA und Japan den weltweit drittgrößten Anleihemarkt hat. Reduzieren würde sich dagegen der Anteil Deutschlands, auf das nach den aktuellen Regeln der größte Teil der Ankäufe entfällt. Allerdings sind Bundesanleihen ohnehin sehr gefragt, nach dem britischen EU-Referendum noch stärker als vorher. Das drückt die Renditen, und die EZB darf nur Papiere kaufen, deren Rendite oberhalb des Bankeinlagensatzes (derzeit minus 0,40 Prozent) liegt.

BNP Paribas ist nicht sicher, ob der EZB-Rat wirklich entschlossen ist, eine Regeländerung vorzunehmen, die Italien derart begünstigen würde. Immerhin scheine sich der Rat Gedanken für den Fall zu machen, dass das QE-Programm über das Frühjahr 2017 hinaus ausgedehnt werden solle, meint die Bank.

Unicredit kann sich vorstellen, dass die EZB zunächst den Ankauf von Bundesanleihen auf den Anteil Deutschlands am ausstehenden Anleihevolumen reduziert und dass die so frei werdenden Ankäufe gleichmäßig auf die anderen Länder verteilt werden. Dadurch würde der Ankaufdruck auf Bundesanleihen verringert, ohne einzelne Länder überproportional zu begünstigen.

Quelle: ntv.de, kst/rts/DJ