Wirtschaft

"Nichts deutet auf Abschwung" Robuster US-Arbeitsmarkt schürt Zinsspekulationen

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In den USA zeigt der Jobmarkt weiter Anzeichen von Schwäche.

(Foto: REUTERS)

Die US-Wirtschaft ist in den beiden vergangenen Quartalen geschrumpft - doch der am Jobmarkt brummt es. Im Juli schufen die Unternehmen mehr als eine halbe Million neuer Stellen. Damit gibt es für Notenbank kaum Gründe, auf eine erneut kräftige Zinsanhebung zu verzichten.

Der US-Arbeitsmarkt boomt und nährt mit einem überraschend kräftigen Jobaufbau im Juli Zinsfantasien an den Finanzmärkten.  Im vergangenen Monat kamen 528.000 neue Jobs hinzu, wie die Regierung in Washington mitteilte. Doppelt sov iele, wie von Volkwirten erwartet. Im Vormonat hatte sich das Plus auf revidiert 398.000 belaufen. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent zurück. Nach Angaben des Ministeriums waren etwa 5,7 Millionen Menschen ohne Job. Beide Werte entsprächen dem Vor-Corona-Niveau im Februar 2020.

Der Arbeitsmarktbericht sei eine Demonstration der Stärke, meint Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners: "Und das ist gleichbedeutend damit, dass die US-Wirtschaft und der US-Arbeitsmarkt noch mehrere Zinsschritte vertragen können." Auch Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank sieht den Jobmarkt im Lot: "Es ist sehr beeindruckend, wie viele neue Jobs monatlich in den USA immer noch geschaffen werden. Hier deutet noch nichts auf einen bald beginnenden Abschwung hin."

US-Notenbankchef-Jerome Powell sagte jüngst, er sehe den robusten Arbeitsmarkt als Anzeichen dafür, dass die USA keine Rezession durchmachten. Das Bruttoinlandsprodukt ist allerdings bereits zwei Quartale in Folge geschrumpft, was im Fachjargon der Volkswirte als technische Rezession bezeichnet wird. Die Notenbank Federal Reserve hatte im Juli den Leitzins im Kampf gegen die Inflation dennoch weiter kräftig erhöht. Sie hob ihn um 0,75 Punkte auf die Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent an und will nachlegen.

Wie aus dem Arbeitsmarktbericht weiter hervorgeht, stiegen die Stundenlöhne im Juli zum Vormonat um 0,5 Prozent und damit ebenfalls stärker als von Ökonomen erwartet. "Da auch die Löhne kräftig zulegten, dürfte eine abermalige Leitzinsanhebung um 75 Basispunkte auf der Sitzung im September in Stein gemeißelt zu sein", meint LBBW-Ökonom Dirk Chlench.

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Ein starker Jobmarkt gebe der US-Notenbank zusätzliche Argumente an die Hand, um das straffe Tempo im aktuellen Zinserhöhungszyklus hochzuhalten, sagte Timo Emden, Marktanalyst vom Analysehaus Emden Research. Er verweist darauf, dass sie erst im Juli "wiederholt einen XXL-Zinsschritt" in Höhe von 75 Basispunkten gewagt habe: "Auf der Gegenseite zerschlagen sich die Hoffnungen, dass die raschen Zinserhöhungen aus den vergangenen Monaten auch am Arbeitsmarkt erste sichtbare Früchte tragen."

Die wieder aufgeflammten Spekulationen auf kräftige Zinserhöhungen verliehen dem Dollar Zusatzschub. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,9 Prozent auf 106,69 Zähler. Investoren warfen zugleich US-Staatsanleihen aus den Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Bonds auf 2,805 Prozent.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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