Wirtschaft

Russland arrangiert sich Rubel kommt zurück

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ruhig ist es um die Wirtschaft Russlands geworden. Das heißt aber nicht, dass die Entwicklungen beim Rubel, den Zinsen und am Aktienmarkt langweilig sind. Schafft Russland trotz Sanktionen die Wende?

Kräftige Erholung beim Rubel: Nachdem der Rubel Anfang Februar mit 70 Rubel je Dollar auf ein Rekordtief gefallen war, ist er seitdem auf 58 Rubel geklettert. Die Währung hat sich damit von der Entwicklung des Ölpreises abgekoppelt, denn die Nordseesorte Brent tendiert seit Anfang Februar unter großen Schwankungen seitwärts. Bei Investoren wächst die Zuversicht, dass Russland dem schwierigen Umfeld noch eine ganze Weile trotzen kann. Zwar sind die Währungsreserven des Landes zuletzt mit rund 357 Milliarden Dollar auf ein Achtjahrestief gesunken. Doch die Zentralbank hat die Stützungskäufe für den Rubel eingestellt, weshalb laut Schätzungen der Zentralbank die Währungsreserven im laufenden Jahr um lediglich 50 Milliarden Dollar sinken sollen.

Schwere Rezession

Die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen haben ihre Spuren hinterlassen, aber Russland arrangiert sich allmählich. Ebenso wie der Rubel sind zuletzt auch die russischen Staatsanleihen nach oben geklettert. Die Zinsen für fünfjährige Anleihen, die im Januar noch bei 17,5 Prozent lagen, sind entsprechend auf 12,5 Prozent gesunken. Nichts desto trotz zeigt das immer noch sehr hohe Niveau an, dass Investoren die mittelfristigen Konjunkturperspektiven und damit die Wahrscheinlichkeit auf eine vollständige Rückzahlung der Anleihen kritisch einschätzen. Und wie beurteilt Russland seine Situation?

Die Zentralbank geht davon aus, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr um 3,5 bis vier Prozent schrumpfen wird, unter der Annahme, dass der Ölpreis im Schnitt bei 50 bis 55 Dollar je Barrel liegen werde. Sollte er allerdings auf 40 bis 45 Dollar fallen, könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um bis zu 5,8 Prozent zurückgehen. Laut russischem Wirtschaftsministeriums war das BIP im Februar um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, womit sich das Minus gegenüber dem Januarwert von 1,5 Prozent beschleunigt hat.

Hohe Inflation

Unter dem Verfall des Rubel leiden insbesondere die russischen Verbraucher, denn trotz der jüngsten Erholung ist er gegenüber dem Dollar im Vergleich zum Juni 2014 um etwa 40 Prozent weniger Wert. Das heizt gleichzeitig die Inflation an. Sie ist im Februar mit 16,7 Prozent auf ein Dreizehnjahreshoch nach oben geschossen. Weil dadurch die realen Löhne deutlich gesunken sind, brachen die Einzelhandelsumsätze im Februar um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Trotz der hohen Inflation hat die Zentralbank zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen gesenkt. Die Angst vor einer noch tieferen Rezession sind trotz stabilem Ölpreis immer noch sehr hoch.

Gazprom vor Dividendenkürzung

Die jüngste Erholung des Rubel belastet wiederum den Aktienmarkt, weil sich die Exportperspektiven der Unternehmen eintrüben. Seit Mitte Februar hat der Micex Index, der auf Rubel-Basis notiert, um zehn Prozent nachgegeben. Besonders schwierig ist das Umfeld für die Banken, wie die VTB Group oder die OAO Gazprombank, da sie wegen der Rezession unter steigenden Rückstellungen für faule Kredite und verstärkten Kreditausfällen leiden. Die Zentralbank geht davon aus, dass die notleidenden Kredite der heimischen Banken im laufenden Jahr um 900 Milliarden Rubel (15,5 Mrd. Dollar) steigen werden.

Deutlich stärker als der Gesamtmarkt war zuletzt die bedeutendste russische Aktie von Gazprom unter Druck. Investoren befürchten, dass der Öl- und Gasmulti die Dividende kürzen könnte. Denn  der für die Berechnung der Ausschüttung entscheidende Gewinn, der nach russischem Bilanzierungsstandard ermittelt wird, war 2014 wegen hoher Währungsverluste um 70 Prozent auf 189 Milliarden Rubel eingebrochen. Das Management von Gazprom wird im April einen Dividendenvorschlag machen. Sollte der Konzern wie üblich 25 Prozent des Gewinns als Dividende auskehren, würde sie auf zwei Rubel je Aktie sinken. Im Jahr zuvor waren es noch 7,2 Rubel.

Obwohl sich der Rubel zuletzt vom Ölpreis abkoppeln konnte, bleibt das schwarze Gold für die russische Wirtschaft richtungsweisend. Sollte sich die jüngste Entwicklung fortsetzen, ist Besserung in Sicht, eine Wende allerdings noch nicht.

Quelle: ntv.de