Wirtschaft

Schuldendienst "unmöglich" Russische Firmen stehen wegen Sanktionen vor Zahlungsausfällen

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Russlands Eisenbahn spielt eine zentrale Rolle bei der Logistik des Krieges, finanziert auch von internationalen Gläubigern.

(Foto: REUTERS)

Russland steht kurz davor, erstmals seit mehr als einem Jahrhundert, seine Auslandsschulden nicht zu bedienen. Auch erste Unternehmen melden Zahlungsausfälle. Dabei verfügen Staat und Firmen über mehr als genug Geld.

Als Folge der internationalen Finanzsanktionen kann nicht nur der russische Staat, sondern auch erste Unternehmen ihre internationalen Schulden nicht mehr zurückzahlen. So hat die Russische Eisenbahn unter anderem eine fällige Zahlung für ein Darlehen in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken nicht geleistet. Daraufhin erklärte das Credit Derivatives Determinations Committee, in dem unter anderem große Investmentbanken vertreten sind, am Montag offiziell einen Zahlungsausfall. Die Eisenbahn erklärte, sie habe versucht, die am 14. März fällig gewordenen Zinszahlungen zu leisten. Sie sei aber aufgrund "rechtlicher und regulatorischer Verpflichtungen innerhalb des Korrespondenzbankennetzes" dazu nicht in der Lage gewesen, heißt es in einer Mitteilung.

Auch die Unternehmensgruppe Alrosa, einer der größten Diamantenproduzenten der Welt, hat eine am Wochenende fällige Zinszahlung in Höhe von 11,6 Millionen Dollar nicht beglichen, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Großbritannien sanktionierte die Gruppe bereits am 24. März, vergangene Woche folgte das US-Finanzministerium.

Die Auswirkungen dieser Sanktionen machten die Tilgung der Schulden "technisch unmöglich", obwohl die finanziellen Mittel zur Verfügung stünden, erklärte Alrosa gegenüber Interfax. Dabei verfügt die Unternehmensgruppe, die in Jakutien im östlichen Sibirien angesiedelt ist, über mehr als genug Geld. Sie gab erst kürzlich einen Gewinn von 91,3 Milliarden Rubel (1,0 Milliarde Euro) für das vergangene Geschäftsjahr bekannt. Im Vorjahresvergleich hatte sich der Gewinn der Gruppe damit verdreifacht.

"Keine objektiven Gründe"

Auch der russische Staat konnte aufgrund der Sanktionen erstmals seit mehr als einem Jahrhundert seine Auslandsschulden nicht bezahlen. Bis ein formeller Zahlungsausfall, oft auch als Staatsbankrott bezeichnet, erklärt wird, warten Ratingagenturen und Gläubiger in der Regel eine 30-tägige Nachfrist ab.

Der Kreml erklärte, Russland habe die notwendigen Mittel, um seine Schulden zu bezahlen. "Es kann nur eine technische, von Menschen verursachte Zahlungsunfähigkeit geben", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Es gibt keine objektiven Gründe für einen solchen Ausfall. Russland hat alles, was es braucht, um alle seine Verpflichtungen zu erfüllen."

Die USA erhöhten zuletzt den wirtschaftlichen Druck auf Russland wegen der Invasion in der Ukraine. Das Finanzministerium hinderte die russische Regierung vergangene Woche daran, fällige Zahlungen von mehr als 600 Millionen Dollar an ihre Gläubiger aus den bei US-Banken gehaltenen Devisenreserven zu leisten. Die von der russischen Zentralbank gehaltenen Reserven waren nach Kriegsbeginn eingefroren worden, doch durfte Moskau bislang für Zahlungen auf in Dollar lautende Staatsanleihen noch darauf zurückgreifen. Mit der Blockade soll der Kreml zu einer Entscheidung gezwungen werden: Die Dollar, auf die er im Inland zugreifen kann, entweder für Zahlungen an seine Gläubiger zu nutzen oder für andere Zwecke wie die Finanzierung des Krieges einzusetzen.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/AFP

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