Wirtschaft

Ziel unbekannt Russisches Flugzeug soll 20 Tonnen Gold aus Venezuela holen

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Von Venezuelas einst stattlicher Goldreserve hat Maduro in den vergangenen Jahren bereits mehr als die Hälfte versetzt.

(Foto: REUTERS)

Nachdem US-Sanktionen das venezolanische Regime von den Öleinnahmen abgeschnitten haben, sind die Goldreserven der Zentralbank zur überlebenswichtigen Devisenquelle für den umstrittenen Präsidenten Maduro geworden. Offenbar will er eine riesige Menge ins Ausland bringen lassen.

Am Sonntag soll sie auf dem Flughafen Simon Bolivar in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gelandet sein, die Boeing 777 der russischen Fluggesellschaft Nordwind. Während der Finanzminister der international teils nicht mehr anerkannten Regierung von Präsident Nicolás Maduro selbst die Existenz des Flugzeugs abstreitet, weiß der Abgeordnete José Guerra sogar genau, mit welcher Fracht die Maschine beladen werden soll: 20 Tonnen Gold der venezolanischen Zentralbank.

Da Regierung und Zentralbank sich nicht äußern, ist unklar, wohin die riesige Menge Gold im Wert von rund 840 Millionen Dollar gebracht werden soll. Der Verdacht liegt nahe, dass das politisch und finanziell angeschlagene Regime in Caracas das Edelmetall im Ausland verkaufen will, um an Devisen zu gelangen. Trotz wiederholter Währungsreformen liegt die Inflation im Land geschätzt bei einer Million Prozent oder mehr. Mit der eigenen Währung kann die Regierung die dringend benötigten Importe von Lebensmitteln und Medikamenten schon lange nicht mehr bezahlen.

In den vergangenen Jahren hat Venezuela bereits über die Hälfte seiner einst mehr als 300 Tonnen umfassenden Goldreserve versetzt. Nachdem die USA vor wenigen Tagen ein Embargo gegen den staatlichen Ölkonzern PDVSA verhängt haben und Maduro damit von seiner bislang wichtigsten Devisenquelle abgeschnitten ist, sind die verbliebenen Goldbestände der Zentralbank in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Erst vor wenigen Tagen sorgte die Bank of England für Aufsehen, als sie dem Maduro-Regime den Zugriff auf einen Teil der in ihren Londoner Tresoren lagernden Goldbestände verweigerte.

Russland erwartet pünktlichen Schuldendienst

Goldtransporte aus Venezuela ins Ausland gibt es immer wieder. Denn das Land verfügt über mehrere Minen und große Erzlagerstätten. Jahrelang wurde ein Großteil der Produktion zur Weiterverarbeitung in Raf­fi­ne­rien in der Schweiz gebracht. Mit zunehmendem Druck auf das Maduro-Regime und wachsender Angst vor internationalen Sanktionen wich Venezuela zuletzt vor allem auf die Türkei als Umschlagplatz für den Goldexport aus. Die Menge von 20 Tonnen ist allerdings auch für venezolanische Verhältnisse viel. Laut "Bloomberg" handelt es sich um ein Fünftel der gesamten im Land lagernden Zentralbankreserven.

Beweise für seine Behauptung legte Guerra zwar bislang nicht vor, der Abgeordnete gilt jedoch als äußerst glaubwürdig. Er ist ein ehemaliger Ökonom der Zentralbank und steht mit seinen alten Kollegen dort offenbar weiter in enger Verbindung. Ein weiterer Insider bestätigte "Bloomberg" Guerras Darstellung, dass in der Notenbank bereits 20 Tonnen Gold zum Verladen in das Flugzeug bereitstünden.

Die weltweit führenden Goldhandelsplätze London und New York scheiden wegen der jüngsten Erfahrungen Venezuelas mit der Bank of England und den US-Sanktionen gegen das Land als Ziel des ungewöhnlichen Goldtransports wohl aus. Die Türkei, wo das Regime bereits mehrfach Gold verkaufen ließ, ist ein möglicher Bestimmungsort. Ein anderer ist Russland. Bei seinem wichtigsten internationalen Verbündeten in Moskau steht Maduros Regierung - nach einem Teil-Schuldenerlass im Jahr 2017 - mit mehr als drei Milliarden Dollar in der Kreide. Die nächste Rate von 100 Millionen Dollar ist laut "Bloomberg" im März fällig. Gegenüber der Nachrichtenagentur teilte das russische Finanzministerium mit, dass man - trotz aller aktuellen Probleme Maduros - mit einem pünktlichen Eingang der Zahlung rechne.

Quelle: n-tv.de, mbo

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