Passagierzahl wird sinkenRyanair-Rückzug versetzt Flughafen BER einen "heftigen Schlag"

Die Billigfluggesellschaft Ryanair dünnt angesichts der hohen Standortkosten seine Präsenz am Hauptstadtflughafen aus. Das Verkehrsaufkommen der irischen Airline wird sich Prognosen zufolge halbieren. Am BER soll daher nun "alles auf den Prüfstand kommen".
Der Berliner Flughafen will mit einer Sparrunde und dem Verschieben von Investitionen auf die Kürzungen von Ryanair reagieren. Man werde operativ gegensteuern und sich alle Personal- und Sachkosten ansehen, sagte Airport-Chefin Aletta von Massenbach. "Alles kommt auf den Prüfstand." Man werde weiter investieren, um Kosten zu senken und neue Erlösmöglichkeiten auszuloten. Im laufenden und im kommenden Jahr werde die Zahl der Passagiere am BER anders als geplant sinken. Grund sei, dass der Rückgang der Fluggäste von Ryanair zwar abgepuffert, aber nicht ganz ausgeglichen werden könne, sagte die Managerin.
Der Berliner Flughafen hinkt der Entwicklung seit der Corona-Krise ohnehin deutlich hinterher. 2019, vor der Virus-Pandemie, hatten die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen noch 35,65 Millionen Menschen abgefertigt. Im vergangenen Jahr waren es am Hauptstadtflughafen BER nur noch 26,1 Millionen. Für 2026 werde es nun statt der angepeilten rund 26,5 Millionen einen Rückgang auf etwa 25,7 Millionen Passagiere geben, sagte von Massenbach.
Man sei derzeit noch auf Vorjahresniveau, aber ab November falle der reduzierte Winterflugplan von Ryanair ins Gewicht. 2027 dürften es nur rund 25,2 Millionen Passagiere werden - und damit 1,8 Millionen Euro weniger als geplant. Airlines wie Wizz Air und die Lufthansa-Tochter Eurowings weiteten ihr Flugprogramm zwar aus, könnten aber letztlich den großen Rückgang von Ryanair-Flügen nicht ausgleichen, erklärte die BER-Chefin.
Der Flughafen leidet darunter, dass Billigflieger wie die britische Easyjet und vor allem Ryanair als europäische Nummer eins und Platzhirsch in Berlin ihr Programm deutlich ausdünnen und dies mit zu hohen Standortkosten in Deutschland begründen. "Ich kann die Frustration dahinter verstehen", sagte von Massenbach. Sie ist als Präsidentin des Flughafenverbands ADV Cheflobbyistin aller Airports und prangert seit Längerem die staatlichen Kosten für Fliegen in Deutschland als zu hoch an.
Ryanair zieht allein für den Winterflugplan 700.000 Sitzplätze in Berlin und Hamburg ab. Die Iren verlagern alle sieben am BER stationierten Flugzeuge auf kostengünstigere Airports, fliegen aber weiterhin die Hauptstadt an. Das Verkehrsaufkommen von Ryanair in Berlin soll sich 2027 auf rund 2,5 Millionen Passagiere etwa halbieren. "Das ist ein heftiger Schlag", sagte von Massenbach.
