Wirtschaft

Ausblick "negativ" S&P straft Italien ab

27075072_lay.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Nachdem Moody's bereits die Bewertung italienischer Staatsanleihen herabgestuft hat, zieht auch die Ratingagentur Standard & Poors Konsequenzen aus den Haushaltsplänen von Italiens Regierung. Deutschland bescheinigt sie dagegen erneut Bestnoten.

Die US-Ratingagentur Standard & Poors (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Italiens nicht herabgestuft, sieht den Ausblick für das EU-Mitgliedsland nun aber negativ. Die Bonität werde weiter mit der im unteren Mittel liegenden Note "BBB" bewertet, teilte die Agentur mit. Dies sind zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau, das hochspekulative Anlagen beschreibt. Der Ausblick wurde von "stabil" auf "negativ" gesenkt.

10-jährige italienische Staatsanleihen
10-jährige italienische Staatsanleihen 101,17

Hintergrund ist der Haushaltsentwurf der italienischen Regierung für 2019. Darin ist eine deutlich höhere Neuverschuldung geplant als mit Brüssel vereinbart. Die EU-Kommission hatte den vorgelegten Haushaltsplan deshalb abgelehnt und Rom eine Frist von drei Wochen zur Änderung eingeräumt. Auf den Finanzmärkten löste dieser einmalige Schritt zuletzt große Verunsicherung aus. Auch S&P kritisierte die Finanzpolitik der italienischen Regierung, die die Wachstumsperspektiven des Landes verschlechterten. Die geplante höhere Verschuldung werde die Erholung des Privatsektors abwürgen, befürchten die Analysten.

Vor einer Woche hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens bereits herabgestuft. Die Agentur sieht Italiens Staatsanleihen sogar nur noch eine Stufe über "Ramschniveau". Die Ratingagentur begründete die Herabstufung um einen Punkt von "Baa2" auf "Baa3" mit einer "erheblichen Schwächung von Italiens Finanzkraft" infolge der Schuldenpläne der Regierung in Rom. Auch S&P schloss eine Herabstufung der Bonität in den kommenden sechs Monaten nicht aus.

Der Haushaltsentwurf der Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega sieht für das kommende Jahr ein Defizit von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung vor. Das entspricht drei Mal so viel wie die von der Vorgängerregierung versprochenen 0,8 Prozent. 2020 beträgt das Defizit demnach 2,1 Prozent. Im Jahr 2021 liegt es der Planung zufolge bei 1,8 Prozent. Das Land hat mit 131 Prozent der Wirtschaftsleistung bereits jetzt die zweitgrößte Gesamtverschuldung der Eurozone nach Griechenland.

Deutschland weiter stabil

Derweil bestätigte S&P die Top-Bonitätsnote "AAA" mit stabilem Ausblick für Deutschland. Sie sei Ausdruck der "institutionellen Stabilität", hieß es. Derzeit seien auch keine Einflüsse in Sicht, die sie dazu veranlassen könnten, Deutschland in den kommenden beiden Jahren eine schlechtere Note zu geben. Die Analysten bestätigten auch das Rating "AA" für die Europäische Finanzstabilitätsfazilität (EFSF). Der Ausblick sei stabil.

Auch Großbritannien wird von S&P unverändert mit "AA" eingestuft. Hier sei der Ausblick aber negativ, unter anderem weil das Land infolge des Brexit den Zugang zum Gemeinsamen Markt der EU zu verlieren droht. Auch die Ratingagentur Fitch teilte mit, dass sie Großbritannien unverändert mit "AA" und negativem Ausblick einstufe.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa/AFP/dj

Mehr zum Thema