Wirtschaft

Kapitalerhöhung ohne Voith und VW SGL gibt neue Aktien aus

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Kohlefaser im Autobau: Eine "Carbon Core"-Karosserie des neuen 7er BMWs.

(Foto: © SGL Group)

Kohlefasern gelten vielen Analysten als Zukunftsmaterial im Autobau: Wer Gewicht spart, kann mit mehr Reichweite und weniger Emissionen punkten. Bei SGL im SDax wollen sich trotzdem nur einzelne Branchengrößen engagieren.

Der Kohlefaser-Spezialist SGL will bei seinen Aktionären noch in diesem Jahr 180 Millionen Euro frisches Kapital einsammeln. Die beiden größten Anteilseigner, die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten und der Münchener Autobauer selbst, wollen bei der Kapitalerhöhung voll mitziehen, wie das SDax-Unternehmen mitteilte.

SGL Carbon
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Wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht, wollen der BMW-Rivale Volkswagen und der schwäbische Anlagenbauer Voith dagegen keine neuen Aktien zeichnen. Im Zuge der Kapitalerhöhung dürften ihre Anteile an SGL verwässern. BMW und Klatten dagegen dürfte ihre Stellung als Anteilseigner in der Aktionärsstruktur des Leichtbau-Unternehmens festigen.

VW und Voith ziehen nicht mit

Die neuen SGL-Papiere sollen mit einem Abschlag von mehr als einem Drittel zum Aktienkurs ausgegeben werden: zu je sechs Euro. Die Reaktionen am Markt fielen verhalten aus: "Wir haben schon lange die Kapitalerhöhung bei SGL erwartet", meinte ein Marktteilnehmer. Überraschend sei allenfalls, dass VW und Voith die Kapitalerhöhung nicht mitmachten und sich ihre Beteiligung damit verwässere. Die Kapitalerhöhung dürfte die Aktie nur kurzfristig belasten. An der Frankfurter Börse sackten SGL zunächst um bis zu vier Prozent auf 9,72 Euro ab.

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  Mit dem frischen Geld will SGL Carbon eine in zwei Jahren fällige Wandelanleihe tilgen oder zurückkaufen und eine weitere Anleihe vorzeitig zurückzahlen. Letztere läuft noch bis Januar 2021. Es gehe darum, die Verschuldung von SGL drastisch zu senken und damit "eine solide finanzielle Grundlage für unsere Wachstumsbereiche" zu schaffen, sagte Vorstandschef Jürgen Köhler.

SGL Carbon hat insgesamt 620 Millionen Euro Schulden. Auch die mindestens 200 Millionen Euro, die SGL Anfang 2017 aus dem Verkauf des ehemaligen Kerngeschäfts mit Grafitelektroden kassiert, sollen für die Rückzahlung der Bonds verwendet werden. Die niedrige Eigenkapitalquote von sechs Prozent soll damit auf knapp 15 Prozent steigen.

Mehr als nur Elektroautos

"Die zukünftige SGL Group beabsichtigt, zusammen mit ihren Kunden Entwicklungen in den Bereichen Mobilität, Energieversorgung und Digitalisierung voranzutreiben. Durch den Fokus auf zukunftsträchtige Industrien und Märkte erwarten wir, die Volatilität in unseren Geschäften besser ausgleichen zu können", erklärte Köhler. SGL schreibt derzeit tiefrote Zahlen. Das Grafitelektroden-Geschäft, das stark von der schwächelnden Stahlindustrie abhängt, geht an den japanischen Chemiekonzern Showa Denko.

Die neuen Aktien werden den Aktionären von Mittwoch an bis zum 13. Dezember zum Kauf angeboten. Für je 40 Anteilsscheine können sie 13 neue zeichnen. Allein die mit 27,5 Prozent an SGL beteiligte Susanne Klatten kauft dabei für 49 Millionen Euro zu. Der Autobauer BMW, der bisher mit 18,4 Prozent an SGL beteiligt ist, lässt sich das Engagement 33 Millionen Euro kosten.

Der Volkswagen-Anteil von 9,8 Prozent schmilzt dagegen durch die Kapitalerhöhung auf 7,4 Prozent. Die Autobauer hatten beim Einstieg bei SGL vor allem auf die Nutzung der Kohlefaser-Technik für den Leichtbau gesetzt. BMW setzt die Leichtbauweise bei seinen E-Modellen wie dem i3 und dem i8 bereits um.

Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Aktionärsstruktur finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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