Wirtschaft

Zwischenruf zu Hellas-Einigung Schäuble sieht noch Klärungsbedarf

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Deutschlands oberster Kassenwart gibt keine Ruhe.

(Foto: dpa)

Griechenlands Finanzminister Tsakalotos vermeldet aufsteigenden weißen Rauch hinsichtlich der Gespräche seines Landes mit den Geldgebern. In Berlin herrscht dagegen keine Euphorie, denn Tsakalotos' Kollege Schäuble hat noch Fragen.

Trotz einer Einigung im Reformstreit zwischen Vertretern der internationalen Geldgeber und der griechischen Regierung will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble noch keine Entwarnung geben. Klärungsbedarf bestehe etwa beim Haushaltsüberschuss Griechenlands, erklärte sein Ministerium in Berlin.

Der Euro-Rettungsschirm ESM bestätigte zuvor Angaben des griechischen Finanzministers Euklid Tsakalotos, dass ein Reformpaket mit den Prüf-Institutionen von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB), ESM und Internationalem Währungsfonds (IWF) geschnürt wurde. Diese vorläufige Einigung ebne den Weg für Beratungen über Schuldenmaßnahmen für das Euro-Land, teilte der ESM mit.

Mit solchen Beratungen rechnet Schäuble in naher Zukunft offenbar nicht. So monierte das Bundesfinanzministerium, dass die Frage des Primärüberschusses, also des Staatshaushaltes ohne Zinszahlungen, noch geklärt werden müsse.

In der 2015 geschlossenen Vereinbarung zwischen Griechenland und den Euro-Geldgebern zum dritten Hilfsprogramm wurde nur erklärt, dass der Überschuss "mittelfristig" über 3,5 Prozent liegen muss, nachdem das Programm im Sommer 2018 ausgelaufen ist. Insidern zufolge ist weiter strittig, welcher Zeitraum damit konkret gemeint ist.

"Die Arbeiten gehen weiter"

Einem Reuters vorliegenden Dokument zufolge geht der IWF davon aus, dass Griechenland 2018 einen Primärüberschuss von 2,2 Prozent und 2019 bis 2021 von je 3,5 Prozent erreichen kann. Danach sollte er aber auf 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung reduziert werden, schlug der IWF vor. Schäuble hatte zuvor durchblicken lassen, dass der Wert von 3,5 Prozent über einen längeren Zeitraum gehalten werden sollte.

"Die Arbeiten gehen weiter", erklärte sein Ministerium nun. Ziel sei es, die Programmüberprüfung in der Eurogruppe am 22. Mai abzuschließen. Schäuble hatte am Wochenende in einem Interview in Aussicht gestellt, dass die Euro-Finanzminister dann die zweite Reformüberprüfung abschließen und danach bald die nächste Rate an Finanzmitteln freigeben könnten.

Griechenland muss im Juli 7,5 Milliarden Euro an Krediten zurückzahlen und benötigt dafür voraussichtlich frisches Geld. Tsakalotos hatte in Athen verkündet: "Es ist weißer Rauch aufgestiegen." Die Verhandlungen seien zu allen Themen abgeschlossen. Damit sei nun der Weg für Gespräche über Schuldenerleichterungen geebnet.

Quelle: ntv.de, wne/rts