Wirtschaft

"Nachhaltigere Gesellschaft" Schweden schnürt Milliarden-Paket

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Schweden will mit zehn Milliarden Euro die heimische Wirtschaft wieder zum Laufen bekommen.

(Foto: picture alliance / Jonas Ljungda)

Schweden geht in der Corona-Pandemie einen Sonderweg. Auf massive Einschränkungen verzichtet das Land. Dennoch bricht die Wirtschaft ein - wenn auch weniger stark als anderswo. Im kommenden Jahr will die Regierung die Konjunktur trotzdem mit Milliardenausgaben anschieben.

Die schwedische Regierung will die heimische Wirtschaft mit Rekordhilfen aus der Corona-Krise führen. Für das kommende Jahr soll ein Konjunkturprogramm in Höhe von 105 Milliarden Kronen (rund 10,1 Milliarden Euro) geschnürt werden, kündigte sie an. Es sieht Steuersenkungen, aber auch staatliche Mehrausgaben vor.

Im laufenden Jahr erwartet die Regierung einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 4,6 Prozent, womit Schweden besser durch die Krise käme als viele andere Länder. Zum Vergleich: Die Bundesregierung erwartet für Deutschland ein Minus von 5,8 Prozent. Allerdings ist längst nicht alles im Lot. So liegt die Arbeitslosenquote aktuell mit 9,4 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt von 7,2 Prozent. Besonders unter Jugendlichen und Einwanderern ist sie sehr hoch.

Dennoch hält die Regierung in Stockholm Impulse in Rekordhöhe für notwendig, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen. "Gemeinsam werden wir an Schwedens Weg aus der Krise arbeiten und eine nachhaltigere Gesellschaft aufbauen", hieß es in einer Erklärung der Minderheitskoalition von Sozialdemokraten und Grünen. Der Schwerpunkt soll auf der Schaffung von Arbeitsplätzen, dem Sozialwesen und der Unterstützung des Übergangs zu einer kohlenstofffreien Zukunft liegen.

Am Ende soll das Paket mithelfen, 75.000 neue Jobs zu schaffen und eine klimafreundlichere Wirtschaft zu fördern. "Die Wirtschaftspolitik geht in eine neue Phase", sagte Finanzministerin Magdalena Andersson. Es gehe um einen rekordverdächtigen Haushalt, um die schwedische Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Maßnahmen wurden mit zwei kleinen Mitte-Rechts-Parteien abgestimmt. Da noch in diesem Jahr Parlamentswahlen anstehen, bleibt die längerfristige Politik unklar.

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Schweden hat in der Pandemie einen Sonderweg beschritten: Die meisten Schulen und viele Unternehmen blieben im Frühjahr offen, während anderswo zu drastischeren Maßnahmen gegriffen wurde. Allerdings ist dieser Kurs in der Corona-Krise umstritten. So ist die Zahl der Todesopfer mit 5865 recht hoch - etwa im Vergleich mit den nordischen Nachbarn: In Norwegen starben in Zusammenhang mit Covid-19 nach Angaben der Johns Hopkins University bislang 267 Menschen, in Finnland 339 und in Dänemark 638. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl kommen in Schweden gut 580 Todesfälle auf eine Million Einwohner. In Deutschland sind es hingegen rund 113 Verstorbene pro eine Million Einwohner.

Quelle: ntv.de, jwu/rts