Wirtschaft

Erste Erhöhung seit 2015 Schweizer Zinshammer setzt Börsen unter Druck

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Die Schweizer Nationalbank erhöht die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Die Schweizer Nationalbank erhöht unerwartet die Zinsen. Das setzt den Aktienmärkten in Europa schwer zu. Der Dax rutscht auf ein Drei-Monats-Tief ab, besonders hart erwischt es auch den Online-Modehändler Asos.

Im Kampf gegen die Inflation holen die Notenbanken die Brechstange heraus und schüren an den Börsen die Angst vor einer Rezession. Nach der US-Notenbank zog auch die Schweiz angesichts der steigenden Teuerung die Reißleine und hob erstmals seit mehr als sieben Jahren des geldpolitischen Beharrens die Leitzinsen. Die Bank of England könnte ebenfalls im Tagesverlauf nachziehen.

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Aktienanleger ergriffen die Flucht: der Dax rutschte am Vormittag um 2,8 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 13.110 Punkten ab, der EuroStoxx50 verlor 2,5 Prozent auf 3444 Zähler. Staatsanleihen wurden ebenfalls abverkauft, die Renditen gingen im Gegenzug auf Höhenflug.

Für Furore an den Märkten sorgte vor allem die überraschende Zinserhöhung in der Schweiz um 50 Basispunkte. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeige, dass es momentan nur eine Richtung für Zinsen gebe, sagte Stratege Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets. "Es deutet nur darauf hin, dass so ziemlich alle großen Zentralbanken am selben Strang ziehen." Die Fed hatte ihren Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben, so stark wie zuletzt 1994. Gleichzeitig bekräftigte sie ihr Inflationsziel von zwei Prozent. "Die Fed hat die Brechstange herausgeholt, die Konjunktur ist zweitrangig", schrieben die Strategen der NordLB.

Schweizer Franken wertet deutlich auf

Der Schweizer Aktienindex brach nach der SNB-Entscheidung um 2,8 Prozent ein. Der Schweizer Franken wertete deutlich auf. Der Dollar verlor zur Landeswährung 1,1 Prozent auf 0,9832 Franken, der Euro notierte 1,8 Prozent schwächer bei 1,020 Franken. An den Anleihemärkten zogen die Renditen deutlich an. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen stieg um dreizehn Basispunkte auf 1,79 Prozent und markierte den höchsten Stand seit 2014. Die zehnjährigen italienischen Papiere rentierten neun Basispunkte höher bei mehr als vier Prozent.

Der Schritt der Schweizer mache einmal mehr deutlich, wie sehr die Europäische Zentralbank (EZB) im Hintertreffen sei, sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die europäischen Währungshüter fahren derzeit im Bummelzug weiter und riskieren damit die Glaubwürdigkeit ihre Geldpolitik." Der Euro sackte um ein halbes Prozent auf 1,0388 Dollar ab. Die Europäische Zentralbank hatte in Reaktion auf die kräftig steigenden Renditen südeuropäischer Schuldenpapiere ein neues geldpolitisches Instrument angekündigt. Der Renditeabstand (Spread) zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und den Staatsanleihen höher verschuldeter Euro-Länder wie Italien war zuletzt deutlich gestiegen.

Aktien von Modehändler brechen ein

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Eine Gewinnwarnung schickte die Aktien von Asos auf Talfahrt. Die Papiere des britischen Online-Modehändlers brachen um bis zu 18,8 Prozent auf 942 Pence ein und notierten so schwach wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Der Inflationsdruck beeinträchtige zunehmend das Einkaufsverhalten der Kunden, weswegen die Prognosen nicht zu halten seien, teilte die Firma mit. In dem Ende August ablaufenden Geschäftsjahr werde nun ein bereinigter Vorsteuergewinn von 20 bis 60 Millionen Pfund erwartet, Analysten rechneten im Schnitt bislang mit 83 Millionen.

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Auch Konkurrent Boohoo verzeichnete von März bis Mai Umsatzeinbußen und trübte die Stimmung im Einzelhandelssektor zusätzlich. Der europäische Branchenindex fiel um 4,5 Prozent. Zalando brachen um bis zu 12,3 Prozent ein und markierten mit 24,95 Euro den tiefsten Stand seit knapp dreieinhalb Jahren.

Nach einem trüben Ausblick fielen die Papiere des in den Niederlanden ansässigen Technologieinvestors Prosus um 4,7 Prozent. Für 2022 sei wegen niedrigeren Gewinnausschüttungen bei den investierten Firmen und höheren E-Commerce-Kosten mit einem Gewinnrückgang zu rechnen, teilte Prosus mit.

Quelle: ntv.de, ara/rts

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