Wirtschaft

Konsequenz aus Fall Khashoggi Siemens-Chef Kaeser sagt Riad-Reise ab

Nach dem gewaltsamen Tod des Journalisten Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ist die internationale Empörung groß. Nach langem Zögern entscheidet sich Siemens-Chef Kaeser nun, nicht an einer Investorenkonferenz im Königreich teilzunehmen.

Siemens-Chef Joe Kaeser verzichtet nach dem mutmaßlichen Mord des Journalisten Jamal Khashoggi auf seine geplante Reise nach Saudi-Arabien. Kaeser teilte in einem Beitrag auf Linkedin mit, er ziehe seine Zusage für die "Future Investment Initiative" in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad zurück: "Ich werde nicht an der FII 2018 teilnehmen. Es ist die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste."

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Er habe hunderte, wenn nicht tausende Emails und Social-Media-Posts erhalten, deren Absender ihn ersucht hätten, an der Konferenz nicht teilzunehmen, schrieb der 61-Jährige. Seine Absage sei keine Entscheidung gegen das Königreich Saudi-Arabien oder sein Volk, sagte Kaeser. Siemens sei seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner Saudi-Arabiens gewesen und unterstütze die Vision 2030.

Aber in der aktuellen Situation "muss die Wahrheit herausgefunden und der Gerechtigkeit gedient werden", so Kaeser in seiner Begründung. Kaeser war in Politik und Medien in die Kritik geraten, weil er seine Teilnahme nicht schon früher abgesagt hatte. Saudi-Arabien ist für Siemens ein Milliardenmarkt, derzeit ist das Unternehmen dort an zwei Großprojekten beteiligt: dem Bau eines Gaskraftwerks und der neuen U-Bahn in der Hauptstadt Riad.

Zahlreiche weitere Absagen

Kaeser begründete sein Zögern damit, dass er die Interessen aller Beteiligten habe berücksichtigen wollen: Die Ziele und den Ruf von Siemens, die Partnerschaft mit den Kunden in der arabischen Welt und dem saudischen Königreich, eine geschäftliche Chance mit einem Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar bis 2030 und Tausende von Arbeitsplätzen in Saudi-Arabien und anderswo.

Auch andere Größen aus Politik und Wirtschaft machen einen Bogen um das Treffen. Absagen kamen unter anderem von US-Finanzminister Steven Mnuchin, IWF-Chefin Christine Lagarde und den Chefs von Deutscher Bank, HSBC und Credit Suisse. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, sagte seine Teilnahme an der Konferenz ebenfalls ab, die international auch als "Davos in the Desert" ("Davos in der Wüste") bekannt ist und zu den größten Wirtschaftstreffen der Welt gehört.

Nach wochenlangem Dementi hatte Saudi-Arabien am Samstag eingestanden, dass der regierungskritische Journalist Khashoggi im Konsulat des Königsreichs in Istanbul getötet worden sei. Demnach kam der 59-Jährige bei einer Schlägerei ums Leben. Laut türkischen Medienberichten, die sich auf Audioaufnahmen aus dem Konsulat stützen, wurde Khashoggi dort jedoch gefoltert, getötet und sein Leichnam zerstückelt.

Quelle: ntv.de, cri/rts/DJ/dpa