Wirtschaft

"Bequem, uns mit reinzuziehen" Siemens Energy weist Gazprom-Vorwürfe zurück

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Energieversorger fürchten, dass bald gar kein russisches Gas mehr durch Nord Stream 1 nach Deutschland fließt.

(Foto: REUTERS)

Gazprom begründet seine geringeren Gaslieferungen nach Deutschland mit verzögerten Reparaturen, für die Siemens Energy verantwortlich sei. Eine fadenscheinige Argumentation, sagt deren Chefaufseher Kaeser.

Der Energiekonzern Siemens Energy wehrt sich gegen Behauptungen aus Russland, die Gaslieferungen nach Deutschland müssten gedrosselt werden, weil das Unternehmen Turbinen nicht rechtzeitig warte. "Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist", sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, der "Süddeutschen Zeitung". "Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln." Und weiter: "Da muss es einfach eine politische Motivation geben, das geht gar nicht anders."

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte die russische Begründung bereits als vorgeschoben kritisiert. Russlands staatlicher Energieriese Gazprom hatte Mitte des Monats die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 weiter heruntergefahren. Der Gaslieferant begründete den Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten. Am 11. Juli beginnt zudem eine zehntägige Routinewartung der Pipeline. Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen und Energieversorger sind besorgt, dass Gazprom Nord Stream 1 danach nicht wieder anstellen könnte.

Kaeser lobte in der Zeitung Scholz' Krisenmanagement: "Herr Scholz mag nicht der größte Storyteller sein, wie man heutzutage so schön sagt. Aber der Kanzler ist sachlich, besonnen und versucht zu deeskalieren, das ist heutzutage auch schon eine Gabe." Man stecke gerade mitten in einer Kriegskommunikation. Da sei er sich gar nicht so sicher, ob "man wirklich immer alles ankündigen soll, was man vorhat. Vielleicht ist man dabei besser beraten, die Dinge erst mal zu machen und dann darüber zu reden", sagte Kaeser, der von 2013 bis 2021 Siemens-Chef war.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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