Wirtschaft

"Talsohle" in Sicht Siemens meldet Gewinneinbruch

Das Auftragspolster ist "komfortabel", die Liquiditätsposition "sehr solide": Siemens sieht sich für künftige Herausforderungen gerüstet. Doch noch spürt der Konzern die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Gewinn und Umsatz gehen teils deutlich zurück.

Nach einem schwierigen zweiten Geschäftsquartal mit einem deutlichen Gewinneinbruch hat nun auch Siemens seine Prognose für das laufende Jahr einkassiert. Statt einer moderaten Steigerung geht das Unternehmen wegen der Corona-Pandemie nun von einem moderaten Umsatzrückgang aus, wie Siemens in München bei der Vorlage der Quartalszahlen berichtete. Für das Ergebnis gibt der Konzern noch keine neue Prognose.

Siemens
Siemens 120,88

Für das laufende Quartal ist noch nicht mit Besserung zu rechnen. "Wir erwarten, im dritten Quartal unseres Geschäftsjahres die Talsohle zu erreichen", sagte Konzernchef Joe Kaeser. Der Nachfragerückgang werde sich vor allem in den künftigen Kernsparten Digital Industries (Industrie-Automatisierung) und Smart Infrastructure (Bautechnik und öffentliche Infrastruktur) zeigen, die schneller auf die Konjunktur reagieren.

Kaeser betonte: "Wir haben trotz komplizierter Umfeldbedingungen ein robustes Quartal abgeliefert." Auch für die weiteren Herausforderungen sieht sich der Konzern gerüstet: Man verfüge über eine "sehr solide Liquiditätsposition", sagte Finanzvorstand Ralf P. Thomas. Zudem habe man ein "sehr widerstandsfähiges und diversifiziertes Geschäftsportfolio". Hinzu kommt ein laut Siemens "sehr komfortables Auftragspolster" von 69 Milliarden Euro - ohne Siemens Energy gerechnet.

Unter dem Strich verdiente Siemens von Januar bis März 697 Millionen Euro, ein deutlicher Rückgang von fast zwei Dritteln im Vergleich zum starken Vorjahresquartal. Dabei machten sich unter anderem Verluste aus dem Energiegeschäft bemerkbar. Der Umsatz ging auf vergleichbarer Basis um ein Prozent auf 14,2 Milliarden Euro zurück, der Auftragseingang aber schon um neun Prozent auf 15,2 Milliarden. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) aus dem Industriegeschäft gab um 18 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro nach.

Siemens Energy ist in den operativen Zahlen nicht mehr enthalten. Die Tochter rutschte einschließlich des Windkraft-Konzerns Siemens Gamesa im zweiten Quartal mit 317 (2018/19: plus 205) Millionen Euro in die roten Zahlen.

"Hier gibt es keinen Zeitdruck"

Am Plan, Siemens Energy im September an die Börse zu bringen, hält der Konzern allerdings weiter fest. In diesem Zusammenhang setzt das Unternehmen auch sein Aktienrückkaufprogramm aus. Dies habe aber technische Gründe und nichts mit der Corona-Krise zu tun, betonte ein Sprecher. Nach der Abspaltung soll der Aktienrückkauf fortgesetzt werden.

Nach Siemens Energy will Siemens nun auch die Düsseldorfer Tochter Flender abspalten und an die Börse bringen. Der Hersteller mechanischer Antriebe - vor allem für Windanlagen - gilt seit Jahren als Kandidat für einen Verkauf. Flender kommt auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro.

Über die neue Strategie für seine Zugsparte will das Unternehmen noch länger nachdenken. Das "strategische Update" für Siemens sei auf das vierte Quartal (Juli bis September) verschoben, sagte der stellvertretende Vorstandschef Roland Busch. "Hier gibt es keinen Zeitdruck." Siemens beobachte aber die Konsolidierung des Zug-Marktes "sehr aufmerksam", betonte Busch mit Blick auf die Fusionspläne der Rivalen Alstom und Bombardier. Eine Übernahme der französischen Alstom durch Siemens war von den EU-Wettbewerbshütern vereitelt worden. "Wir werden unser Portfolio selektiv verstärken, immer wenn sich Gelegenheiten ergeben", sagte der designierte Vorstandschef.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen