Wirtschaft

Alnatura-Gründer Rehn "Sind die grüne Ameise zwischen Pflastersteinen"

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(Foto: picture alliance / dpa)

Götz Rehn hat mit Alnatura seit den 1980ern nicht nur eine Biosupermarktkette aufgebaut. Als Antroposoph schafft er auch ein einmaliges Ökosystem, ein Netzwerk aus Bio-Bauern, Produzenten und Lieferanten. Für Deutschlands Vorzeigeunternehmer ist weniger mehr. Er will "Wirtschaft neu denken".

Götz Rehn ist ein Unternehmer, der ganz andere Botschaften hat als andere Firmen und Gründer, und zwar seit Jahrzehnten. Er stellt den Sinn vor den Profit, der Mensch ist Mittelpunkt, Weniger ist Mehr. Er fordert seit Jahren "Wirtschaft neu zu denken" und umzusteuern. Gleichzeitig hat er mit Alnatura gezeigt, dass man mit solchen Prinzipen der Nachhaltigkeit erfolgreich sein kann. Im Bio-Segment hat Rehn einen Hidden Champion aufgebaut, der zuletzt um 20 Prozent gewachsen ist und die Umsatzmilliarde geknackt hat. 142 Märkte in 67 Städten hat Alnatura, 1300 eigene Produkte, dazu Handelspartner in 14 Ländern und 12.800 Filialen.

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Götz Rehn, Gründer und Geschäftsführer von Alnatura

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf die bisherigen Verhandlungen des COP26-Klimagipfels in Glasgow schaut er verhalten. Die Ergebnisse "halten sich in Grenzen", sagt er im Podcast "Die Stunde Null". "Wir machen einfach den großen Fehler, dass wir die Erde überlasten." Seine Botschaft: mehr Tempo. Einen oft unterschätzen Hebel sieht er in der Landwirtschaft. "50 Prozent der Biokapazitäten der Erde werden heute nur für Ernährung benötigt", sagt Rehn. Ein Großteil falle auf den "überzogenen Fleischkonsum". "Ich bin nicht der Freund davon, dass wir kein Fleisch mehr essen, sondern es ist immer die Frage des Maßes", sagt Rehn. Mehr ökologische Landwirtschaft würde Humus aufbauen, der wiederum CO2 bindet. "Und Sie haben sauberes Grundwasser." Bisher würden aber zu wenig Landwirte umstellen, 2019 waren es in Deutschland 90.000 Hektar.

Beim Wachstum geht es Rehn nicht um Profit, da reichten 1,5 bis zwei Prozent. "Wir geben das Geld lieber in günstigen Preisen an die Kunden weiter." Alnatura hatte die Preise in den vergangenen Jahren immer wieder gesenkt und zahlt allen Mitarbeitern 13 Euro. Nun erwartet allerdings auch Rehn Preiserhöhungen wegen der gestiegenen Transport- und Rohstoffkosten.

Als Rehn Alnatura 1984 gründete, hielten ihn viele für einen Idealisten. "Als ich die Ideen vorgestellt habe, haben alle gesagt: Das wird nie funktionieren", erinnert sich der Unternehmer. Er hat das Gegenteil bewiesen. Dennoch fühlt sich Rehn manchmal wie "eine kleine grüne Ameise zwischen den Pflastersteinen", die ständig aufpassen muss, nicht von "den großen Tieren" zerdrückt zu werden. Denn der deutsche Lebensmittelmarkt ist "hart und umkämpft".

Für ihn sei es "Aufgabe der Wirtschaft, die Entwicklung des Menschen zu fördern". Er beschrieb sich in dem Podcast als "Wirtschaftsarzt", der zeigt, dass anderes Wirtschaften möglich sei. Nicht der Erfolg, sondern der Mensch sei das Maß aller Dinge.

Vor einigen Jahren hat Alnatura in Darmstadt auf einem ehemaligen Gelände des US-Militärs eine neue Zentrale gebaut, die mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde. Die Wände des Campus sind aus Stampflehm mit geothermischer Wandheizung, die Frischluft wird aus dem angrenzenden Wald angesaugt, das Wasser kommt aus einer 1000 Kubikmeter großen Regenwasser-Zisterne. Daneben gibt es Kräutergärten, ein Fahrradparkhaus, Ladestellen für E-Bikes und -Autos, einen Waldorfkindergarten – und ein Freilufttheater, wo die Lehrlinge Theater spielen.

Mehr zum Thema

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie die Anthroposophie Rehns Weltanschauung beeinflusst hat
  • Welche Rolle dm-Gründer Götz Werner bei den Anfängen von Alnatura gespielt hat
  • Alle Details zum Alnatura-Campus

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio NowApple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi

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