Wirtschaft

Fliegt Griechenland aus dem Euro? Sinn: Das wäre das Beste für das Land

Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn hält weitere Verhandlungen mit Griechenland für falsch. Ohne Grexit gehe das Theater nur weiter. Bei n-tv erklärt er, weshalb die Drachme dem Land die Chance bieten würde, wieder wettbewerbsfähig zu werden.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland hat sich der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, für einen geordneten Ausstieg des Landes aus dem Euro ausgesprochen. "Der absehbare Konkurs des Landes ist sehr bedauerlich", erklärte Sinn in einem Gespräch mit n-tv. Griechenland brauche nun sofort eine neue elektronische Währung parallel zum Euro und den Stopp aller Euro-Überweisungen ins Ausland.

"Die Griechen leben seit Jahren über ihre Verhältnisse", so Sinn. Das habe Griechenlands Wettbewerbsfähigkeit verhindert. "Wenn das Lohnniveau nicht mehr der Produktivität entspricht, ist die Arbeit zu teuer und so verliert man seine Wettbewerbsfähigkeit - und schließlich auch den Job." Dieses Phänomen zeige sich seit Jahren in Griechenland, wo die bisherigen Regierungen nichts Wirkungsvolles getan hätten, um diesen Trend zu stoppen. Aktuell hat Griechenland eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 50 Prozent.

Billiger für den Rest der Welt

Der ifo-Präsident warnt in diesem Zusammenhang vor einer "verlorenen Generation" mit unkalkulierbaren Folgen. Das Land habe jetzt die Möglichkeit gegenzusteuern und den Euro-Raum zu verlassen - nicht aber die EU. Noch scheuten sich die Griechen vor einem solchen Schritt. "Viele Menschen fürchten sich vor der Senkung der Realeinkommen. Auf der anderen Seite würden ganz viele Menschen zu einer Arbeit kommen, die jetzt aufgrund der Wettbewerbsverzerrungen keinen Job haben." Im Zweifel sei das gerechter, in jedem Fall aber effizienter für die griechische Wirtschaft und auch billiger für den Rest der Welt, weil Griechenland keine Kredite mehr aus anderen Ländern bräuchte.

Sinn verwies darauf, dass Griechenland durch den Euro in eine "inflationäre Kreditblase geraten" ist. Um das rückgängig zu machen, sollte Griechenland jetzt den Euroraum verlassen und zur Drachme zurückkehren. "Die neue Währung würde abwerten gegenüber dem Euro, und damit würde das Land wieder wettbewerbsfähig." Dadurch, dass sich Importe auf diesem Weg verteuerten, würden die Griechen vermehrt auf heimische Ware zurückgreifen und die griechische Wirtschaft beleben. Derzeit importiert Griechenland mehr als 50 Prozent dessen, was es exportiert.

Sinn geht auch davon aus, dass infolge des Währungswechsels der Tourismus sehr rasch wiederbelebt würde. "Dadurch kommt das Fluchtkapital zurück, weil Griechenland durch die Abwertung der neuen Währung extrem attraktiv für jene wird, die sich jetzt gegen Investitionen in Griechenland entscheiden." Zusätzlich würde der Immobilienmarkt wieder Schwung aufnehmen. Die Griechen könnten sich wieder Immobilien leisten und renovieren. Ein Bauboom und die Entstehung neuer Arbeitsplätze wären die Folge.

Alle zurück auf Start

Außerdem hält der Wirtschaftsforscher eine Schuldenkonferenz mit allen Gläubigern für nötig, um nach dem Euro-Austritt einen Schuldenschnitt zu besprechen. Das werde vor allem die Euro-Staaten, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) treffen. Die griechische Notenbank dürfte ab sofort keine neuen Euros mehr elektronisch herstellen oder Euro-Banknoten ausgeben, forderte Sinn. Die noch vorhandenen Euro-Banknoten in Griechenland könnten als paralleles Bargeld erhalten bleiben. In einigen Wochen würden die Banknoten der neuen Währung gedruckt sein, so Sinns Vorschlag von einem geordneten Grexit.

Von Seiten der Geldgeber betreibt bisher niemand einen Austritt Griechenlands aus dem Euro - im Gegenteil: Trotz des Zerwürfnisses mit der Tsipras-Regierung ist der politische Wille noch da, Athen im Euroraum zu halten. Auch mehrere Umfragen belegen, dass weit mehr als die Hälfte aller Griechen lieber im Euro-Raum verbleiben würden.

Quelle: n-tv.de, ppo

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