Abschied als Chef nach 15 JahrenSo extrem ist die Apple-Aktie unter Tim Cook gestiegen

Tim Cook hat Apple kein völlig neues Gesicht gegeben. Stattdessen machte er aus einem bereits erfolgreichen Konzern eine Geldmaschine. Er übergibt den Chefposten seinem Nachfolger mit einer beeindruckenden Börsenbilanz.
2200 Prozent Kursplus in 15 Jahren sind eine ziemlich gute Bilanz für einen Vorstandschef. So stark ist die Apple-Aktie gestiegen, seit Tim Cook im August 2011 die Führung des Konzerns übernahm. Der breite Aktienmarkt konnte damit nicht mithalten. Der S&P 500 legte um rund 560 Prozent zu.
Nun endet Cooks Amtszeit: Am 1. September übergibt der 65-Jährige an den bisherigen Hardware-Chef John Ternus und wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats. Unter Cook entwickelte sich Apple von einem für seine Hardware wie iPhones und Mac-Computer bekannten Technologiekonzern zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Sein Erfolg beruhte darauf, mit den zahlreichen Apple-Geräten immer mehr an den einzelnen Nutzern zu verdienen, die Lieferkette auf höhere Margen zu trimmen und das eigene Ökosystem streng zu kontrollieren und abzuschotten.
Apples wichtigste Produktlinien - iPhone, Mac und iPad - sind seit 2011 unverändert. Das iPhone blieb dabei das wichtigste Produkt des Konzerns. Cook baute das Geschäft weiter aus: Während seiner Amtszeit wurden mehr als drei Milliarden dieser Geräte ausgeliefert. Das iPhone steht nach wie vor für etwa die Hälfte des gesamten Apple-Umsatzes.
Die erfolgreichsten neuen Hardware-Kategorien unter Cook waren die Apple Watch und die AirPods. Der HomePod und die Datenbrille Vision Pro blieben dagegen Nischenprodukte. Nicht jede Wette von Cook ging auf. Das Projekt für ein eigenes Elektroauto wurde 2024 eingestellt - nachdem Apple über zehn Jahre viele Milliarden Dollar investiert hatte.
Ein Vermächtnis Cooks im Hardwaregeschäft: Apple entwickelte unter seiner Führung eigene Chips und löste sich von Zulieferern wie Intel. Das trug dazu bei, die ohnehin hohen Margen weiter zu steigern. Zugleich setzte Cook auf das Dienstleistungsgeschäft, das bei seiner Amtsübernahme noch nicht als eigenständiger Geschäftsbereich existierte. Das Unternehmen machte seine weitverbreitete Hardware zu einer lukrativen Plattform für Dienste wie Apple Pay, iCloud, den App Store, Apple Music und den Streamingdienst Apple TV+. Die Grundlage dafür ist inzwischen gewaltig. Als Cook von Jobs übernahm, wurden weltweit rund 200 Millionen Apple-Geräte genutzt, heute sind mehr als 2,5 Milliarden aktiv. Inzwischen zählt Apple 1,5 Milliarden zahlende Abonnenten.
Nur Nvidia ist an der Börse wertvoller
Diese Services sorgen für wiederkehrende Einnahmen und höhere Margen als das Hardwaregeschäft. Sie machen Apple zugleich weniger abhängig davon, wie viele neue Geräte der Konzern gerade verkauft. Zugleich binden die Dienste die Kunden enger an Apples Produktwelt. Mittlerweile erzielt allein dieser Bereich mehr Jahresumsatz als die meisten im US-Standardwerteindex S&P 500 gelisteten Unternehmen insgesamt. Im vergangenen Jahr entfiel fast ein Viertel des Apple-Umsatzes auf Dienstleistungen.
Heute bringt Apple rund 4,7 Billionen Dollar auf die Börsenwaage und ist damit nach dem Chip-Hersteller Nvidia der zweitwertvollste Konzern der Welt. Zeitweise waren es sogar mehr als fünf Billionen Dollar. Damit hat sich der Börsenwert während Cooks Amtszeit mehr als verzehnfacht. Im Geschäftsjahr 2011 setzte Apple 108 Milliarden Dollar um und verdiente knapp 26 Milliarden Dollar. 2025 waren es 416 Milliarden Dollar Umsatz und 112 Milliarden Dollar Gewinn.
Cook hatte den Chefposten übernommen, nachdem Steve Jobs zurückgetreten war. Sechs Wochen später starb der Apple-Gründer im Alter von 56 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Damals war der Konzern bereits rund 350 Milliarden Dollar wert. Jobs war Ende der 1990er Jahre zurückgekehrt und bewahrte das tief in der Krise steckende Unternehmen vor dem Untergang. Die Aktie legte in Jobs zweiter Amtszeit als Apple-Chef um mehr als 6000 Prozent zu.
Ganz ohne Baustellen übernimmt Ternus den Konzern nicht. Cooks vorsichtiger Kurs und die starke Abhängigkeit von der Produktion in China wurden in den vergangenen Jahren zunehmend zum Problem. Apple geriet unter Druck von Politikern und Aufsichtsbehörden weltweit, während zugleich das Image als Innovator im KI-Zeitalter gelitten hat.
Apple hat sich aus dem extrem kostspieligen Wettrennen um eigene KI-Modelle und Rechenzentren weitgehend herausgehalten, ist deshalb aber gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Die Überarbeitung des Sprachassistenten Siri verzögerte sich. Statt eigene Modelle zu entwickeln, greift Apple auf Technologien von OpenAI und Google zurück.
Anleger wollen wissen, wie Apple mit Künstlicher Intelligenz Geld verdienen möchte. Das wird nun ein Hardware-Mann beantworten müssen. Der 51-jährige Ternus arbeitet seit 25 Jahren für Apple und war an der Entwicklung der AirPods und der Apple Watch ebenso beteiligt wie an mehreren Generationen von MacBook und iPhone. Nun muss er zeigen, ob sein Fokus auf Produkte auch im KI-Zeitalter funktioniert.