Wirtschaft

Verschleiern ist das Ziel So funktionieren Briefkastenfirmen

17cd972ea343a2d5be1e01639991ad81.jpg

In Panama fragt niemand, woher das Geld kommt.

(Foto: dpa)

Briefkastenfirmen sind nicht per se illegal. Für ihre Einrichtung kann es gute Gründe geben, wenn auch nicht unbedingt moralische. Meistens haben die Investoren aber etwas zu verbergen. So gehen sie vor.

Politiker und Prominente, Sportler und Schwerverbrecher – die Finanzkanzlei Mossack Fonseca zieht eine illustre Kundschaft an. Das zeigen die "Panama Papers", mehr als elf Millionen Dokumente, die die Süddeutsche Zeitung zusammen mit einem internationalen Recherchenetzwerk ausgewertet hat. Mossack Fonseca hat für sie und viele andere Klienten Briefkastenfirmen in Panama gegründet. Alles ganz legal, beteuern nun einige der Betroffenen und auch Banken, die Konten für Offshore-Gesellschaften führen. Selbstverständlich stehe dies "im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen", erklärte beispielsweise ein Sprecher der Hamburger Privatbank Berenberg, die über ihre Schweizer Vermögensverwaltungstochter Briefkastenfirmen vermittelt hat. Auch die Deutsche Bank betonte, dass diese Geschäfte per se nicht gesetzwidrig seien.

Tatsächlich gibt es auch in Deutschland und Europa Briefkastenfirmen, genauso wie auf den Kaimaninseln, in Panama oder anderen Steuerparadiesen. Die sind per se erstmal nicht illegal. Eine Option sind Briefkastenfirmen immer dann, wenn man verschleiern möchte, wer wirtschaftlich hinter einem Unternehmen steht. In Deutschland sind die Gesellschafter normalerweise im Handelsregister eingetragen. Wer hier nicht erkennbar werden will, kann Strohleute einsetzen und mit ihnen Treuhandvereinbarungen abschließen.

Lieber unterm Radar fliegen

Für diese Verheimlichungstaktik kann es Motive geben, die vielleicht nicht moralisch, aber zumindest legitim sind. Den eigenen Marktauftritt etwa. Wenn sich beispielsweise eine Firma als besonders umweltbewusst positioniert, aber für ihre Vorprodukte in einen Industriezweig investiert, in dem es mit Nachhaltigkeit nicht so weit her ist, dann möchte sie dabei wahrscheinlich lieber unter dem Radar fliegen. Eine Treuhandkonstruktion ist dann das Mittel der Wahl. Dafür muss der Investor dann aber nicht unbedingt ins Ausland ausweichen.

Nicht mal wenn man sein Geld in eine Steueroase schafft, tut man damit automatisch etwas Verbotenes. Wenn ein Fußballprofi oder ein Politiker seine Millionen in Panama anlegt, möchte er womöglich nicht, dass die Presse mitbekommt wie viel er hat und dass er darauf relativ wenig Steuern zahlt. Da ist die Briefkastenfirma eine naheliegende Option. Solange die Geschäfte für die Finanzbehörden transparent sind, ist das rechtlich nicht zu beanstanden.

Oft ist es aber so, dass hinter der Verschleierung kriminelle Gründe stecken. Dann soll nicht nur der Besitzer des Geldes geheim bleiben, sondern auch dessen Herkunft. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, das Schleusen von Bestechungsgeldern oder die Umgehung von Sanktionen – hier sind Briefkastenfirmen, die nicht mit dem Namen des Vermögenden in Verbindung gebracht werden, erste Wahl. Unter den Kunden von Mossack Fonsecas fanden sich laut "Süddeutscher Zeitung" beispielsweise Mitglieder diverser Mafia-Banden, außerdem folgten die Rechercheure Spuren zu Bestechungsskandalen und zu korrupten Staats- und Regierungschefs.

Basispreis 1000 Euro im Jahr

Und wie läuft das Ganze in der Praxis? Die Person oder Firma, die Gelder verstecken will, kann nicht einfach selbst eine Briefkastenfirma gründen. Stattdessen wendet sie sich meist an eine Bank, einen Steuerberater oder Anwalt. Der wiederum beauftragt einen sogenannten Offshore-Provider, häufig sind das Kanzleien. Mossack Fonseca ist einer der größten Anbieter in diesem Bereich. Für die Firmengründung setzt der Vermittler einen Scheindirektor ein. Der gibt seinen Namen und bekommt dafür Geld, hat aber mit den Geschäften nichts weiter zu tun. Bei Mossack Fonseca etwa diente eine Über-60-Jährige in den vergangenen 30 Jahren mehr als 25.000 Unternehmen als Direktorin, teils mehr als 3000 Firmen gleichzeitig.

Der Kunde überträgt nun Geld, Immobilien oder andere Werte auf die Scheinfirma. Damit er auf sein Geld zugreifen kann, bekommt er eine Kreditkarte, die auf den Namen des Unternehmens läuft. Die Behörden des Heimatlandes bekommen somit von alldem nichts mit. 1000 Euro im Jahr sind der Basispreis für den Service, Scheindirektoren und die Verschleierung der wahren Aktieninhaber kosten extra. So wird das Vermögen oft auf mehrere Stiftungen verteilt, um Rückschlüsse auf den Eigentümer noch weiter zu erschweren. Im Fall der "Panama Papers" war das aber offenbar vergebens.   

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema