Wirtschaft

Ungewisser Ausgang So können Anleger am Brexit verdienen

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Ob es zum harten Brexit kommt, bleibt ungewiss.

(Foto: AP)

Trotz mehr als zweieinhalbjähriger Verhandlungen weiß niemand, wie der Austritt Großbritanniens aus der EU genau aussehen wird und wann er kommen wird. Für alle steht viel auf dem Spiel - auch für Anleger.

England wird landläufig als das Mutterland des Fußballs bezeichnet. In die Fußballsprache übersetzt, steht das Brexit-Spiel kurz vor dem Abpfiff - es sei denn, es geht in die Verlängerung. Sollte der wahre Fußball ein Omen sein, dann haben die Europa-Freunde auf der Insel in dieser Woche reichlich Rückenwind bekommen. 2016, als alles losging, spielte das Land in der Champions-League fast keine Rolle. Nun, drei Jahre später, stehen gleich vier Teams von der Insel im Viertelfinale - ein Traum. Doch das Erwachen kann böse sein.

Euro / Britisches Pfund
Euro / Britisches Pfund ,00

Auch für Anleger geht es in Sachen Brexit jetzt in die heiße Phase. Die Uhr tickt rapide: Damit es nicht zu einem ungeregelten Ausstieg aus der EU kommt, haben die Abgeordneten des britischen Parlaments einer Fristverlängerung des Brexit bis zum 30. Juni zugestimmt. Doch ob es dazu kommt, steht in den Sternen. Was unter anderem daran liegt, dass die EU dem noch zustimmen muss.

Und was heißt das für Anleger? "Nachdem viele Abgeordnete des englischen Parlaments zuletzt betont haben, dass sie einen ungeregelten Austritt vermeiden möchten, sind zahlreiche Investoren am Währungsmarkt ziemlich entspannt", sagt Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Brokerhaus ActivTrades. So ist das britische Pfund mit 1,32 Dollar je Pfund in die Nähe des Acht-Monats-Hochs geklettert. Wer auf eine einvernehmliche Lösung eines geregelten Brexits und damit auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends beim britischen Pfund setzen will, kann etwa ein entsprechendes Währungskonto einrichten. Das ist allerdings eher aufwändig.

Eine Alternative ist ein Währungsinvestment über das eigene Depot mit Hebelpapieren auf das britische Pfund, entweder gegenüber dem Dollar oder dem Euro. "Allerdings sind diese Produkte gehebelt und daher nur für risikofreudige Anleger geeignet", sagt Sebastian Bleser, Derivate-Experte bei HypoVereinsbank onemarkets. "Es werden aber auch moderate Hebel von 5 bis 10 angeboten", so Bleser.

Unternehmen sind verunsichert

Optimistisch bewertet der britische Aktienmarkt die Situation um den Brexit aber nicht, er tendierte zuletzt überwiegend seitwärts. Auch wenn in den vergangenen drei Monaten leichte Kursgewinne herausgesprungen sind, lagen sie doch unterhalb der Wertentwicklung des Dax oder der großen US-Indizes wie dem S&P 500 oder dem Nasdaq. Diese Entwicklung ist nicht verwunderlich, denn Konsumenten, Anleger und Unternehmen sind verunsichert.

So ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Februar von 52,6 auf 52 Punkte gesunken, das ist nicht nur ein Vier-Monats-Tief, sondern der zweitniedrigste Wert seit dem Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016. Zudem warnen etliche Autobauer vor den Folgen des Brexits. Für Toyota sei er "die größte Sorge", sagte Johan von Zyl, der Chef der Europa-Sparte des japanischen Autobauers. Der weltweit zweitgrößte Premiumhersteller BMW will notfalls einen Teil der Produktion des Mini von einem Werk nahe Oxford woanders hin verlegen, während Honda sein Werk in Großbritannien gegebenenfalls schließen wird.

Wirtschaft leidet

Die Schwäche im Industriesektor ist längst auf die wichtige Dienstleistungsbranche übergeschwappt, die fast 80 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. "Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes signalisieren, dass die britische Wirtschaft im Februar am Rande der Stagnation war", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei IHS Markit. "Die Daten deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um lediglich 0,1 Prozent (gegenüber dem Vorquartal) wächst", so der Experte. Im vierten Quartal 2018 lag das Plus nur bei 0,2 Prozent. Für den Aktienmarkt dürfte es daher auch bei einem geregelten EU-Austritt Großbritanniens schwer werden.

Neben der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung kommt hinzu, dass das starke Pfund den Unternehmen Vorteile im internationalen Wettbewerb nimmt. Außerdem ist der britische Aktienindex FTSE 100 mit den beiden größten Sektoren Öl und Gas sowie Banken sehr defensiv zusammengesetzt. Zumindest Letztere könnten auch bei einem weichen Brexit die großen Verlierer sein, wenn die Institute ins Ausland ziehen und den Finanzplatz London schwächen. Während am Währungsmarkt Investoren darauf setzen, dass der Brexit schlussendlich gut ausgehen wird, sind die Anleger am Aktienmarkt nicht so überzeugt. Umso wichtiger ist es, dass May und die EU baldmöglichst Klarheit schaffen - sei es in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen.

Quelle: n-tv.de

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