Wirtschaft

Fässer kaufen? Lieber nicht! So profitieren Sie vom Ölpreis

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Praktischer als Fässer dürften Zertifikate sein.

(Foto: REUTERS)

Seit dem jüngsten Ölpreissturz sind viele Anleger ganz versessen auf Öl. Der als schwarzes Gold gepriesene Rohstoff ist so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Doch wie lässt sich am besten in Öl investieren?

In der Corona-Krise spielen nicht nur die Aktienmärkte verrückt, sondern auch die Ölpreise. Die Turbulenzen begannen im März, als sich die Opec und Russland nicht auf eine Produktionskürzung einigen konnten. Die Ölpreise brachen zeitweise um mehr als 60 Prozent ein, plötzlich hatte die Welt neben der Gesundheits- auch eine Energiekrise. Der bisherige Höhepunkt: Ende April stürzte der Preis für nordamerikanisches Öl der Sorte WTI sogar in den negativen Bereich, als sich auch noch die Lagermöglichkeiten erschöpften.

Inzwischen notiert der Ölpreis wieder deutlich positiv, ist aber immer noch niedrig. Das bedeutet allerdings nicht, dass es eine gute Idee ist, durch den Kauf von Rohölfässern von den historisch günstigen Preisen zu profitieren. Denn nicht nur die Lagermöglichkeit ist ein Problem, sondern auch der Transport.

Sehr viel praktischer ist ein Öl-Investment über Zertifikate. Diese Finanz-Produkte beruhen auf den Futures-Märkten. Sie werden rege gehandelt und eignen sich deshalb als zugrunde liegender Basiswert für ein Öl-Investment. Mit Öl-Futures wird am Terminmarkt auf künftigen Ölpreise gewettet.

"Wer sich längerfristig am Ölmarkt engagieren will, muss daher die Preisentwicklung der Öl-Futures im Blick haben", sagt Marcus Landau, Derivate-Sales-Experte bei der DZ Bank. "Wenn dort der Preis wie derzeit über dem aktuellen Preis zur sofortigen Lieferung (Kassapreis) liegt, dann erwartet der Markt steigende Öl-Notierungen." Dieser Situation wird als Contango bezeichnet. Aber auch die umgekehrte Situation kann sich ergeben: Die Futures-Preise liegen unter dem aktuellen Ölpreis, somit wird also mit fallende Öl-Notierungen gerechnet.

Auf den Terminmarkt achten!

Wer in Öl investiert, muss also die Preise am Terminmarkt kennen. Die Erwartungen dort entscheiden über den Anlageerfolg. Wenn etwa wie aktuell in einer Contango-Situation der erwartete Ölpreis der Nordsee-Sorte Brent für Lieferung im September 2020 bei 32,20 Dollar liegt, muss der Ölpreis zum vereinbarten Liefertermin bis dahin vom aktuellen Preis zur sofortigen Lieferung bei 30,20 Dollar auf mehr als 32,20 Dollar steigen, damit Gewinne erzielt werden. Doch ob das tatsächlich passiert, steht nicht fest.

Eine Möglichkeit für ein Öl-Investment ist das ungehebelte Brent-Öl-Indexzertifikat mit der WKN CU0L1S (Société Générale), das eine geringe An- und Verkaufsspanne hat. Das Papier entwickelt sich 1:1 mit dem Brent-Ölpreis. Anleger, die auf fallende Ölpreise setzen wollen, müssen dagegen auf Hebelpapiere ausweichen, da es keine ungehebelten Indexzertifikate auf fallende Ölpreise gibt. Der Brent-Öl-Short-Turbo für fallende Brent-Ölpreise mit der WKN KB0K3D (Citigroup) hat nur einen geringen Hebel von 1,6, bewegt sich also um das 1,6-Fache mit dem Brent-Ölpreis. Diese Papiere eignen sich also für den risikobereiten kurz- bis mittelfristig orientierten Anleger.

Das Besondere an einem Ölpreis-Investment ist, dass auch Aktienanleger von steigenden Erdölpreisen profitieren können, nämlich über Öl-Aktien - etwa von Total, BP oder Shell. Hier sind keine Terminkurven zu beachten. Außerdem kann durch ein Brancheninvestment das Einzelaktienrisiko umgangen werden. Auf die größten europäischen Öl- und Gaswerte können Anleger mit einem ETF (Exchange Traded Fund, ein sogenannter börsengehandelter Indexfonds) zu geringen Gebühren und breit gestreut investieren. Der ETF von Lyxor mit der WKN LYX02P bietet dazu Gelegenheit und ist auch für den langfristigen Einsatz geeignet. Damit sich diese Investments in den Ölsektor lohnen, muss sich der Ölpreis allerdings weiterhin erholen.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an.

Quelle: ntv.de