Wirtschaft
Fast 700 Millionen Dollar sollen über Kohle-Exporte nach China in Kim Jong-Uns Atombomben geflossen sein.
Fast 700 Millionen Dollar sollen über Kohle-Exporte nach China in Kim Jong-Uns Atombomben geflossen sein.(Foto: picture alliance / Rodong Sinmun)
Samstag, 08. Juli 2017

Geldwäsche, Waffenhandel, Hacker: So trickst Nordkorea den Westen aus

Von Hannes Vogel

Unterlagen von US-Ermittlern zeigen: Über Kohleexporte nach China sollen rund 700 Millionen Dollar an Pjöngjangs Militär geflossen sein. Es ist nur einer von vielen dunklen Kanälen, über die Kim Jong-Un Atombomben und Raketen finanziert.

Leicht zu finden waren diese Überweisungen bestimmt nicht: Ein Gericht in Washington musste dem Justizministerium erlauben, heimlich Konten bei acht Großbanken in den USA zu überwachen. Über diese soll Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un seit 2009 mehr als 700 Millionen Dollar an sein Militär geschleust haben, um Sanktionen zu umgehen. Das Geld soll laut Gerichtsunterlagen, die n-tv.de vorliegen, über verschiedene Tarnfirmen an "sanktionierte nordkoreanische Endnutzer, inklusive Nordkoreas Militär und Nordkoreas Waffenprogramm" geflossen sein.  

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Keiner der betroffenen Banken, darunter auch der Deutschen Bank, wird deshalb jedoch ein Fehlverhalten vorgeworfen. Hinter den Kulissen lief die verdeckte Aktion der Staatsanwaltschaft schon seit Mai. Bekannt wurde sie aber erst am Donnerstag durch die Freigabe der Gerichtsunterlagen - zwei Tage nachdem Nordkorea erstmals eine Interkontinentalrakete getestet hatte. Mit den Beschlüssen versucht die Trump-Administration Nordkoreas Bombenprogramm auszutrocknen und China zu einer härteren Gangart gegen sein ultrakommunistisches Nachbarland zu zwingen.

Chinese soll Nordkorea bei Geldwäsche helfen

Denn China ist der Schlüssel zur Lösung der Nordkorea-Krise: Peking ist Pjöngjangs wichtigster Handelspartner, ohne die Lieferungen aus China wäre das Regime längst zusammengebrochen. Und nur mit chinesischer Hilfe konnte Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un Washington offenbar jahrelang austricksen. Die überwachten Konten gehörten unter anderem einer Firma, die nach eigenen Angaben nordkoreanische Kohle für jährlich mehr als 100 Millionen Dollar nach China importiert. Dandong Zchicheng Metallic Material Co. sitzt in der gleichnamigen chinesischen Millionenstadt am Yalu, dem Fluss an der Grenze zu Nordkorea. Und hinter der Firma steht laut den Ermittlern ein Chinese namens Chi Yupeng.

Mehrere Quellen, darunter zwei nordkoreanische Überläufer, sollen der US-Justiz ausführlich beschrieben haben, "wie das Yupeng-Netzwerk Transaktionen abwickelt, um die wahre Herkunft und das Ziel von Geldern zu verschleiern". Zahlreiche Überweisungen zwischen dem Yupeng-Netzwerk und Firmen, die erwiesenermaßen mit oder für Nordkorea Geschäfte machen, seien dokumentiert. Yupeng und sein Netzwerk hätten Dollar-Konten, die auf die Namen ihrer Angestellten und mindestens eines Verwandten liefen, für große Überweisungen genutzt: "Kim Jong-Un steckt 95 Prozent der Deviseneinnahmen aus dem Kohleexport in die Förderung des Militärs und Nordkoreas Atomraketen- und Waffenprogramm", zitieren die Ermittler einen Überläufer.

Mit dem Vorgehen gegen das chinesische Geldwäsche-Netzwerk erhöht Washington spürbar den Druck auf Pjöngjang und Peking. Ende Juni hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin bereits eine chinesische Bank aus Dandong vom US-Finanzmarkt verbannt, weil sie Firmen finanziert haben soll, die in Nordkoreas Atomprogramm verwickelt sind. Ende 2016 klagte die US-Justiz bereits mehrere Chinesen und eine weitere Firma aus Dandong wegen Sanktionsverstößen an.

Panzerfäuste aus Pjöngjang

Der Kohle-Export ist nur einer von vielen dunklen Kanälen, über die sich das Regime in Pjöngjang finanziert. "Nordkorea ist besonders verglichen mit dem Iran relativ glimpflich davongekommen", schrieb ein Finanzbeamter aus der Obama-Regierung kürzlich in einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal (WSJ)". "Nordkoreas Geschäfte einzudämmen, ist wie ein großes Triff-den-Maulwurf-Spiel", schreibt die Zeitung.

Die meisten Nordkoreaner im Ausland dienen dem Regime laut Überläufern auf die eine oder andere Art dazu, Geld zu beschaffen. Mehr als 50.000 arbeiten laut einer südkoreanischen Denkfabrik im Ausland. Ihre Löhne müssen sie bei Beamten abliefern. Sogar Pjöngjangs Diplomaten müssen sich zum Wohle der Volksrepublik selbst finanzieren. In Berlin verpachteten sie deshalb jahrelang einen Teil  des nordkoreanischen Botschaftsgeländes an ein Hostel.

Selbst vor Drogenschmuggel und Waffenhandel schreckt Nordkorea nicht zurück. In Malaysia betrieben nordkoreanische Geheimagenten jahrelang eine Tarnfirma, die Militärfunk-Equipment verkaufte. 2016 wurde eine Ladung auf dem Weg nach Eritrea abgefangen. Im gleichen Jahr stoppte Ägypten den Frachter "Jie Shun" aus Nordkorea mit fast 30.000 Panzerfäusten im Suezkanal, versteckt in Holzkisten unter Eisenerz. Die Hintermänner sind öffentlich bekannt: Sie finden sich regelmäßig in den jährlichen Berichten der Uno über die Einhaltung des Waffenembargos gegen Pjöngjang.

Und dann sind da noch Kim Jong-Uns Hacker. Eine hochgeheime Cyber-Truppe namens "Einheit 180" beschafft offenbar mit Cyberattacken Devisen für die Volksrepublik. Sie greift gezielt Banken auf der ganzen Welt an und hebt Geld ab. Nordkoreas Computerkrieger sollen auch hinter der Attacke auf die Zentralbank von Bangladesch stecken, bei der über 80 Millionen Dollar spurlos verschwanden. Die Geldwäscher vom Yupeng-Netzwerk, die die US-Ermittler nun auffliegen ließen, haben offenbar weniger geräuschlos gearbeitet.

Quelle: n-tv.de