Wirtschaft

Wirtschaftsweise fordern ReformSo ungleich ist Deutschlands Reichtum verteilt

17.01.2026, 07:16 Uhr
imageVon Max Borowski und Lukas Wessling (Daten)
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Betongold entscheidet: Immobilienbesitz ist in Deutschland weitgehend ein Privileg der reicheren Bevölkerungshälfte. Daher profitierten die unteren 50 Prozent der Vermögensverteilung - im Gegensatz zu den Wohlhabenden - nicht von steigenden Hauspreisen. (Foto: picture alliance / Countrypixel)

Vermögen ist in Deutschland besonders ungleich verteilt. Nicht nur die SPD findet das ungerecht und will daher die Erbschaftssteuer reformieren. Aber wie viel besitzen die ärmere Hälfte oder die oberen zehn Prozent der Bevölkerung? Und werden die Reichen wirklich immer reicher?

Der Vorschlag der SPD, die Erbschaftssteuer zu reformieren und dabei vor allem Ausnahmen für große Betriebsvermögen zu reduzieren, hat die Debatte über die Verteilung des Reichtums in Deutschland wieder angeheizt. Dass die Ungleichheit beim Vermögen ungerecht ist, sehen keineswegs nur Sozialdemokraten und Linke so. Die Vermögensverteilung in Deutschland sei "so nicht in Ordnung". "Wer schon hatte, hat immer mehr", beklagte etwa im vergangenen Herbst Unionsfraktionschef Jens Spahn in einer ZDF-Talkshow.

Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Lage, die sogenannten Wirtschaftsweisen, kritisierte in seinem jüngsten Jahresgutachten die Vermögensungleichheit in Deutschland. Diese sei im internationalen Vergleich hoch und sollte etwa durch eine Reform der Erbschaftssteuer und eine gezielte Förderung des Vermögensaufbaus der ärmeren Schichten reduziert werden.

Doch wie ungleich ist Vermögen in Deutschland genau verteilt, woraus besteht dieser Reichtum und stimmt es, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht? Ntv.de gibt einen Überblick über die Vermögensverteilung.

Laut Daten der Deutschen Bundesbank besitzt das reichste Zehntel der Bevölkerung etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) des gesamten Vermögens im Land. Die ärmere Hälfte dagegen besitzt nur 3 Prozent. Auf den Bevölkerungsteil dazwischen entfallen 44 Prozent des Gesamtvermögens.

In den 1990er Jahren und Anfang der 2000er war eine deutliche Zunahme der Vermögensungleichheit in Deutschland zu beobachten. Daten des von mehreren französischen Hochschulen herausgegebenen World Inequality Reports zeigen, dass in diesen der Anteil des Vermögens der ärmeren Bevölkerungshälfte um rund zwei Drittel zurückging. Dann stieg er wieder leicht an. Die Wirtschaftsweisen stellen in ihrem Gutachten fest: Seit dem Jahr 2010 ist die Vermögensungleichheit in Deutschland "stabil".

Was bedeutet das alles in absoluten Euro-Beträgen? Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2020 betrug das Durchschnittsvermögen eines Erwachsenen knapp 140.000 Euro. Das Median-Vermögen, der Betrag also, der die Bevölkerungen in eine ärmere und eine reichere Hälfte teilt, belief sich dagegen auf nur 22.800 Euro. Die Mitglieder dieser ärmeren Hälfte verfügten netto - das heißt nach Abzug von Schulden - im Dur Durchschnitt jeweils gerade einmal über knapp 3700 Euro.

Der Teil der Bevölkerung zwischen 50 und 75 Prozent auf der Reichtumsskala kamen auf knapp 73.000 Euro und diejenigen zwischen 76 bis 98,5 Prozent auf etwas unter 300.000 Euro Vermögen pro Person. Die reichsten 1,5 Prozent der Bevölkerung sind laut den DIW-Daten Millionäre, die im Durchschnitt jeweils etwa 2.950.000 Euro besitzen. [GN1]

Eine offizielle Erfassung aller Vermögen gibt es in Deutschland - anders als beispielsweise bei den Einkommen - nicht. Studien beruhen in der Regel auf Befragungen. Zahlen verschiedener Institutionen auf unterschiedlicher Datengrundlage lassen sich nicht immer direkt vergleichen. In den Grundaussagen - etwa dass die Vermögensungleichheit im internationalen Vergleich hoch, aber in den vergangenen 15 Jahren weitgehend stabil ist - ähneln sich die meisten Studienergebnisse jedoch.

Ein Problem dieser Befragungen liegt darin, dass selbst bei großen Erhebungen mit tausenden Befragen Multimilliarden-schwere Vermögen der wenigen Superreichen in Deutschland nicht erfasst und die Ungleichheit daher tendenziell unterschätzt wird. Das DIW versuchte in seiner Studie von 2020 diesen Effekt dadurch auszugleichen, dass es zusätzlich zu den Daten aus der Langzeitbefragung des sozioökonomischen Panels unter anderem die Liste der reichsten Deutschen des "Manager Magazins" in seine Analyse einbezog. Dies ergab, dass das reichste Prozent nicht gut 21 Prozent, sondern sogar mehr als 35 Prozent des Vermögens besitzt.

Entscheidend für die Betrachtung der Ungleichheit ist auch die Frage, ob Rentenansprüche als Teil des Vermögens betrachtet werden. Vor allem für die ärmere Hälfte der Bevölkerung spielen Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung und Betriebsrenten eine große Rolle. Werden Sie in die Analyse einbezogen, beträgt der Anteil der unteren 50 Prozent am Gesamtvermögen nicht mehr zwei, sondern neun Prozent.

Quelle: ntv.de

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