Wirtschaft

Altmaier will Stromnetz ausbauen Solarbranche erwartet Rekord-Bilanz

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Schon nach drei Quartalen in diesem Jahr könnten etwa 40 Milliarden Kilowattstunden Strom aus der Sonnenenergie stammen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Produktion von Strom aus Sonnenenergie strebt dank des intensiven Sommers einen neuen Rekordwert an. Doch nach wie vor stellt der Transport des Ökostroms ein Problem dar. Wirtschaftsminister Altmaier will Abhilfe schaffen.

Bei der Solarstrom-Produktion in Deutschland bahnt sich ein Rekord an. Bereits Ende September dürfte die Erzeugung das Niveau des gesamten Jahres 2017 erreichen. Dies schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft. Man erwarte, dass das Wetter bis zum Monatsende weiter viele sonnige Abschnitte biete, sagte ein Sprecher in Berlin. In diesem Fall dürften schon nach drei Quartalen etwa 40 Milliarden Kilowattstunden Strom aus der Sonnenenergie stammen.

Die Solarkraft ist neben Windkraft, Biogas, Wasserkraft und Geothermie eine Säule der Energiewende. Verbandschef Carsten Körnig erklärte mit Blick auf die absehbare Rekord-Strommenge, es habe zuletzt eine "spürbar anziehende Photovoltaik-Nachfrage" gegeben. Weil es in früheren Jahren - angetrieben auch durch staatliche Förderung - zu einem überhitzten Boom gekommen war, legte die Politik gedeckelte Ausbauziele sowie die Ausschreibung möglichst günstiger neuer Projekte in Auktionen fest.

Körnig mahnte trotz der guten Produktionswerte daher: "Nach Erfolgen bei der Kostensenkung ist jetzt der Zeitpunkt für eine politische Neubewertung und eine deutliche Beschleunigung des Solartechnik-Ausbaus gekommen." Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rechnete zuletzt damit, dass Solarstrom für die Verbraucher billiger werden könnte. Ein Grund dafür sei das Auslaufen der EU-Schutzzölle auf chinesische Photovoltaik-Anlagen.

Die europäische Solarbranche hatte sich lange gegen günstige, importierte Technik aus China gewehrt. Mittlerweile sanken aber auch für heimische Hersteller die Produktionskosten. Viele Firmen können allerdings nicht mehr gewinnbringend wirtschaften. Deutschlands einst größter Solarzellen-Hersteller Solarworld stellte die Produktion ein.

Altmaier stellt Kohlerückgang in Aussicht

Die Bundesregierung will die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent senken. Um dieses Klimaziel zu erreichen, soll neben dem Ausbau erneuerbarer Energiequellen beispielsweise die eingesetzte Kohlekommission bis Ende des Jahres einen Ausstiegsplan aus der Kohleverstromung vorlegen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte vor diesem Hintergrund, dass in Deutschland bis 2030 nur noch die Hälfte des derzeitigen Kohlestroms durch die Netze fließen soll. "Wir werden nach dem Klimaschutz der Bundesregierung rund die Hälfte des Kohlestroms in den nächsten zwölf Jahren vom Netz nehmen, Schritt für Schritt, sodass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet ist", sagte der CDU-Politiker dem SWR. Wie es danach weitergehen solle, darüber spreche gerade die Kohlekommission aus Politikern, Verbänden und Wissenschaftlern.

Altmaier sagte, nötig sei, dass "das Abschalten der Kohlekraftwerke zusammen synchronisiert wird mit dem Fertigwerden der Leitungen". Der Minister will den Ausbau der Stromnetze beschleunigen, wie er anlässlich des Netz-Gipfels mit Vertretern der Bundesländer in Berlin versicherte.

Zusammen mit den zuständigen Kollegen aus den 16 Bundesländern vereinbarte Altmaier beim dem Treffen, dass die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. "Bis Ende 2021 sollen unter anderem alle Vorhaben nach dem Energieleitungsausbaugesetz sowie die Stromautobahnen genehmigt werden", teilte das Wirtschaftsministerium mit. Auch soll das sogenannte Netzausbaubeschleunigungsgesetz überarbeitet werden, um Planung und Bau von Trassen zu vereinfachen.

Anteil erneuerbarer Energie soll erhöht werden

Der von Altmaier vorgelegte "Aktionsplan Stromnetz" soll konkretisiert werden und eine Expertengruppe bis Anfang 2019 einen Entwurf vorlegen. Ziel sei es, den Plan im ersten Quartal des Jahres vom Bundeskabinett verabschieden zu lassen, heißt es in einem Papier des Ministeriums. Dazu soll das Bestandsnetz optimiert und stärker ausgelastet werden, indem die Netze stärker digitalisiert werden.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien im Süden soll durch eine "geeignete Regionalisierung auf eine solide Basis" gestellt werden. Die Minister planen zudem halbjährliche Treffen, um die Probleme schneller angehen zu können. Bis November sollen "hot spots" beim Netzausbau identifiziert werden, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Hinter die Beschlüsse hätten sich alle 16 Bundesländer gestellt, sagte Altmaier. Ziel ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen. Das größte Problem dabei ist, dass Ökostrom - etwa aus Wind - vor allem im Norden und Osten Deutschlands produziert, vornehmlich aber in den Industrienetzen im Westen und Süden das Landes benötigt wird.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP/rts

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