Alternative für Chinas InvestorenSpekulanten kaufen Knoblauchmarkt leer

Weil sie Angst vor spekulativen Blasen haben, regulieren die chinesischen Behörden die Finanz- und Immobilienmärkte strikter. Doch die Anleger auf der Suche nach Profiten finden immer neue Nischen, in die sie ihr Geld stecken. Das Risiko ist hoch.
Öl, Gold oder Nahrungsmittel wie Weizen und Reis gehören zu den Rohstoffen, in die Spekulanten weltweit Milliarden investieren. Findige Anleger in China haben nun ein neues Spekulationsobjekt gefunden: Knoblauch. Berichten zufolge haben Investoren mit viel Geld große Teile der diesjährigen Ernte aufgekauft, in der Hoffnung, ihre Vorräte mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Zu spüren dürfte der Preisanstieg des Knoblauchs nicht nur auf dem chinesischen, sondern auch auf dem Weltmarkt sein, der von chinesischen Produzenten dominiert wird.
Seit Ende vergangenen Jahren steige der Knoblauchpreis in China, berichtet die "Financial Times". Zu Beginn war diese Entwicklung mit der zu erwartenden schlechten Ernte erklärbar. Starke Regenfälle und später Schneefall in der Region Schandong führten Schätzungen zufolge zu Ernteausfällen von etwa neun Prozent verglichen mit dem Vorjahr.
Doch die Preisentwicklung hat mittlerweile ein Eigenleben entwickelt. Innerhalb eines Jahres hat sich der Knoblauchpreis mehr als verdoppelt. Nicht nur halten Bauern wie in der Vergangenheit einen Teil der Ernte in der Hoffnung auf steigende Preise zurück, sondern auch Spekulanten aus den Städten seien mit hohen Summen in das Knoblauchgeschäft eingestiegen. "Viele Leute wussten dieses Jahr, dass die Knoblauchernte schlecht war. Die haben dann gedacht, 'aus dem Preisunterschied werde ich einen Profit schlagen'", zitiert die "FT" die Expertin Cui Xiaona von der Sublime China Information Group, die Preise für verschiedenste Rohstoffe analysiert.
Doch unterschiedlich gut oder schlecht ausfallende Ernten gab es schon in der Vergangenheit. Dafür, dass nun die Spekulanten den Knoblauch für sich entdecken, ist Finanzmarktexperten zufolge die Politik verantwortlich. In dem Maße, in dem die chinesischen Behörden aus Angst vor dem Platzen von Blasen in den vergangenen Monaten versuchten, die Spekulation auf dem Aktien- und zuletzt vor allem auf dem Immobilienmarkt einzudämmen, suchen Anleger nach immer neuen Möglichkeiten. Wie "Bloomberg" berichtet, gehören zu den neuen Spekulationsobjekten neben Knoblauch unter anderem auch bestimmte Teesorten.
Mehr als 80 Prozent der weltweiten Knoblauchexporte stammen von dort. Die Exporte aus China sind allerdings deutlich zurückgegangen. Europäische Einkäufer sollen dort zuletzt einen von Spekulanten weitgehend leergekauften Markt vorgefunden haben.
Analysten zufolge ist ein Investment auf dem volatilen Knoblauchmarkt aber eine riskante Angelegenheit. "Wenn die nächste Ernte normal ausfällt", zitiert die "FT" einen Rohstoffhändler, "dann wird es auf dieser Achterbahn im zweiten Quartal des nächsten Jahres wieder bergab gehen".